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Zirkusmitarbeiter verprügeln Tierschützer

Demonstration vor Zirkus William in Potsdam eskaliert Zirkusmitarbeiter verprügeln Tierschützer

Über Jörg Hartmanns linkem Augenlid prangt eine dicke Narbe. Seine Lippe ist geschwollen, an den aufgeplatzten Stellen hat sich Schorf gebildet. Dem 42-jährigen Tierschützer aus Potsdam fällt es schwer, sich vom Krankenbett zu erheben ‒ so sehr schmerzt die gebrochene Rippe im rechten Brustkorb.

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Jörg Hartmann

Quelle: Josefine Sack

Potsdam. Was als friedlicher Protest gegen angebliche Tierqälerei im Zirkus William begann, geriet am Montagnachmittag brutal außer Kontrolle: Die Zirkusleute schlugen zurück - nicht nur verbal. Jörg Hartmann musste nach der Auseinandersetzung ins Klinikum "Ernst von Bergmann" gebracht werden, die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch.

Seit Freitag protestiert Hartmann gemeinsam mit einer Handvoll Aktivisten der Initiative "Tierzirkus, Zoo und Co. abschaffen" (TZAB) vor dem Zirkus, der gerade im Zentrum-Ost in der Lotte-Pulewka-Straße gastiert, gegen die Zurschaustellung von Tieren in der Manege. Bis Montag verliefen die Proteste friedlich, erzählt der Tierschützer im Gespräch mit der MAZ. Am Montag eskalierte die Situation aber, nachdem Zirkuskinder die Demonstranten, darunter Hartmann und zwei Aktivistinnen, von denen eine ein sieben Monate altes Kind in einer Bauchtrage trug, offenbar mit Wasserpistolen bespritzt hatten. "Die erwachsenen Zirkusmitarbeiter sahen vom Eingang aus feixend zu", erinnert sich Hartmann. Als die Kinder trotz mehrmaligen Bittens nicht aufhörten, die Protestler weiter zu attackieren, platze Hartmann der Kragen: "Ich habe eine Dummheit begangen, als ich einen Fuß auf das gemietete Zirkusgelände setzte", gibt der 42-jährige Vater des Säuglings, der bei dem Protest vor dem Zirkus am Montag mit dabei war, zu. "In dem Moment, als ich durchs Tor ging, war auch schon eine Gruppe von offenbar genau darauf wartenden Männern da, die auf mich einschlug und mich zu Boden trat", so der Aktivist. Erst als wenige Minuten später die Polizei eintraf, die von den übrigen Aktivisten verständigt worden war, ließen die Zirkusleute den am Boden liegenden Jörg Hartmann aufstehen - so lautet zumindest seine Version.

Ganz anders schildert der Zirkus William den Vorfall. "Es wurde keiner verprügelt", meint Zirkussprecher Timo Köppel. Der Tierschützer sei über den Zaun geklettert und habe sich unerlaubt Zutritt zum Zirkus verschafft: "Er begang Hausfriedensbruch und wollte unsere kleinen Kinder verhauen, da diese ihn mit einer Wasserpistole bespritzt hatten - das kommt auf jeder Spielstraße vor", erklärt Köppel die Rangelei. Die Zirkusleute haben den vermeintlichen Eindringling bis zum Eintreffen der Polizei nur festhalten wollen. Die gebrochene Rippe und die Platzwunden im Gesicht habe sich der Aktivist zugezogen, weil er sich wehrte, so der Zirkussprecher weiter. "Es ist ein bedauernswerter Vorfall, der nicht gerade förderlich für unseren Zirkus ist", gibt Köppel dennoch zu. Den Vorwurf der Tierquälerei weist er aber zurück: "Unsere Gehege sind fünfmal so groß wie vom Veterinäramt vorgegeben." Trotz des Vorfalls kämpfen die Aktivisten weiter für ein Tierverbot in der Manege. "Einen Zirkus ohne Gewalt gibt es nicht", ist Hartmann überzeugt. Im Zirkus William haben Tiershows eine lange Tradition. "Ein Tierverbot ist für uns ein Berufsverbot", sagt Zirkussprecher Köppel.

Nicht zum ersten Mal wurden Tierschützer von Zirkusleuten angegriffen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Januar in Leipzig. Seit Jahren stehen Zirkusbetreiber in der Kritik, insbesondere exotische Tiere nicht artgerecht zu halten.

Tiere im Zirkus William

Der „Zirkus William“ hat eine lange Tradition. Er ging hervor aus dem 1827 gegründeten „Zirkus Berlin“. Diesen übernahm der Schausteller Heiner Wille vor rund 25 Jahren. Mittlerweile wird der Zirkus von seinen vier Söhnen weitergeführt.
Besonders Wildtiere gehören beim Zirkus William zum Programm: Der Zirkus hält mehr als 50 Tiere, darunter weiße Löwen und Tiger, Zebras, Antilopen, Kamele und Pferde.

Sein Winterquartier hat der Zirkus in Müncheberg (Märkisch-Oderland).

„Für unsere Gastspiele suchen wir immer extra große Plätze, damit die Tiere genug Freiraum haben“, sagt Zirkussprecher Timo Klöppel.
Der Zirkus William gastiert noch bis zum 11. Mai in Potsdam. An diesem Samstag planen die Tierschützer um 13 Uhr einen Trauerprotest für verstorbene Zirkustiere auf dem Luisenplatz.

Von Josefine Sack

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