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Zoff um Potsdams Mieten

Immobilienverband fordert Differenzierung im neuen Mietspiegel Zoff um Potsdams Mieten

Die Arbeitsgruppe Mietspiegel tagt wieder, und kaum tut sie das, steht sie auch schon unter Feuer. Der Landesverband Berlin/Brandenburg des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen fordert, den neuen Potsdamer Mietspiegel "unter allen Umständen" nach Wohnungslagen zu differenzieren.

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Gute Lagen wie in Babelsberg könnten teurer werden.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. Es gebe "ausgeprägte Wohnlageunterschiede und dementsprechend auch deutliche Unterschiede in der Miethöhe" begründete der stellvertretende Geschäftsführer des Verbandes, Bernd Strehlow: Bisher habe die "komplizierte Definitions-, Erfassungs- und Abgrenzungsproblematik" bei den Wohnlagen dazu geführt, dass man eine Wohnlageunterteilung im Mietspiegel nicht vorgenommen hat. Das sei aber künftig nicht mehr möglich, behauptet Strehlow. Potsdam müsse die vom Gesetzgeber im Paragraphen 558 des Bürgerlichen Gesetzbuches geforderte Lagedifferenzierung im Mietspiegel vornehmen. Der Wohnungsmarkt müsse "realitätsnah und gesetzeskonform" widergespiegelt werden, auch um seine "Akzeptanz auf der Vermieterseite und seine Befriedungsfunktion" zu gewährleisten. Dass es mit einer Lagendifferenzierung tatsächlich friedlicher zugeht auf dem Mietwohnungsmarkt, glaubt man auf der Mieterseite nicht. Die Mieterverbände sind seit jeher gegen eine solche Lageunterscheidung. Aus ihren Kreisen wurde am Mittwoch die Befürchtung geäußert, es könne einen Gutachterkrieg zu den Lagen geben, die naturgemäß und je nach Interesse verschieden eingeschätzt werden würden.

So hat auch der Immobilienverband seine Interessen, vor allem im sanierten Altbaubestand. Wer hier Besitz in einer schon als gut beurteilten Lage hat, aber nach jetzigem Mietspiegel keinen Spielraum für turnunsmäßige Erhöhungen mehr hat, hätte mit einer verbesserten Lageeinschätzung wieder Luft nach oben. Wohnungen in "schlechteren" Lagen dagegen könnten laut Strehlow billiger werden, was die betreffenden Vermieter nicht gern sehen dürften. In den Mieterverbänden hält man die bisherige Differenzierung nach Baualter, Sanierungsstand und Ausstattung für gesetzeskonform und ausreichend in Anbetracht der Kleinheit der Stadt im Vergleich zur Bundeshauptstadt Berlin, wo viele Stadtbezirke allein schon so groß sind wie ganz Potsdam und wo nach Lagen unterschieden wird. Die Stadt diskutiert die Lagedifferenzierung gerade; das Ergebnis gilt als offen.

Interview: Rainer Schüler

Drei Fragen an...

DREI FRAGEN AN . . .  

... Wolfhard Kirsch, Wohnungsunternehmer und Stadtverordneter (Bürgerbündnis Freie Wähler)

Herr Kirsch, einen Mietspiegel nach Wohnlagen fordern Sie seit Jahren. Was bringt das?
Gerechtigkeit. Es ist doch nicht gerecht, alle Wohnungen eines Baualters in einen Topf zu werfen, umzurühren und einen Mietspiegelrichtpreis festzulegen. Wir als Hausbau Kirsch & Drechsler haben zum Beispiel einen Plattenbau in Babelsberg, in weit besserer Lage als etwa ein Plattenbau im Zentrum Ost, werden aber gleich bewertet. Es ist doch nicht gerecht, in der Brandenburger Vorstadt einen sanierten Altbau der Nansenstraße mit einem an der Zeppelinstraße gleichzusetzen; nach jetzigem Mietspiegel wäre der in der Zeppelinstraße zu teuer. Die Brandenburger Vorstadt würde davon profitieren, nicht mehr mit der teuren Berliner Vorstadt gleichgesetzt zu werden. Ein Neubau in der Berliner Vorstadt wird derzeit genauso behandelt wie ein Neubau in Drewitz, wo wir 400 Wohnungen errichten. 

Wer hätte den größten Nutzen von der Lageeinschätzung?
Uns als Unternehmen KuD ist das egal. Wir haben für unsere 700 Wohnungen einen eigenen Mietspiegel und kein Interesse an dauernden Steigerungen. Wir empfehlen den Eigentümern unserer Wohnungen bestimmte Mietpreise, die zum Kiez passen. Was die dann fordern, ist ihre Sache. Wir sagen: Eine Stadt muss auch lebenswert bleiben. Kleinere private Eigentümer mit guten Lagen hätten Vorteile; Besitzer von eher schwierigen Lagen Probleme. Deshalb sind ja die Pro Potsdam und die Genossenschaften so dagegen. 

Wie könnte man denn Lagen beurteilen? Gibt es nicht von Straße zu Straße andere Kriterien?
Man muss es ja nicht so straßenscharf machen wie in Berlin. Drei Gruppen würden reichen: einfache, mittlere und gehobene Lage. Die Daten für den Mietspiegel sind längst straßenscharf erfasst.

Von Rainer Schüler

Wohnungen und Häuser zur Miete in Potsdam: MAZimmo.de

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