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Potsdam Zu schön für den Titel
Lokales Potsdam Zu schön für den Titel
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19:24 06.07.2018
Plakat zur Bewerbung Potsdams als Kulturhauptstadt 2010. Potsdam wurde am 10.03.2005 nicht gewählt. Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger Quelle: MAZ
Potsdam

Am 10. März 2005 kam das Aus für Potsdams Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010. Die Jury hatte Essen mit dem Ruhrgebiet und Görlitz mit der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec den Vorzug gegeben.

Die Bestürzung in Brandenburgs Landeshauptstadt war beträchtlich: „Das Juwel unter den deutschen Stadtlandschaften ist zu schön“, hieß es auf der offiziellen Internetseite www.potsdam2010.com unter Anspielung auf die Begründung der Juroren.

Jede der damals noch zehn Städte in der Endrunde wäre „würdig gewesen, den Titel zu holen“, hatte die Vorsitzende der Jury, Isabell Pfeiffer-Poensgen, vor der Bekanntgabe des Votums erklärt. Potsdam, von den Juroren als „Juwel unter den deutschen Städtelandschaften“ herausgehoben, war erst wenige Wochen vorher in einer bundesweiten Bürgerumfrage zur Kulturhauptstadt 2010 auf den ersten Platz gesetzt worden.

Moritz van Dülmen (2.v.l.) im März 2004 beim Auftakt zur Kulturhauptstadtbewerbung in der Schiffbauergasse mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (2.v.r.). Quelle: Joachim Liebe

Nach Ansicht von Moritz van Dülmen (47) hatte Potsdam, „im Nachhinein betrachtet, keine Chance“. Es habe „ganz klare Sympathien für Görlitz“ gegeben im Zusammenhang mit der bevorstehenden EU-Osterweiterung, sagt der Projektleiter der Potsdamer Kulturhauptstadt-Kampagne.

Überzeugt hatte die Juroren letztlich die Bewerbung aus Essen mit einer kompletten, in der Umwandlung begriffenen Industrieregion. Diese Bewerbungen seien „in keinster Weise mit Potsdam vergleichbar gewesen“, sagt van Dülmen: „Hätten wir gegen Lübeck oder Regensburg oder Kassel verloren, das hätte weh getan.“

Beworben hatte sich die Stadt mit dem Slogan „Potsdam weckt Visionen“. Van Dülmen erinnert daran, dass zur Zeit der Kampagne der Theaterneubau in der Schiffbauergasse gerade begonnen hatte, an den Landtag im Stadtschloss und das Museum Barberini noch gar nicht zu denken war.

Geblieben ist als namhafteste Veranstaltung das eigens zur Bewerbung ausgerichtete „Sanssouci-Colloquium M 100“, zu dem seit 2005 immer im Spätsommer 100 der wichtigsten europäischen Medienmacher nach Potsdam kommen. M 100 wird bis heute von Moritz van Dülmen betreut.

Nach dem Aus der Kulturhauptstadt-Bewerbung wurde der Manager mit dem Aufbau eines Kulturbüros für Potsdam beauftragt. Die Absage kam 2006 aus Kostengründen.

Moritz van Dülmen im Büro der Kulturprojekte GmbH in Berlin-Mitte. Quelle: Volker Oelschläger

Van Dülmen wechselte nach Berlin, wo er als Gründungsgeschäftsführer der Kulturprojekte GmbH ein vergleichbares Modell für die Bundeshauptstadt aufbaute. Zu den Projekten zählen die Berlin Art Week, die Lange Nacht der Museen, der Tag der Deutschen Einheit und der Themenwinter 100 Jahre Revolution 2018.

Bei der Vorbereitung einer Berlin-Ausstellung, die Ende 2019 auf mehr als 8000 Quadratmetern im Parterre des Humboldtforums eröffnen soll, trifft er auf einen alten Bekannten. Der neue Generalintendant des Humboldtforums, Hartmut Dorgerloh, war 2004/05 als neuer Generaldirektor der Schlösserstiftung Botschafter von Potsdams Kulturhauptstadtbewerbung.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Das Ende der Philharmonie – 2000 eröffnet der Nikolaisaal

„Ja zu langen Unterhosen“ – Die Buga 2001 und die AG Stadtspuren

Kampf um die Straße – 2002 gründet sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Schlechte Stimmung in Neu Fahrland – 2003 wächst Potsdam Richtung Norden

Rettung der Brandenburger Straße – Richtfest bei Karstadt 2004

Zu schön für den Titel – 2005 scheitert die Bewerbung als Kulturhauptstadt

Premierenfieber in der Schiffbauergasse – 2006 wird der Theaterneubau eröffnet

Bürgerprotest für Barockfassaden – Die Geburt von „Mitteschön“ 2007

Kultureinrichtungen kollabieren – 2008 ist das Jahr des Jugendprotests

Eskalation am Griebnitzsee – Anrainer blockieren zum Osterfest 2009 den Uferweg

Bürgerpark statt Straßenschlucht – Die Geburt der Gartenstadt Drewitz 2010

Der Stadtwerke-Skandal 2011 – Potsdams erste Transparenzkommission

Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte – Eröffnung des Potsdam-Museums 2012

Ein Café „Et Cetera“ – Eröffnung des Bildungsforums 2013

Das erste Konzert im Innenhof – 2014 wird das Landtagsschloss eröffnet

„Neue Nachbarschaften“ helfen Flüchtlingen – Die Blaupause für den Herbst 2015

Das letzte Bürgerbegehren – 2016 mobilisieren Potsdamer für Fachhochschule, Staudenhof und Mercure

Im Epizentrum des Streits um die Stadtmitte – Das Barberini kommt, die alte FH verschwindet

Von Volker Oelschläger

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