Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Wie weiter mit der Biosphäre Potsdam?

Teurer Besuchermagnet Wie weiter mit der Biosphäre Potsdam?

Die Tropenhalle im Volkspark war als Blumen-Halle für die Bundesgartenschau 2001 gebaut worden. Die Nachnutzung als Tropenhalle war nie geplant und geht ins Geld. Sie ist aber erfolgreich, zumal die Landeshauptstadt keinen Zoo hat und einen botanischen Garten nur im Park Sanssouci.

Voriger Artikel
Jugendliche greifen Jungen aus Syrien an
Nächster Artikel
Exhibitionist gestellt

Die Biosphäre ist beliebt bei Familien. Hier bestaunen Anna Wendland und Tochter Elli die fleischfressende Kannenblüte.

Quelle: Christel Köster

Bornstedter Feld. Die Tage der Biosphäre im Volkspark scheinen gezählt. Wegen des hohen Zuschussbedarfes von 1,5 Millionen und Modernisierungskosten von 7,4 Millionen Euro lehnen Stadtverwaltung und Stadtverordnete die Weiternutzung als Tropenhalle ab. Dabei nimmt sie Platz 5 unter den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt ein; nur die Schlösser und der Filmpark fanden mehr Interesse.

Besucher, Experten und Abgeordnete bescheinigen der Biosphäre ein gutes Konzept, einen hohen Erlebniswert und eine wichtige Bildungsarbeit. „Gold wert“ sei die Tropenhalle für den wachsenden Stadtteil Bornstedter Feld mit 11000 Menschen, sagt etwa der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Stadtverordnetenversammlung, Matthias Finken; eine vergleichbare Freizeiteinrichtung gebe es in ganz Deutschland nicht. Als außerschulische Bildungseinrichtung leiste sie Beachtliches und ergänze die Schule. Die Biosphäre und der Volkspark ringsum hätten einen gegenseitigen Nutzung, doch sei der Finanzhunger der Halle durch die Stadt auf Dauer nicht zu stillen. Die Finanzen seien letztlich das Hauptargument gegen den Weiterbetrieb als Tropenhalle in Regie der Stadt. Sollte sich ein Käufer finden, der nach Ablauf der Fördermittelbindung 2017 ein erweitertes Konzept inklusive Tropenhalle umsetzen kann, prophezeit ihm Finken „ eine breite Zustimmung.“ Er fragt das Land, was ihm das überregionale Aushängeschild Biosphäre wert sei, offenbar nichts, denn auch an Betrieb und Erweiterung des Naturkundemuseums, das thematisch an die Biosphäre anschließt, beteiligt das Land sich nicht.

Biosphäre

Soll die Biosphäre als Tropenhalle erhalten bleiben?

„Es sollte in einer Stadt wie Potsdam mehr als zwei Umweltbildungsstätten geben“, sagt Museumsdirektor Detlef Knuth. Sein Haus sei fachlich geprägt, die Waldschule aktionsreich aufgestellt, die Biosphäre breit gefächert. „Volkstümliche Einrichtungen“ wie die Tropenhalle seien ein „Einstieg in Hochkultureinrichtungen“ wie das Museum. „Wer Bildung zu moderaten Preisen anbieten will, muss akzeptieren, dass das Zuschusse braucht“, sagte Knuth der Märkischen Allgemeinen. Auch den öffentlichen Nahverkehr müsse man ja bezuschussen. An Inhalt und Konzept der Biosphäre hat Knuth nichts auszusetzen. „Das Problem ist das Gebäude. Diese Energieschleuder hätte man nie so bauen dürfen.“ Vor der Errichtung für die Bundesgartenschau 2001 hätte man seiner Meinung nach gründlicher darüber nachdenken müssen, wie man die Halle nach der Buga wirtschaftlich vertretbar nutzen kann. Die Tropenhalle sei schon eine Nachnutzung der früheren Buga-Pflanzenausstellung. Für Ausstellungen anderer Art sei das Gebäude nicht optimal. Das Museum stellt immer wieder mal Tierpräparate zum Anfassen für die Biosphäre her, muss aber wegen der hohen Luftfeuchtigkeit hinnehmen, dass die Präparate hinterher nicht mehr als Schauobjekte taugen.

156000 Besucher erwartet die Biosphäre dieses Jahr, doch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Pete Heuer sieht trotzdem keine Zukunft für die Tropenhalle. Die Besucherzahlen reichten nicht, um das Haus kostendeckend zu betreiben; es müsse mindestens plusminus Null abschließen. Zwar müsse man auch andere Einrichtungen der Stadt nach der Wirtschaftlichkeit fragen, doch sei der Nahverkehr eine Pflichtaufgabe: „Die Biosphäre liegt nicht an vorderster Stelle, was Bedarf und Nutzen anbelangt.“ Die Halle sei ein Freizeit- und Event-Objekt, das dauerhafte öffentliche Zuschüsse „nur bedingt rechtfertigt“.

Die 148269 Besucher von 2014 brachten nur eine Kostendeckung von 62,8 Prozent. Absolutes Rekordjahr war 2003 mit 247000. Nach rund 80000 Gästen in den Jahren 2007 und 2008 pendelten die Besucherzahlen bei 120000 bis 130000 in den Jahren 2009, 2011 und 2012.

Nicht nur tropische Pflanzen sind in der Halle zu bestaunen, auch exotische Tiere

Nicht nur tropische Pflanzen sind in der Halle zu bestaunen, auch exotische Tiere.

Quelle: Gartenschläger

Eine Machbarkeitsstudie hat fünf Möglichkeiten einer Nachnutzung der Halle ergeben, von denen zwei bevorzugt werden: der Verkauf und der Umbau zu einer Gesamtschule mit Sporthalle und Jugendfreizeiteinrichtung. Der Weiterbetrieb als Biosphäre wird seitens der Stadt ebenso verworfen wie der Abriss mit nachfolgendem Verkauf des Landes zu Wohnungsbauzwecken. Mit einer neuen Nutzung soll die Halle noch mindestens 15 Jahre stehen bleiben. Handelseinrichtungen dürfen in ihr nicht unterkommen. Vom Einbau ausschließlich sozialer Infrastruktur wie Kindertagesstätte und Seniorenfreizeit in die Halle wird abgeraten.

Die Biosphäre wurde während der Bundesgartenschau als Blumenhalle genutzt und nach Umbau im September 2002 als Biosphäre eröffnet. Der Bau kostete 29 Millionen Euro und wurde mit 21,5 Millionen Euro Fördermitteln unterstützt. Betrieben wurde die Halle ursprünglich durch eine private Gesellschaft, die allerdings Insolvenz angemeldet hat. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, kaufte die Pro Potsdam GmbH im Auftrag der Landeshauptstadt die Gesellschaftsanteile im Jahr 2007 und sicherte somit den Betrieb der Einrichtung. Ausschreibungen mit dem Ziel, neue Betreiber für die Halle zu finden, die keine öffentlichen Zuschüsse für den Betrieb benötigen, mussten ergebnislos beendet werden. Die Halle muss bis zum Ende der Fördermittelbindung im Jahr 2017 als Halle mit überregionaler touristischer Attraktivität betrieben werden. Erst nach Ablauf der Bindefrist kann die Halle anders genutzt und zum Beispiel eine gewinnbringende Gastronomie eingerichtet werden, die bislang den Hallenbesuchern vorbehalten ist.

Von Rainer Schüler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg