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Potsdam Thalia-Kino feiert 100-jähriges Bestehen
Lokales Potsdam Thalia-Kino feiert 100-jähriges Bestehen
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22:01 14.02.2018
"Schwarzwaldmädel" aus dem Jahr 1950 wollten die Potsdamer unbedingt im Thalia-Kino sehen: Lange schlangen bildeten sich vor dem Eingang. Quelle: Kino Thalia
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Babelsberg

Loriot bescherte dem Babelsberger Thalia-Kino gleich zwei denkwürdige Abende. Noch zu DDR-Zeiten, 1988, präsentierte der Grandseigneur des gehobenen deutschen Humors höchst selbst seine Komödie „Ödipussi“ im Filmtheater an der Rudolf-Breitscheid-Straße. Im Februar 1991 lud er hierher sogar zur Uraufführung seines neuen Films, „Pappa ante portas“.

Hunderte weitere Stars haben vorher und nachher, vor allem aber in den vergangenen Jahren, das Thalia besucht. Für exklusive Kino-Vorstellungen, Film-Gespräche, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Lesungen und Feiern. Dafür ist das Haus weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ebenso wie für sein mehrfach preisgekröntes Filmprogramm, natürlich. Welche besonderen Ereignisse und Erlebnisse die Menschen aber mit dem Thalia-Kino verbinden, ist sehr unterschiedlich, weiß Jeanette Toussaint. Sie hat dessen Geschichte erforscht und ein Buch darüber verfasst. Pünktlich zum 100. Jahrestag der ersten Thalia-Vorstellung stellt sie es am 16. Februar vor.

Am 16. Februar 2018 wird das Thalia Kino in Potsdam-Babelsberg ein ganzes Jahrhundert alt. Zu diesem Anlass gibt es neben Sondervorführungen auch ein Jubiläumsbuch von Jeanette Toussaint mit dem Titel „Kino in der Filmstadt. 100 Jahre Thalia“. Die MAZ zeigt in einer Bildergalerie Augenblicke aus der Geschichte des Lichtspielhauses.

Erinnerungen aus 100 Jahren Kinogeschichte

Und? Woran erinnern sich die Menschen? An geliebte und gehasste Filme. An die zahlreichen Sonderveranstaltungen mit ihren Lieblingsstars – mehr als 60 waren es allein im vergangenen Jahr. An das Kiezkino als Berlinale-Spielort. Aber auch an den Sommer 1989, als „Dirty Dancing“ im Thalia lief. Da war der US-Kultstreifen zwar bereits gut zwei Jahre alt, löste aber dennoch grenzhysterische Begeisterung aus. Zweimal täglich zeigte das Thalia den Tanzfilm, oft bildeten sich lange Schlangen. Bei Toussaint erfährt man, wie die einzelnen Filmrollen zwischen Potsdam und Caputh hin- und hergefahren wurden, um ihn quasi gleichzeitig spielen zu können und wie lokale Tanzschulen die Schritte aus dem Film adaptierten.

Fassadenbuchstaben des alten Schriftzugs, die sich später wieder anfanden. Quelle: Kino Thalia

Die Älteren wissen auch noch, dass „Spur der Steine“ ebenfalls im Thalia uraufgeführt wurde. Am 15. Juni 1966, in Anwesenheit der Film-Crew, darunter Hauptdarsteller Manfred Krug. Der Film kommt an, läuft eine ganze Woche und ist gut besucht. Keine Kontroversen in Potsdam. Erst bei der Filmpremiere im Ost-Berliner Kino International kommt es am 30. Juni 1966 zum Eklat, als die Vorführung nach wenigen Minuten durch organisierte Proteste gestört wird. Die Staatsführung, der die freche Infragestellung der gesellschaftlichen Verhältnisse ein Dorn im Auge ist, lässt „Spur der Steine“ kassieren, der Film wird zum bekanntesten DDR-Verbotsfilm.

Chaotische Anfänge und Krisen zwingen das Thalia nicht in die Knie

„Mein persönlicher Höhepunkt ist, dass dieses Kino überhaupt noch existiert“, sagt Thomas Bastian, der das Thalia seit 1997 leitet. Film-Produzent Stefan Arndt, bis heute einer der Gesellschafter der Betreiberfirma, holte ihn damals zusammen mit Programmchefin Christiane Niewald in die Region. Die Anfänge waren chaotisch, erinnert sich Bastian. Ein großer Umbau machte aus dem Thalia mit seinen zwei Vorführräumen (seit 1959 gab es außer dem großen Saal das separat zugängliche Club-Kino im ersten Stock) ein Vier-Saal-Kino. Die Rudolf-Breitscheid-Straße war zu dieser Zeit ebenfalls eine Baustelle. Der hereingetragene Staub beschädigte die Filmrollen und die Projektoren. Aber die Menschen waren hungrig nach Filmen. „Am besten Wochenende kamen 1500 Besucher pro Tag“, sagt Thomas Bastian. „Damals liefen parallel ‚Titanic’, ‚Men in Black’ und ‚Mr. Bean’.“ Bastian und seine Crew bewältigten diese Zeit.

Thomas Bastian ist Leiter des Babelsberger Thalia Kinos. Quelle: Bernd Gartenschläger

1999 die nächste Krise: am Hauptbahnhof eröffnet ein Multiplex-Kino – eine Konkurrenz, die die Babelsberger deutlich spüren. Aber statt aufzugeben, setzen sie auf Veränderung. „Rückschauend bin ich froh, dass unsere Strategie aufgegangen ist“, sagt der Thalia-Chef heute. Zusammen mit Christiane Niewald formt er aus einem Mainstream- ein Kiez-Kino, das eher Arthouse- und Familienfilme und nur gelegentlich Blockbuster zeigt. Und macht das Thalia zu dem, was es heute ist.

Der Name besteht von Anfang an bis heute

„In 100 Jahren hieß das Haus immer Thalia“, weiß Thomas Bastian, „in fünf verschiedenen Systemen. Und in all der Zeit war es insgesamt nur drei Jahre geschlossen.“ Der erste Besitzer, ein „C. Ammen“, bespielte seinen Saal 1918 zunächst von Freitag bis Montag, ergänzt Forscherin Toussaint. Nach einem Besitzerwechsel im Jahr 1919 wurde das Kino dann bereits ohne Schließtag betrieben.

Am Anfang war das Thalia nur eines von vielen Lichtspielhäusern: Im bürgerlichen Potsdam gab es mindestens sechs Spielorte, darunter einen im Barberini, in der Industriestadt Nowawes mindestens fünf. Sogar in der Lindenstraße (der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße) befand sich noch ein Konkurrenzkino, wenige Meter entfernt. Aber das Thalia bleibt. Da es kein UFA-Kino ist, führt auch die Nähe zur Filmstadt in den frühen Jahren nicht dazu, dass es besonders herausragt: weder im Kaiserreich, noch in der Weimarer Republik oder der Nazi-Zeit.

Kino für die einfachen Leute

Anders als in der DDR ist das Thalia in dieser Phase auch kein Premieren-, sondern ein sogenanntes Nachspielkino. Hier laufen die Filme, die in Potsdam bereits abgesetzt sind. Es sind einfache Leute, die hierher kommen. In der NS-Zeit zeigt auch das Thalia Propaganda. Nicht nur, aber auch. Den Durchhaltefilm „Kolberg“ zum Beispiel. Toussaint kann zudem einige Parteiveranstaltungen nachweisen. Im Gegensatz zu zwei anderen Potsdamer Kinos bleibt das Thalia beim Bombenangriff auf Potsdam 1945 unbeschädigt. Nach Kriegsende geht der Spielbetrieb nahtlos weiter.

Dieser Tage muss das Kino vor allem gegen Streaming-Dienste bestehen. Seit 2013 ist das Thalia volldigital. Gerade wurde das Foyer renoviert, die Säle sollen folgen. Am Vormittag bieten Thomas Bastian und sein Team bereits auf bestimmte Gruppen zugeschnittene Formate an, wie Senioren- und Kinderwagenkino. In diesem Bereich wollen sie weiter experimentieren. Solche Beweglichkeit und Innovationskraft goutiert das Publikum ebenso wie das Herzblut, das in die Programmplanung gesteckt wird. Im vergangenen Jahr kamen 151 000 Besucher ins Thalia.

Zum Jubiläum am Freitag – jeder Film zwei Mark

Die Mark ist wieder etwas wert! Am Jubiläumstag (16. Februar) kann man im Thalia mit der alten Währung bezahlen. Das Kino nimmt sowohl Rentenmark, Reichsmark, Deutsche Mark als auch Mark der DDR. Eine Vorstellung kostet zwei Mark, es wird aber auch ein Euro akzeptiert.

Zehn Filme aus zehn Jahrzehnten stehen auf dem Programm. Gezeigt werden „Viktor und Viktoria“ (1933; 15.30 Uhr), „Olle Hexe“ (1991; 16 Uhr), „Wir kaufen eine Feuerwehr“ (1970; 16.15 Uhr), „Rotation“ (1949; 17.30 Uhr), „Das Fräulein von Scuderi“ (1955; 17.45 Uhr), „Das Cabinett des Dr. Caligari“ (1919; 18 Uhr); „Good Bye, Lenin!“ (2003; 19.30 Uhr), „Spur der Steine“ (1969; 20 Uhr), „Metropolis“ (1927; 20 Uhr) und „Treffen in Travers“ (1989; 20 Uhr).

Das Buch „Kino in der Filmstadt. 100 Jahre Thalia“ von Jeanette Toussaint wird im Rahmen der Galavorstellung um 19.30 Uhr vor dem Film „Good Bye, Lenin!“ präsentiert.

Von Marcel Kirf

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