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„Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“

Koffer-Versteigerung in Potsdam „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“

Ein bisschen war es wie mit einer Wundertüte. Bei der Koffer-Auktion am Sonnabend im Potsdamer Stern-Center gab es „verwaiste“ Hinterlassenschaften aus Flughäfen zu ersteigern. Hunderte Interessierte holten sich eine Bieter-Karte. Unter den Hammer kamen auch ein Gleitschirm und eine Fender-Gitarre.

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Das Geheimnis des grünen Rucksacks wird erst dann gelüftet, wenn Auktionator Martin Clesle den dritten Zuschlag gegeben hat. Dann kann der Inhalt ausgepackt werden.

Quelle: Christel Köster

Am Stern. Wie sang Hildegard Knef einst so schön? „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“. Potsdam wurde dabei leider unter den Teppich gekehrt, aber die Knef konnte ja noch nicht ahnen, dass die Landeshauptstadt am Sonnabend für einen Tag zur einzigen und wahren Koffer-Hochburg von Deutschland aufsteigen sollte. In allen Formen, Farben und Größen präsentierten sich die guten Stücke ab 13 Uhr im Stern-Center. Anlass war eine Koffer-Auktion.

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Potsdam, 16.04.2016 – Riesenandrang am Samstag im Stern-Center Potsdam: Über 300 Objekte wurden versteigert, die auf Flughäfen vergessen worden waren. Darunter teure Fotoapparate, ein Gleitschirm und eine Fender-Gitarre.

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Wer immer schon wissen wollte, was eigentlich mit den Gepäckstücken passiert, die endlos auf dem Flughafen-Band laufen und die keiner abholt – hier war die Antwort: Nach dreimonatiger Verwahrzeit inklusive Zollüberprüfung werden sie an das Auktionshaus Clesle aus Herbolzheim in Baden-Württemberg übergeben. Das übernimmt dann im Namen der Lufthansa die Versteigerung.

Der Ansturm von Schaulustigen im Stern-Center war riesig. Hunderte holten sich gegen ein Pfand von fünf Euro eine Bieter-Karte. Schließlich ging es nicht nur um die Rucksäcke, Rollkoffer und riesigen Seesäcke, die sich in den transportablen Regalen zur Ansicht stapelten. Sondern es drehte sich auch um die berühmten inneren Werte. Sprich: den Inhalt der Koffer, der gleich mitersteigert wurde. Da kann man manchmal sein blaues Wunder erleben, weiß Annemarie Clesle aus Erfahrung: „Einmal haben zwei ältere Damen einen ersteigerten Koffer geöffnet – darin befanden sich Haarteile, Perücken, ein Negligé und ganz hohe Schuhe, in denen man gar nicht mehr laufen konnte.“

Die einzelnen Artikel waren mit Nummern gekennzeichnet

Die einzelnen Artikel waren mit Nummern gekennzeichnet.

Quelle: Köster

Insgesamt 374 Objekte kamen am Sonnabend unter den Hammer. Dazu zählten nicht nur die Koffer, sondern auch alles andere, was an Flughäfen so liegen gelassen wird. Aus den verwaisten Hinterlassenschaften könnte man sich ein Traumleben basteln: Abenteuersport mit dem Gleitschirm, der in einer riesigen Tasche steckte. Anschließend ein Ständchen auf der Fender-E-Gitarre. Dann noch Spaß mit den unzähligen I-Pads (ab 50 Euro), Kopfhörern, Smartphones, Kameras oder dem Armani-Handtäschchen (ersteigert für 105 Euro). Und am Schluss läuft man eine Runde mit den Laufstöcken, testet das Campingstühlchen oder führt eines der schicken Mode-Teile spazieren.

Kräftiges Mitbieten war angesagt am Sonnabend im Stern-Center

Kräftiges Mitbieten war angesagt am Sonnabend im Stern-Center.

Quelle: Köster

Edle Lederjacken hingen am Sonnabend im Halbdutzend von der Kleiderstange. Wobei sich in diesem Zusammenhang der Verdacht erhärtete, dass Männer nicht nur beim Hochzeitstag oder beim Müll-Rausbringen angeblich Gedächtnislücken haben. „Wir haben hier viel mehr Jacken von Herren als von Damen – die Männer sind vergesslicher“, analysierte Annemarie Clesle, während ihr Mann auf der Bühne im Zeitraffertempo sein „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ runterratterte. Dass er Auktionator werden wollte, wusste Martin Clesle, der Mann mit dem markanten Karo-Outfit und der megaflinken Zunge schon von Kindesbeinen an. So weit in Richtung Norden wie nach Potsdam ist der Auktionator beruflich noch nie vorgedrungen. Das Neuland hinterließ einen positiven Eindruck, immerhin warf sich das Publikum voll in die Bieter-Schlacht: „Die Menschen sind sehr freundlich“, resümierte Clesle am Ende eines ereignisreichen Nachmittags. Nach dreieinhalb Stunden hatte er 373 Artikel versteigert – nur eine DVD blieb noch übrig. Den Spitzenpreis erzielte mit 880 Euro ein nagelneuer Koffer mit Handtaschen. Schlusslicht war ein Schlafsack – nur fünf Euro musste der neue Besitzer dafür berappen. Mitgefiebert hatte natürlich auch Center-Manager Ralph Teuber. Er hatte die Auktion der Flughafen-Gepäckstücke als „krönenden Abschluss“ für die seit März laufende Center-Ausstellung „Traum vom Fliegen“ hergeholt.

Von Ildiko Röd

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