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Potsdam Zum Tod von Harry Horlitz
Lokales Potsdam Zum Tod von Harry Horlitz
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17:57 28.03.2018
Erika und Harry Horlitz 2007 mit der ersten Aktie für den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Harry Horlitz war ein leidenschaftlicher Sänger. Am meisten mochte er „Drei weiße Birken“ von Ernst Mosch und Semino Rossis „Rot sind die Rosen“. Auch zur Goldenen Hochzeit ihrer Schwiegereltern 1979 in Falkenrehde bot er ein Ständchen, erinnert sich Erika Horlitz: „Der Pfarrer wollte ihn sofort für den Kirchenchor werben. Aber das wäre damals nicht gegangen, er war doch bei der Polizei.“ Kennen gelernt hatten sie sich am 8. Februar 1958 beim Fasching in Falkenrehde. „Er machte die Tür auf, wir sahen uns an und es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie: „Er war die Liebe meines Lebens.“

Harry Horlitz, geboren am 8. Juli 1936 im schlesischen Leitersdorf im Landkreis Crossen, kam 1945 mit einem Flüchtlingstreck in Frankfurt über die Oder. Nach Stationen in Potsdam und Paaren sind sie in Falkenrehde gestrandet. Horlitz erzählte später von den Trümmern am Alten Markt in Potsdam („Da war ja alles kaputt“) und von ihrer neuen Heimat, dem kleinen Paradies am Havelkanal: „Alles hat geblüht und mein Vater sagte: Guck mal, wie schön das hier ist.“

Harry Horlitz in einer Aufnahme von 2007. Quelle: Michael Hübner

1954 ging Harry Horlitz zur Kasernierten Volkspolizei, dem Vorgänger der 1956 gegründeten Nationalen Volksarmee. 1959 wechselte er zur Schutzpolizei nach Potsdam, die damals noch den Tschako als Kopfbedeckung trug, seit 1962 war er bei der Kriminalpolizei. Bis 1986 ermittelte er zu Delikten im Bereich allgemeiner Kriminalität, zu schweren Diebstählen und Verbrechen wie dem „Axtmord von Eichwalde“. Zuletzt stand Horlitz als Mitarbeiter der Objektsicherung am Tor des Polizeipräsidiums in der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße. Kurz nach der Wende ging er in Frührente.

Seit 1963 wohnten Erika und Harry Horlitz in Waldstadt I, dem ersten großen DDR-Neubauviertel in Potsdam. Bekannt und von vielen geschätzt wurde er als langjähriger Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Potsdam. Auf Kritiker, die ihn im Streit um den 2004 am Alten Markt enthüllten Gedenkstein für die Opfer von Vertreibungen als „Hitler-Verehrer“ beschimpften, reagierte er gekränkt: „Die Leute, die so was sagen, haben keine Ahnung, was Faschismus bedeutet. Der Bund der Vertriebenen will nicht den Faschismus hochleben lassen, sondern sich mit denen, die darunter gelitten haben, versöhnen.“

1994 hatte er dieses Ehrenamt übernommen, 2005 musste er es aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Seinen Ausstand gab er im Café „Seerose“, dem Stammlokal des BdV. Eine Fotografie davon zeigt ihn gemeinsam mit Susann und Franz Friedrich von Preußen. Harry Horlitz war ein Verehrer des alten Potsdams. Im Wohnzimmer der Familie hängt eine Reproduktion von Adolph von Menzels „Flötenkonzert von Sanssouci“ mit Friedrich II. als Solist. Im Juni 2007 erwarben Erika und Harry Horlitz die erste der vom Stadtschloss-Förderverein und der Initiative Mitteschön ausgegebenen Stadtschloss-Aktien für den Wiederaufbau.

Und Harry Horlitz sang. „Er hatte eine gute Stimme“, sagt Erika Horlitz. Bis in die 2010er Jahre hinein begleitete er das Eisenbahner-Blasorchester des in den 1990er Jahren abgewickelten Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW). Gesungen hat er immer wieder auch zu Veranstaltungen des Falkenrehder Seniorenclubs, einem beliebten Treffpunkt der alten Schulkameraden.

Am Sonnabend ist Harry Horlitz 81-jährig nach schwerer Krankheit gestorben. Die Trauerfeier ist am 26. April um 13.30 Uhr in der kleinen Trauerhalle des Neuen Friedhofs. Zum Abschied erklingen „Drei weiße Birken“ von Ernst Mosch, „Rot sind die Rosen“ von Semino Rossi („Das war sein Liebingslied“, sagt Erika Horlitz) und „Time to Say Goodbye" in der Version, die Andrea Bocelli und Sarah Brightman 1996 für den letzten Kampf von Box-Champion Henry Maske sangen.

Von Volker Oelschläger

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