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Potsdam Zwei Gemälde von Strawalde
Lokales Potsdam Zwei Gemälde von Strawalde
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10:43 21.04.2017
Galeristin Friederike Sehmsdorf (l.) und Museumsdirektorin Jutta Götzmann mit den Gemälden Strawaldes. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wichtiger Neuzugang für die Sammlung des Potsdam-Museums mit Kunst aus Nachkriegszeit bis Gegenwart: Durch eine Schenkung von Galeristin Friederike Sehmsdorf und ihrem Mann Thilo Steinbach kamen am Donnerstag erstmals zwei Werke von Strawalde in die rund 1200 Gemälde umfassende Sammlung. Museumsdirektorin Jutta Götzmann sprach von einem „Meilenstein“: „Mit Strawalde ist nun einer der bedeutendsten Künstler aus der Kunst-, Film- und Kulturszene der DDR in unserer Sammlung vertreten.“

Jürgen Böttcher, Jahrgang 1931, der seit den 1970ern ein Pseudonym in Anlehnung an den Ort seiner Kindheit Strahwalde (Oberlausitz) verwendet, studierte von 1949 bis 1953 Malerei in Dresden und von 1955 bis 1960 Regie an der Filmhochschule in Babelsberg. Dass er den Vorgaben des Sozialistischen Realismus strikt eigene Kunstauffassungen entgegenhielt, führte immer wieder zu schweren Konflikten. Sein einziger Spielfilm „Jahrgang 45“ (DDR 1966) wurde verboten, aus dem Verband Bildender Künstler der DDR schloss man ihn aus.

Friedrike Sehmsdorf, die am 6. Mai das zehnjährige Bestehen ihrer Galerie „Kunst-Kontor“ am Jungfernsee feiert, ist Strawalde in jahrzehntelanger Freundschaft verbunden. Kurz nach dem Mauerfall hatte man sie als junge wissenschaftliche Mitarbeiterin des Märkischen Museums beauftragt, den Kontakt mit dem Künstler zu suchen, der in der Szene trotz Ausstellungsverbots als „Guru“ und „Geheimtipp“, so Sehmsdorf, sehr bekannt war. Ihr Auftrag: „Wir brauchen Jürgen Böttcher in der Sammlung.“

Strawalde im Juli 2016 im Kunst-Kontor von Friederike Sehmsdorf. Quelle: Bernd Gartenschläger

Monatelang, berichtete die Galeristin, telefonierte sie ihm vergeblich hinterher, bis sie sich zufällig auf einer Vernissage begegneten. Nun war es wohl Vertrauen auf den ersten Blick. „Und als ich privat meine eigene Galerie hatte, war klar, dass ich ihm mein Leben lang die Treue halten würde.“ Mit den Bildern, die Sehmsdorf dem Potsdam-Museum schenkte, verbindet sich so auch persönliche Geschichte.

Die Assemblage ohne Titel mit sehr plastischem Farbauftrag zwischen Versatzstücken aus Linoleum-Abfällen, Plastikresten und anderen Materialien lässt zunächst eine sehr expressiv gehaltene Stadtlandschaft vermuten. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die verhaltene Leuchtkraft dieser erdigen Komposition. Auf der Rückseite des Bildes steht mit Kohlestift die Widmung „Strawalde, 1996. Für Friederike“.

Das zweite Bild „Mutter mit Kind“ aus dem Jahr 1956 wurde vom Künstler 1991 teilweise übermalt und 2002 „endlich vollendet“, wie auf der Rückseite zu lesen ist. Das Kind auf dem Schoß der Mutter wurde bei der Überarbeitung aus dem Bild getilgt. Das früher religiös ausdeutbare Motiv der Mutter mit dem Kind bekam als abstrahierend-heiteres Frauenbildnis quasi eine neue Bedeutung. Die beabsichtigte Erkennbarkeit der übermalten Partien bewahrt allerdings die Ahnung einer anderen Konstellation.

Jutta Götzmann würdigte, dass mit der Schenkung ein Früh- und ein Spätwerk Strawaldes Eingang in die Kunstsammlung des Museums gefunden hätten. Wann die Neuzugänge dem Publikum vorgestellt werden, ist noch offen. Möglicherweise, so die Direktorin, werde es „in zwei bis zweieinhalb Jahren“ ein Strawalde gewidmetes Projekt geben, in das die zwei Arbeiten „eingebunden“ werden.

Sehmsdorf verband ihre Schenkung mit einem Appell an die Verantwortung der Kommune für ihr Museum. Mit Verweis auf das benachbarte private Kunstmuseum Barberini sprach sie von einem enormen „Ungleichgewicht der finanziellen Möglichkeiten“, von einer „unglaublichen Härte“. Schenkungen und ehrenamtliches Engagement „entlassen nicht die Stadtpolitik aus der Verantwortung für ihre Häuser“.

Die bislang letzte Strawalde-Ausstellung in Potsdam gab es im Sommer 2016 zum 85. Geburtstag des Künstlers im Kunst-Kontor. Im Frühjahr 2012 feierte die Galerie ihr fünfjähriges Bestehen mit einer Doppelausstellung von Strawalde und Wieland Förster. Auch die gefeierte Ausstellung „Von der Muse doppelt geküsst“ im Herbst 2011 mit Arbeiten von Strawalde und Armin Mueller-Stahl im Waschhaus-Kunstraum kam unter maßgeblicher Beteiligung von Friederike Sehmsdorf zustande.

Jubiläumsausstellung mit Strawalde

Die Jubiläumsausstellung „Sternstunden – zehn Jahre Kunst-Kontor“ wird am 6. Mai eröffnet. Gezeigt werden neben anderen auch Arbeiten von Strawalde.

Die Galerie am Jungfernsee, Bertiniweg 1A, wurde im 2007 mit einer Ausstellung von Nicolaus eröffnet, der noch bis zum 1. Mai mit „Chapeau! Nicolaus – Werke aus 40 Jahren“ im Hause ist.

Insgesamt wurden seither 56 Ausstellungen in der Galerie und im Skulpturengarten präsentiert, hinzu kamen 16 Ausstellungen in Kooperation.

Von Volker Oelschläger

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