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Potsdam Zwei Streetworker für alle Fälle
Lokales Potsdam Zwei Streetworker für alle Fälle
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08:20 04.11.2016
Tina Duarte (l.) und Doreen Böttcher sind auf den Straßen im Schlaatz unterwegs – und helfen direkt und unbürokratisch. Quelle: Marcel Kirf
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Am Schlaatz

Wenn Doreen Böttcher im Schlaatz unterwegs ist, zwischen Schilf-, Erlen- und Binsenhof, Biber-, Bisam- und Otterkiez, und vor allem zwischen dem Rewe an der Alten Zauche, dem Magnus-Zeller-Platz und dem Bürgerhaus, prangt der Name ihres Arbeitgebers auf ihrem Auto: Creso. Zusammen mit ihren beiden Kollegen Tina Duarte und Ilja Kießling, die ebenfalls für die Creative Sozialarbeit gGmbH arbeiten, ist sie im Auftrag der Landeshauptstadt auf den Straßen zu finden. Im Auto, meist aber zu Fuß. Sie kommt mit den Menschen, die ihr begegnen, ins Gespräch. Wer ein Problem hat, ein akutes, oder längerfristig Hilfe benötigt, kann auf ihre Unterstützung zählen. Dafür sind die Leute von Creso da. Im gesamten Stadtgebiet sind die drei anzutreffen, Doreen Böttcher am häufigsten im Schlaatz. Die Menschen im Kiez kennen ihr Gesicht, hier ist ihr Revier. Doreen Böttcher ist Streetworkerin.

„Das besonders beeindruckende im Schlaatz ist der große Zusammenhalt der Menschen hier“, sagt sie. „Es gibt viele Initiativen. Jeder kennt sich, jeder grüßt sich.“ Und jeder begegnet sich. Die öffentlichen Orte sind rar. Wie in anderen Neubaugebieten auch gibt es nur wenige größere Plätze. Hier trifft die ganze Buntheit des Kiezes aufeinander, die verschiedenen Schichten und Lebensentwürfe, die unterschiedlichen Kulturen, Einstellungen und Schicksale. Zum Beispiel vor dem Rewe am Schilfhof. Nicht allen Nachbarn gefällt das. Wo Menschen zusammenkommen, wird es auch mal lauter. Es wird gelacht. Musik gehört. Gefeiert. Oder es gibt Streit. Ausdrücke wie „Trinkerszene“ oder „Schmuddelecke“ aber hören die Sozialarbeiter nicht gerne. „Gerade vor dem Rewe konzentriert sich alles. Es gibt ja sonst keine Abwechslung, keine Laufmeile im Schlaatz“, sagt Tina Duarte. Es könne aber keine Rede davon sein, dass sich hier eine homogene Gruppe treffen würde. „Der Platz ist für alle da. Und es kommen auch alle dahin. Sehr unterschiedliche Menschen.“

Dass sich rund um den Rewe am Schilfhof Männer und Frauen auf ein – oder mehrere – Bierchen treffen, mag viele im Schlaatz stören. „Der Platz ist für alle da“, sagen indes die Streetworker, die Ausdrücke wie „Trinkerszene“ und „Schmuddelecke“ ablehnen. Quelle: Friedrich Bungert

Die meisten strömen zu den zentral gelegenen Versorgungseinrichtungen, kaufen ein, besuchen Beratungsdienste wie das Familienplanungszentrum, nehmen Arzttermine wahr. Wer sich begegnet, bleibt auch mal stehen. Unterhält sich. Ein paar Minuten. Oder länger. Andere, zum Beispiel Jugendliche, verabreden sich ganz bewusst hier. Und auch wer verweilt, tut dies aus unterschiedlichen Gründen, wie die Sozialarbeiter täglich feststellen. Wer an einem beliebigen Tag dort vorbeischaut, wird dies bestätigt sehen. Das Bild wird, je nach Tageszeit, Witterung und der Frage, ob gerade Ferien sind oder nicht, leicht modifiziert, immer ein ähnliches sein wie an diesem späten Nachmittag: Autos kommen und fahren, parken und werden beladen. Plastiktüten werden hin- und hergetragen. Eine Mutter mit Kinderwagen ruht sich am Rand etwas aus. Zwei weitere Kinder rennen schreiend, sich fangend, über den Platz. Ein Mann im Anzug genießt Musik hörend ein Feierabendbier. Ein einsamer Rentner sitzt mit zusammengezogenen Beinen im Abseits und guckt ins Leere. Ein paar Meter weiter reicht eine Schülergruppe johlend Handys umher. Auf den Displays laufen Internet-Videos. Die Jugendlichen haben Spaß und lachen laut. An der Supermarkt-Wand sitzt eine größere Gruppe, acht, neun Erwachsene, zwei Hunde, ein Schlafsack. Sie unterhalten sich laut. Fast alle rauchen, einer hält eine Bierflasche in der Hand.

„Jeder Mensch hat seinen eigenen Sozialraum“, erklärt Tina Duarte. „Das muss man respektieren.“ Und Doreen Böttcher pflichtet ihr bei: „So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind die Problemlagen. Und was manche als Problem wahrnehmen, ist für andere gar keins.“ Wer aber Hilfe braucht, bei Amtsgängen, weil er oder sie in eine sozial schwierige Lage geraten ist oder bei der Neuorientierung nach einem Schicksalsschlag, bekommt diese von den Creso-Streetworkern. „Wir bieten schnelle und flexible Unterstützung“, sagt Böttcher, „bei uns muss man nichts beantragen und nicht in einer Schlange anstehen.“ Für vieles sei im Kiez bereits durch das Engagement der Bewohner gesorgt. Nachbarschaftshilfe, eine warme Mahlzeit für Bedürftige, eine Kleiderkammer, Begegnungsräume und gemeinschaftliche Aufräumaktionen organisieren die Schlaatzer selbst. Soziale Hilfsorganisationen wie Creso kooperieren mit den rührigen Bürgern. „Jeden Tag ist alles anders“, sagt Doreen Böttcher, „aber wir sind da. Und das sehr gerne.“

Vertrauen und Akzeptanz

Creso ist ein anerkannter freier Träger der Wohlfahrtspflege und bietet in Potsdam und in Berlin professionelle sozialpädagogische Hilfen Männer, Frauen, Jugendliche und Familien. So bietet Creso Wohn- und Integrationshilfen sowie Streetwork an.

Das Streetwork-Projekt in Potsdam kümmert sich um Frauen und Männer sowie Gruppen ab dem 27. Lebensjahr, deren Lebenssituation schwierig ist und die sich regelmäßig auf der Straße treffen. Für diese Menschen spielen oft auch Sucht, Überforderung, Ängste und Probleme mit Behörden eine Rolle.

Die Angebote der Streetworker sollen niedrigschwellig und flexibel sein und auf Freiwilligkeit und Akzeptanz bauen. Dabei sind Vertrauensschutz, Anonymität und Parteilichkeit, Verbindlichkeit und Kontinuität sowie die Orientierung an der Bedürfnis- und Lebenswelt und am Alltag der Hilfesuchenden maßgebliche Prinzipien.

Die Leistungen erbringt Creso auf Grundlage eines Leistungsvertrags mit der Stadt Potsdam; sie erfolgen unabhängig von Antragstellungen und Einkommen. Motto: „Hilfe aus einer Hand für ein starkes Leben“.

Von Marcel Kirf

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