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Zwei Träume gehen in Erfüllung

Potsdamer kämpft gegen heimtückische ALS Zwei Träume gehen in Erfüllung

Noch einmal das Meer sehen! Wie sehr sich der an ALS erkrankte Patric Zocher das gewünscht hat. Nun ist er mit seiner Frau Nicole in die Karibik gestartet – Freunde und Arbeitskollegen haben das möglich gemacht. Sie sorgen auch dafür, dass die Wohnung der Eheleute behindertengerecht ist, wenn sie im Oktober wieder heim kommen. Der Umbau ist eine Überraschung.

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Gemeinsam gegen ALS: Nicole und Patric Zocher.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Sich Sorgen zu machen, sagt ein Sprichwort, heißt, die Wolken von morgen über die Sonne von heute zu ziehen. Die Sonne von heute strahlt über Patric Zocher (40) in der Karibik. Für den Potsdamer, der an einer Amyotrophen Lateralsklerose, an ALS, erkrankt ist, und seine Frau Nicole (42) hat sich ein Traum erfüllt: Sie konnten noch einmal in ihr Insel-Paradies aufbrechen. Trotz der Krankheit, die Patrics Lunge schon so geschwächt hat, dass der Flug zum Himmelfahrtskommando werden könnte. Trotz der Kosten, die für das Paar viel zu hoch sind.

Doch Patric und Nicole Zocher haben allen Widrigkeiten ein Schnippchen geschlagen. Zwei Wochen verbringen sie nun in der Dominikanischen Republik. „Unsere Freunde und Arbeitskollegen haben das möglich gemacht“, sagt Nicole Zocher. Sie haben das Geld für den Urlaub zusammengelegt und geholfen, für alle Fälle ein Beatmungsgerät zu leihen. „Ohne Freunde“, sagt Nicole Zocher, „geht es nicht.“

Der Schock über die Diagnose und die Ungewissheit

Abschalten, entspannen, auftanken – das haben Patric und Nicole Zocher bitter nötig. Eine monatelange Ärzte-Odyssee liegt hinter ihnen. Es folgten der Schock über die Diagnose, die Sorgen darüber, wie es nun weitergehen kann, Angst, Wut, Ungewissheit. Über all dem aber steht die Hoffnung, den Kampf gegen die unheilbare, tödliche Nervenkrankheit, die Patric Tag für Tag ein wenig mehr lähmt, zu gewinnen. Ihren Optimismus, ihre Fröhlichkeit wollen sich die Eheleute nicht nehmen lassen. „Nur, weil Patric krank ist, muss er doch nicht auf dem Sofa vegetieren“, sagt Nicole Zocher. „Er will, er muss leben.“

Wenn das Paar in diesen Tagen unter einem wolkenlosen Himmel am Meer ein wenig Ruhe sucht, dann wird Nicole Zocher wohl weiter eine kleine Ungeduld spüren. Zu Hause – und davon ahnt Patric nichts – ist der Umbau der Wohnung in vollem Gange. Das Bad soll behindertengerecht, im Flur, in der Küche und im Wohnzimmer Möbel gerückt werden. „Wenn es soweit ist, dass Patrics Beine vollends versagen, soll er sich daheim mit dem Rollstuhl ungehindert bewegen können“ sagt Nicole Zocher. Sie habe zwar einen Zuschuss bei der Krankenkasse beantragt, doch wann und wie viel diese zahlt, stehe in den Sternen. „Zunächst muss man die Baukosten ganz allein tragen“, sagt Nicole Zocher. „8000 Euro auf einen Schlag, das können wir nicht.“ Freunde und Bekannte stemmen deshalb auch den Umbau. Himmelblaue Fliesen hat Nicole Zocher fürs Bad ausgesucht. Ein Hauch Karibik für Daheim: „Patric soll es auch nach dem Urlaub schön haben.“

Paar möchte weitere Untersuchungen erstreiten

Zwei Träume geträumt, zwei Träume verwirklicht. Jetzt hegen Patric und Nicole Zocher einen neuen Wunsch: Sie möchten weitere Untersuchungen erstreiten. Immer wieder haben sich die beiden in den vergangenen Wochen nämlich gefragt, ob es wirklich eine ALS ist, an der Patric leidet. Oft haben sie von der spinalen Muskelatrophie – kurz SMA – gehört, die ähnliche Symptome aufweist. Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankung, die in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist. In Deutschland gibt es laut Deutscher Muskelstiftung nur ungefähr 5000 Betroffene in allen Altersstufen. Bei etwa der Hälfte der Patienten treten erste Symptome schon kurz nach der Geburt auf – die meisten Kinder sterben noch vor Vollendung des zweiten Lebensjahres. Die übrigen SMA-Patienten weisen mildere Symptome auf. Bei spätem Beginn können Patienten laut Stiftung 80 Jahre und älter werden.

Von Nadine Fabian

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