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Zwei wie Pech und Schwefel

Diamanthochzeit in Potsdam Zwei wie Pech und Schwefel

Ab und zu, das geben Klaus und Edith Laschet zu, knallt’s ordentlich. So hat ihre Liebe ja überhaupt erst begonnen: mit einem riesigen Streit. „Von da an“, sagt Klaus Laschet (84), „ging es nur noch aufwärts.“ Unzertrennlich seien sie beide – auch wenn des Berufs wegen oft Tausende Kilometer zwischen ihnen lagen. Jetzt feierten Klaus und Edith Laschet Diamanthochzeit.

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Seit 60 Jahren gemeinsam glücklich: Klaus und Edith Laschet.

Quelle: Foto: Friedrich Bungert

Am Stern. Dass Edith mit ihm Schluss gemacht hatte, konnte Klaus Laschet nicht vergnatzen. Er, für den das Schreiben Beruf und Berufung war, setzte sich hin und notiere ein paar bitterböse Worte. Was Edith daraufhin im Briefkasten fand, weckte einmal mehr den Trotz in ihr. Sie setzte sich in die Straßenbahn und machte sich auf den Weg zu einem Donnerwetter, wie nie zuvor eines über Leipzig niedergegangen war. „Das konnte ich mir nicht bieten lassen – ich war mir sicher, der nächste Aschenbecher fliegt an seinen Kopf!“ Dass an jenem Tag weder ein Aschenbecher noch ein Klaus zu finden waren, bot der Sache allerdings nur Aufschub. Ein wenig später traf man sich, stritt heftig – und lag sich wieder in den Armen. „Von da an ging’s nur noch aufwärts“, sagt Klaus Laschet (84). Am Donnerstag feierte er mit seiner Edith (81) Diamanthochzeit.

Gegensätze ziehen sich an

In 60 Jahren Ehe sollte es noch oft knallen. „Aber nie ernsthaft“, betont Edith Laschet. „Ich bin einfach ein ganz anderer Typ Mensch als er.“ Klaus Laschet nickt. Auf der einen Seite er, das behütete Einzelkind: aufgewachsen in Waldheim in Sachsen, Diplomjournalist, ausgestattet mit einem losen, zuweilen frechen Mundwerk den Obrigkeiten gegenüber und dem unbändigen Drang, Grenzen auszuloten und die Welt kennenzulernen. Auf der anderen Seite sie, die Krippenerzieherin, eines von sieben Kindern: in Schlesien geboren und aufgewachsen, nach Leipzig geflohen, die Mutter früh verloren und von einer bösen Stiefmutter malträtiert, wie sie im Buche steht. Diese zwei, das ist auch an ihrem Ehrentag zu spüren, sind wie Pech und Schwefel: eine explosive und doch unzertrennliche Mischung. „Jede Ehe ist anders“, sagt Klaus Laschet: „Unsere ist von großer Toleranz geprägt. Ich führte durch den Beruf ein Vagabundenleben. Das ist nicht einfach für eine Ehe. Aber ich konnte mich immer auf meine Frau verlassen.“

Kennengelernt haben sich Klaus und Edith Laschet eines lauen Sommerabends auf dem Augustusplatz. Klaus Laschet hatte gerade das Staatsexamen in der Tasche und wollte sich mit einem Freund amüsieren. Da kamen ihnen die beiden hübschen Mädchen, die vor ihnen spazierten, gerade recht. „Der eine links rum, der andere rechts rum – schon hatten wir sie an unserer Seite“, erzählt Klaus Laschet. „Wo kann man denn hier noch schwofen gehen“, fragte er damals in breitestem Sächsisch und vergaß auch nicht, seinen Beruf zu erwähnen. Die blonde Edith ließ sich davon erst einmal nicht beeindrucken. Aber die Freundin hatte Feuer gefangen: „Der hat Geld“, flüstert sie Edith ins Ohr. „Der Abend wird billig!“ – „Wir kamen aus bescheidenen Verhältnissen“, sagt Edith Laschet. „Wir wollten so gern mal eine Flasche Wein trinken!“ Hochzeitstag hin oder her – der eigentliche Feiertag ist für Laschets bis heute der 18. August, an dem es funkte.

Von der Uni Leipzig zur Defa zum DDR-Fernsehen

Nach dem Studium sollte Klaus Laschet an der Uni zum Professor aufgebaut werden – doch er wollte nicht. Nach einiger Zeit gelang ihm der Sprung zur Defa, wo er zunächst als Redakteur, dann als Regisseur wirkte. Weil es in Potsdam Ende der 1950er keine Wohnung gab, zog das Paar nach Dallgow. Als Klaus Laschet zum DDR-Fernsehen wechselte, wo er für die „Umschau – Neues aus Wissenschaft und Technik“ und für das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „Prisma“ zuständig war, ging’s 1961 nach Treptow. Ein Halbes Jahrhundert und ein Jahr mehr blieben sie in genau dieser Wohnung.

Dann lotsten die beiden Söhne, die es auch zum Film gezogen hat, nach Potsdam. Seit 2012 leben Edith und Klaus Laschet in einem barrierefreien Neubau Am Stern, haben Enkel und Urenkel geradezu um die Ecke. „Potsdam ist meine Puppenstube“, sagt Edith Laschet. „Wir fühlen uns sehr wohl in unserer neuen Heimat.“

Von Nadine Fabian

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