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Potsdam Zwischen Baggern und Wildwuchs
Lokales Potsdam Zwischen Baggern und Wildwuchs
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10:04 06.05.2017
Am Moosfenn hebt der Bagger gerade die Baugrube für drei Mehrfamilienhäuser aus. Quelle: Julian Stähle
Waldstadt

Der Waldstädter bleibt seiner Waldstadt treu. Die Bagger haben kaum damit begonnen, an der Straße Am Moosfenn die Baugrube auszuheben, schon flattern der Bauherrin die ersten Bewerbungen für die bisher nur auf dem Reißbrett existenten Wohnungen ins Haus. „In erster Linie von Leuten aus dem Viertel“, sagt Anna Winkler, Pressesprecherin der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam. „Viele Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten hier leben und nun älter werden, interessieren sich für eine barrierefreie Wohnung in ihrem angestammten Kiez.“

Sie werden sich noch gedulden müssen, denn erst Anfang 2019 sollen die Wohnungen Am Moosfenn 27-31 bezugsfertig sein. Wie die Straße, die neuen Häuser, die Apartments und Außenanlagen dann aussehen sollen, war bereits am Freitagnachmittag direkt am Ort des Geschehens zu erfahren: Die Bürgerinitiative Waldstadt (Biwa) hatte zur alljährlichen Stadtteilbegehung eingeladen. 25 Waldstadt-Flaneure kamen – Einwohner, die Linken-Stadtverordneten Sigrid Müller und Stefan Wollenberg, Vertreter der Stadtverwaltung, der Pro Potsdam und der Genossenschaften.

Der Einladung der BI Waldstadt waren rund 25 Interessierte gefolgt, darunter Jens Wesche (l.). Der Projektleiter bei der Pro Potsdam informierte über die drei Neubauten, die an der Straße Am Moosfenn entstehen. Quelle: Julian Stähle

Die große Baustelle Am Moosfenn war die erste Station auf der Tour. Dort entstehen in drei baugleichen Mehrfamilienhäusern insgesamt 105 Mietwohnungen. Dabei plane die Pro Potsdam in Abstimmung mit der Stadt vor allem kleine Einheiten, weil die Nachfrage so stark sei, erklärte der Projektleiter Jens Wesche. Die Apartments werden demnach zwischen 47 und 80 Quadratmeter groß – alle der Anderthalb- bis Drei-Zimmerwohnungen bekommen einen Balkon oder eine Terrasse. „Die Häuser werden barrierefrei und mit Aufzügen ausgestattet“, so Wesche. „Wir wollen hier ein gutes Angebot für ältere und eingeschränkte Mieter schaffen.“ Man habe besonders darauf Acht gegeben, den typischen Waldstadt-Charakter zu erhalten. Deshalb stehen die drei Häuser einzeln und nicht in geschlossener Reihe – mit Durchblick zum Wald. Das gesamte Vorhaben war zwei Mal im Gestaltungsrat besprochen und nach einigen Änderungen schließlich für gut befunden worden.

Dass der Schleichweg zwischen Moosfenn und Fröbelschule durch die Neubauten verschwindet, finden derweil nicht alle Waldstädter toll und mancher in der Gruppe belächelte die von Jens Wesche als „nicht viel länger“ vorgestellte Alternativroute. Aber immerhin – Aufatmen in der Gruppe – bleibe der Weg zwischen Schlangen- und Moosfenn erhalten. Ein Trost, wenn auch ein kleiner.

Die Dauerpfütze am Schlangenfenn. Quelle: Julian Stähle

Meckern ist bei der Stadtteilbegehung übrigens ausdrücklich erlaubt, wenn nicht gar erwünscht. Gehwege, Straßen, Grünflächen, Spielplätze – notwendige Reparaturen und Veränderungen können dabei direkt veranlasst werden. „Die Mängel und Probleme, auf die wir im letzten Jahr hingewiesen haben, sind sämtlich behoben“, sagt Dittmar Zengerling, der stellvertretende Vorsitzende der Biwa und Leiter des Bürgertreffs. Innerhalb nur eines Monats sei die Liste abgearbeitet gewesen: „Das haben wir so auch noch nie erlebt.“

Gebrauch von der Lizenz zum Kritteln machen dieses Mal wenige. Ein paar holprige Gehwege kommen zur Sprache, da die ungeliebte Dauer-Pfütze in einer Kurve am Schlangenfenn, eine unzureichende Bordstein-Absenkung hier und zu kleine Müll-Anlagen dort. Im Großen und Ganzen ist man sich einig – bis sich ein Ehepaar, das seit 35 Jahren in einem der Plattenbauten zwischen krummen Kiefern und alten Eichen wohnt, über zu viel Grün vor dem Wohnzimmerfenster beklagt. Die die Truppe stutzt für einen Moment: Zu viel Grün in der Waldstadt – geht das überhaupt? Sehr wohl, meinen die Eheleute. Es sei der aufstrebende Wildwuchs, der ihnen die Wohnung verdunkelt. Die Eheleute würden gern wissen, wann denn endlich mal wieder ausgedünnt wird: „Den ganzen Tag über müssen wir das Licht brennen lassen – das ist unser Geld, das da verballert wird!“

Die Tour führte auch über holprige Gehwege. Quelle: Julian Stähle

Große Hoffnung kann Kerstin Helm, bei der Pro Potsdam für die Außenanlagen zuständig, den beiden nicht machen, denn das Gestrüpp ist gewollt. „Wir lassen es zwei, drei Jahre aufwachsen und entscheiden dann, was wir zurückschneiden und was nicht.“ Vor allem Laubbäume lasse man stehen und gedeihen – viele reichen schon bis zu den oberen Stockwerken der Wohnblöcke. Sie sind der Ersatz für den Fall, dass eine der alten Kiefern gefällt werden muss. „Und das wird in absehbarer Zeit kommen“, sagt Kerstin Helm. „Wir werden in den nächsten Jahren immer wieder Kiefern aus dem Bestand nehmen müssen. Zwar könnten auch Kiefern mehrere hundert Jahre alt werden. Sie seien aber im Alter – und das fängt schon mit 80 an – sehr anfällig für den Kiefernbaumschwamm, der das Holz zersetzt, bis hinter der Rinde quasi nichts mehr übrig ist. Über den Wildwuchs verjünge sich der Wald ganz natürlich – und zwar wesentlich erfolgreicher als wenn man Bäume pflanzt, sagt Kerstin Helm.

Von Nadine Fabian

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