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Potsdam Wissenschaftlichen Beirat für „inneren Aufbau“
Lokales Potsdam Wissenschaftlichen Beirat für „inneren Aufbau“
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20:43 13.07.2018
Paul Nolte (2.v.r.) ist der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats. Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

„Ich freue mich, dass zum äußeren Aufbau nun auch der innere Aufbau kommt.“ – Mit diesen Worten hat Alt-Bischof Wolfgang Huber, der zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Garnisonkirchenstiftung ist, am Freitag den neuen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung vorgestellt. „Während der Turm wiederaufgebaut wird, soll auch das inhaltliche Konzept für diesen Ort weiterentwickelt und profiliert werden“, so Huber weiter.

Dabei sollen weder die preußische Geschichte „mit ihren Ecken und Kanten“ noch der Umgang „mit kontaminiertem städtebaulichem Erbe“ wie dem Berliner Humboldt-Forum oder der Dresdner Frauenkirche ausgeklammert werden, erklärte der kommissarische Beiratsvorsitzende Paul Nolte. „Die Garnisonkirche ist eine Chiffre für die vielfältigen Sedimente der deutschen Geschichte“, sagte der Berliner Historiker. „Sie steht für die Problematiken der preußischen Geschichte, für Militarismus, Toleranz, Widerstandsgeist.“ Bekanntlich wird der Wiederaufbau von Kritikern vor allem wegen des Tags von Potsdam – der Eröffnung des NS-Reichstags in der Garnisonkirche – abgelehnt. Nolte verwies am Freitag auf die hitzigen Debatten rund um die Wiedererrichtung des Humboldt-Forums oder der Dresdner Frauenkirche. Man habe „die Entscheidungen für diese Rekonstruktionen am Ende nie bereut“. Immerhin seien die Debatten in die endgültige Gestaltung „mit eingepreist“.

In der Nagelkreuzkapelle wurde der Wissenschaftliche Beirat vorgestellt. Quelle: Friedrich Bungert

Aus Sicht von Irmgard Schwaetzer – Ex-FDP-Politikerin, Stellvertreterin von Alt-Bischof Huber im Kuratorium und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland – könnte der neu geschaffene Beirat zu einer „Befriedung“ der Diskussion rund um den Wiederaufbau beitragen, indem „wissenschaftlich begründete Erkenntnisse zur Geschichte des Ortes“ aufgenommen werden. Durch den Wiederaufbau stelle man sich der Geschichte an einem sichtbaren Ort, so Schwaetzer: „Man kann daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen.“ Besonders im Fokus des „Erinnerungs- und Lernorts“ Garnisonkirche: die Arbeit mit Schülergruppen.

Vertreter eines Neokonservatismus

Paul Nolte, geboren 1963 in Geldern, ist Historiker, Publizist und Professor am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin. Durch eine Wertedebatte, die er mit seinen Publikationen anstoßen will, zielt Paul Nolte auf eine Neuordnung konservativer Werte in Deutschland ab. „Deshalb zählten ihn die Medien zu den Vertretern eines deutschen Neokonservatismus“, heißt es auf der Internet-Seite Wikipedia. Er selbst bezeichnet sich als „neokonservativ mit Sympathie für schwarz-grüne Bündnisse“.

 Größere Aufmerksamkeit erhielt der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ aus Noltes Buch „Generation Reform“, den zuerst das Satire-Magazin Titanic und später Harald Schmidt in seiner gleichnamigen Late Night Show der ARD aufgriffen.

Im Herbst wird der neunköpfige Beirat erstmals zur konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Berufen wurde das Gremium vom Kuratorium der Stiftung. Neben Nolte, der sich an der Freien Universität Berlin in seiner Forschungsarbeit unter anderem mit Demokratiegeschichte beschäftigt, gehören dem Beirat zum Beispiel Axel Drecoll von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte Oranienburg, Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums Potsdam und Ines-Jacqueline Werkner von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg an der Universität Frankfurt a. M. an. Der Beirat wird eine Geschäftsstelle in den Räumen der Garnisonkirchenstiftung in der Gutenbergstraße haben. Mit vorerst 25 000 Euro aus dem Topf der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG) wird die Arbeit des Beirats inklusive der 50-Prozent-Stelle von Anke Silomon im Auftakthalbjahr finanziert. Silomon hat die wissenschaftliche Leitung der Geschäftsstelle inne. 2014 erschien ihr Buch zur Geschichte der Garnisonkirche im 20. Jahrhundert: „Pflugscharen zu Schwertern; Schwerter zu Pflugscharen“.

Auch Kritiker des Wiederaufbaus sollen nicht außen vor gelassen werden, betonten die Stiftungs- beziehungsweise Beiratsmitglieder gestern. Gespräche mit der wiederaufbaukritischen Martin-Niemöller-Stiftung hätten zwar schon stattgefunden, hieß es auf Nachfrage: „Allerdings keine substantiellen Gespräche; es waren nur zwei Vorgespräche.“ Unter anderem aus Termingründen habe es bislang keine weiteren Treffen gegeben, sagte FWG-Vize Christian Rüss.

Von Ildiko Röd

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