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Potsdam Hochhaus sorgt für Mieterstreit
Lokales Potsdam Hochhaus sorgt für Mieterstreit
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00:32 29.03.2018
So soll der Zwölfgeschosser am Ende der Straße zum Kahleberg auf dem ehemaligen Sero-Gelände aussehen. Quelle: BFM Architekten
Waldstadt

Die Bewohner der Waldstadt II sind verärgert. Schaut man bei Anwohnerin Christiane Standke aus dem Fenster, soll direkt vor ihrer Nase auf dem Grundstück „Zum Kahleberg 28“, dem ehemaligen Gelände des Altstoffhändlers Sero, ein zwölfgeschossiges Hochhaus und ein fünfgeschossiger Zeilenbau entstehen. Dort, wo jetzt der Deutsche Alpenverein eine Boulderhalle eingerichtet hat.

So sehen es jedenfalls die Pläne der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ vor. Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbes, der im vergangenen Jahr ausgelobt wurde, stammt vom renommierten Berliner Büro „Bruno Fioretti Marquez“ (BFM).

Neubau für die Waldstadt stößt auf Unverständnis

„Warum ausgerechnet dieser Entwurf gewonnen hat, will mir einfach nicht einleuchten“, erzählt Bewohnerin Ingrid Schmidt. Die 76-jährige Pensionärin wohnt seit 1989 hier in der Waldstadt, damals noch zwei Häuser weiter, und hängt mit ganzem Herzblut an der Siedlung.

Dass Wohnraum dringend gebraucht werde, sehe sie vollkommen ein, berichtet sie. „Aber dieses Hochhaus, das höher als die Baumwipfel ist, widerstrebt mir total – es passt hier nicht rein“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach hätte ein anderer Entwurf, nämlich der von „3PO – Bopst Melan Architektenpartnerschaft BDA“ aus Potsdam, besser gepasst. Im Wettbewerb landete der Schenkelbau mit den drei Etagen aber nur auf dem zweiten Platz. „Das wäre ein harmonischer Abschluss der Waldstadt gewesen,“ sagt Schmidt. Denn direkt dort beginne das Landschaftsschutzgebiet. Die Mieter, so erzählen die Bewohnerinnen Christiane Standke und Ingrid Schmidt, erfuhren damals aus der Zeitung von dem Projekt (MAZ berichtete).

Übergekochte Emotionen

Bei einer Informationsveranstaltung mit 45 Anwohnern, die dann vergangene Woche stattfand, seien die Emotionen aufgeladen gewesen, erzählt Standke. „Ich hatte den Eindruck, dass man uns schnell wieder loswerden wollte, in der Hoffnung wir verlieren die Geduld,“ berichtet die 70-Jährige ehemalige Referentin eines Ministeriums. Die Mieter fürchten neben der blockierten Sicht, dass in dem Hochhaus ein sozialer Brennpunkt entstehen könnte. Auch ein Parkplatzmangel sei durch den enormen Zuzug Thema gewesen.

(v.l.) Ingrid Schmidt und Christiane Standke in der Waldstadt auf dem Gelände des geplanten Zwölfgeschossers. Quelle: Anne Knappe

„In Potsdam als wachsender Stadt, ist es unser Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen,“ äußerte sich dazu Karl-Marx-Vorstand Sebastian Krause am Montag auf MAZ-Anfrage. „Es besteht ein großer Mangel an 4- und 5-Raum-Wohnungen, insbesondere an barrierefreien Wohnungen.“ Platz dafür fand man in der Waldstadt.

Erhalt der Natur im Vordergrund

Ein Kriterium für die Wahl des Siegerentwurfes sei der möglichst geringe Eingriff in die Natur gewesen. „Dadurch, dass der Bau in die Höhe geht, können wir viele Bäume erhalten,“ versichert Krause. Auch aus städtebaulicher Sicht sei es ein „gelungener Abschluss der Waldstadt.“ Die Sorgen der Bewohner kann er aber nachvollziehen. So hätten sie jetzt ein Gutachten veranlasst, dass die Parkplatzsituation prüfen soll. „Einen begründeten Einwand gibt es allerdings nicht,“ hielt er fest. Daher planen sie zeitnah ins Bauantragsverfahren zu gehen. Der Bau werde voraussichtlich jedoch nicht vor 2022 starten.

Zahlen rund um das Thema Wohnen in Potsdam

Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ wurde im Mai 1954 gegründet und gilt als die größte Genossenschaft.

In ihrem Bestand sind über 7000 Mieteinheiten. Die Nachfrage sei enorm. Rund 900 Menschen interessieren sich dort für Wohnraum.

Aktuell leben nahezu 176 000 Einwohner in Potsdam.

Jedes Jahr kommen rund 3000 bis 4000 Neu-Potsdamer hinzu.

In Potsdam gab es zum Jahresende 2016 rund 88 253 Wohnungen, nur 764 mehr als ein Jahr zuvor.

Single- und Zwei-Personen-Haushalte bilden über 80 Prozent aller Haushalte.

Gegenwehr gab es auch aus der Politik. Stadtverordnete Saskia Hüneke (Grüne) störte sich bereits im vorigen Jahr an der Höhe des Hauses und erinnerte daran, dass man in Potsdam eigentlich nicht höher als Baumwipfelhöhe bauen möchte.

Für den Bauausschuss am Dienstagabend hat die Fraktion90/Die Grünen einen Antrag „für kein weiteres Hochhaus in der Waldstadt“ vorgelegt. Krause ist gespannt, wie sich der Ausschuss entscheidet. Schmidt und Standke sehen es als letzte Möglichkeit, sich gegen das Hochhaus zu wehren.

Von Anne Knappe

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