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Potsdam „Potsdam hat sich sehr verändert“
Lokales Potsdam „Potsdam hat sich sehr verändert“
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18:32 16.10.2015
Finanzminister Christian Görke (Linke) und ProPotsdam-Chef Horst Müller-Zinsius zeigten dem russischen Botschafter Wladimir M. Grinin, was aus der Roten Kaserne geworden ist. Quelle: Christel Köster
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Nedlitz/ Bornstedter Feld

Potsdam hat sich in den 21 Jahren seit Abzug der russischen Truppen sehr verändert. Das stellte der Botschafter der Russischen Föderation bei seinem Besuch in der Landeshauptstadt am Freitag fest. „Die psychologische Substanz dieser Stadt ist heute eine andere“, sagte Wladimir Michailowitsch Grinin bei der Besichtigung ehemaliger Militärflächen im Norden Potsdams, die seit den 90er Jahren für eine zivile Nutzung erschlossen werden. Prägten früher Soldaten und Kasernen den städtischen Alltag, sei dieses für Potsdam ehemals so charakteristische Element heute nahezu gänzlich verschwunden, bemerkte der Diplomat.

Hochtechnologie-Standort statt Kaserne

Auf Einladung von Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) sah sich Botschafter Grinin an, was aus zwei vormals von russischen Soldaten genutzten Flächen geworden ist. Die Graue Kaserne am Jungfernsee gibt es bekanntermaßen nicht mehr. Der Abriss der Gebäude und die Sanierung des Außenbereichs begann bereits 1994. Seit 2002 lässt SAP-Gründer Hasso Plattner das Gelände zum Hochtechnologiestandort mit angeschlossenem Wohngebiet ausbauen. Mehrere hundert Angestellte des IT-Konzerns SAP sollen hier einmal arbeiten. Das Hauptgebäude wurde 2014 eröffnet, kommendes Jahr wird ein erster Erweiterungsbau fertig. Das Baufeld für 150 Wohnbauparzellen in direkter Nachbarschaft liegt hingegen noch brach. Rund ein Viertel der Parzellen sind verkauft, sagte Klaas Vollbrecht, Chef der projektführenden asenticon AG, am Freitag. Das voll erschlossene Gelände ist aber bereits baubereit. Als Finanzminister Görke ihm eröffnete, dass Potsdam gegenwärtig zu den zehn teuersten Städten Deutschlands gehört, zog Botschafter Grinin verwundert die Augenbraue hoch und scherzte, dass der Jungfernsee ja bereits bei den Dinosauriern beliebt gewesen sei. Im vergangenen Jahr war hier der halbe Zahn eines Mammuts gefunden worden.

Abzug der Streitkräfte

Mehr als 3000 Kasernen und Grundstücke übergaben die russischen Streitkräfte bis 1994 an die deutschen Behörden. Der im 1990 unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag vereinbarte Abzug der Truppen dauerte drei Jahre und 11 Monate. Mehr als eine halbe Million Soldaten und ihre Angehörigen verließen Deutschland.

Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland hießen die ab 1954 stationierten Soldaten offiziell. Im Zuge des Umbruchs in der Sowjetunion wurden sie umbenannt. Ab 1988 lautete die offizielle Bezeichnung Westgruppe der Truppen.

In der Garnisonstadt Potsdam nutzten die Streitkräfte mehrere vorhandene Kasernenareale aus Kaiserreich, Weimarer Republik und dem „Dritten Reich“ nach. Vor allem im Norden der Stadt und in der Altstadt fanden sich zudem KGB-Dienststellen, Gefängnisse, Casinos, Offizierswohnheime und Kommandanturen. Wohngebiete in Neubabelsberg und der Nauener Vorstadt waren Sperrgebiete.

Angesichts hartnäckigen Nieselregens fiel der geplante Spaziergang entlang des neuen Uferwegs zur zweiten Station, der Roten Kaserne am Bornstedter Feld, buchstäblich ins Wasser. Stattdessen ging es in den Staatskarossen ein Stück die B2 hinunter. Doch das tat der Laune des Botschafters keinen Abbruch. Von ProPotsdam-Chef Horst Müller-Zinsius wollte Grinin als erstes wissen, ob denn niemand ein Problem damit habe, dass das zum Wohn- und Gewerbegebiet umgebaute Areal weiterhin den Namen „Rote Kaserne“ trägt. Dieser geht jedoch auf die rote Verklinkerung der historischen Gebäude zurück, die denkmalgerecht saniert das Herzstück des neuen Stadtquartiers bilden, erklärte Müller-Zinsius. Die sowjetischen beziehungsweise russischen Truppen nannten den Standort Kaserne Potsdam-Nedlitz. Die 28 Hektar ehemaligen Kasernengeländes sind Teil des gut 300 Hektar großen Entwicklungsgebietes Bornstedter Feld. Rund 200 Millionen Euro hat der Entwicklungsträger für die Infrastruktur investiert, so der ProPotsdam-Chef. Die Refinanzierung erfolgt über einen Verkauf der Grundstücke. Bis 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein. Am Ende wird die Entwicklung des Bornstedter Felds die Landeshauptstadt rund 7,5 Millionen Euro gekostet haben, schätzt Müller-Zinsius: „Dafür ist ein komplett neues Wohngebiet entstanden, mit Schulen, Kitas und vielen neuen Steuerzahlern.“

Botschafter: Potsdams Konversionsflächen sind Erfolgsmodell

Eine „Erfolgsgeschichte“ sei die Konversion der ehemaligen Militärflächen, waren sich am Ende der gut zweistündigen Tour Minister Görke und Botschafter Grinin einig. „Dieses gelungene Projekt macht uns zu Augenzeugen der neuen Geschichte“, fasste der russische Diplomat seine Eindrücke zusammen. Nicht nur die Stadt Potsdam, auch das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen hat sich verändert. „Vielleicht helfen Projekte wie diese, richtige Wege zu finden“, so Botschafter Grinin.

Von Marcel Kirf

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