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Unternehmer kämpft gegen „Berufsempörer"

„Zwarten Pieten“-Debatte in Potsdam Unternehmer kämpft gegen „Berufsempörer"

Um den Auftritt der "Zwarten Pieten" beim Sinterklaas-Markt in Potsdam hat es immer wieder Ärger gegeben. Grund dafür waren die schwarz geschminkten Darsteller. Kritiker bezeichnen dieses "Blackfacing" als Rassismus. Inzwischen ist der Auftritt der "Zwarten Pieten" abgesagt. Ein Unternehmer nennt das eine Posse und kämpft für die schwarz geschminkten Darsteller.

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Jörg Beier sammelt Unterschriften und Geld für einen Auftritt der „Zwarten Pieten“.
 

Quelle: Foto: Marcel Kirf

Innenstadt. Im Streit um den Auftritt der sogenannten Zwarten Pieten beim diesjährigen Sinterklaasfest im Holländischen Viertel will nun eine Privatinitiative erreichen, dass die dunkel geschminkter Darsteller doch kommen. Der Potsdamer Unternehmer Jörg Beier sammelt dafür Unterschriften und Spenden. Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins, Hans Göbel, äußerte sich zwiegespalten: Er begrüße das Engagement, hoffe aber, dass nicht noch mehr Porzellan zerschlagen werde.

3000 Euro in drei Tagen

Mit einem wütenden Schreiben hatte sich Jörg Beier am Montag an die Öffentlichkeit gewandt. Darin nannte er die Rassismus-Diskussion um die Zwarten Pieten „eine Posse der besonderen Art“. Er kenne Hans Göbel, den Vorsitzenden des Fördervereins zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam, seit zwanzig Jahren. Und weiter: „Dieser Mann hätte es verdient, Ehrenbürger dieser Stadt zu werden, stattdessen belästigen ihn stadtbekannte Berufsempörer mit einem in der heutigen Zeit fast schon rufstörenden Vorwurf des Rassismus.“ Besonders enttäusche ihn das Verhalten von Stadtverwaltung und OB, sagte Beier am Dienstag der MAZ. Bisher hätten 50 Unterstützer seine Forderung, nicht auf die Schwarzen Pieten zu verzichten, unterschrieben. Auch seien ihm „in nur drei Tagen“ rund 3000 Euro Spenden zugesagt worden. Mit Anzeigen wolle er um weitere Gelder werben.

Veranstalter ist zwiegespalten

Aber Jörg Beier ist einem Missverständnis aufgesessen, erklärte Hans Göbel gegenüber der MAZ . In Beiers Schreiben wird die benötigte Summe auf 12.000 Euro beziffert. „Da sind die Zahlen etwas durcheinander gekommen“, so Göbel. Die Gesamtkosten des Sinterklaasfestes kalkuliert er mit 45.000 Euro. Rund 17.000 Euro würden über Eintritt und Verkäufe refinanziert, die Stadt gibt 16.000 Euro dazu, die restlichen 12.000 Euro werden von privaten Unterstützern eingeworben. Da die Stadt ihre Förderung an die Bedingung geknüpft habe, dass die Zwarten Pieten nicht auftreten, tendiere der Verein derzeit dazu, das Fest ohne diese zu veranstalten, so Göbel. „Wenn sie kommen, müssen 28.000 Euro privat aufgebracht werden“. Wie man nun weiter vorgeht, will Göbel zunächst im Verein diskutieren. Man möchte auch das Verhältnis zur Stadtverwaltung nicht beschädigen.

Die Geschichte des Blackfacings

 „Blackfacing“ ist der aktuelle Anglizismus des Jahres. Im Januar wurde das Wort von einer Jury unter dem Vorsitz des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin gewählt. Seit 2010 werden Ausdrücke prämiert, die den gesellschaftlichen Wandel abbilden.

Die „Bezeichnung für die Darstellung schwarzer Menschen durch dunkel geschminkte weiße Menschen“ reflektiert nach Ansicht der Jury „einen Konflikt zwischen einer Mehrheit, die für sich eine uneingeschränkte kulturelle Deutungshoheit in Anspruch nimmt, und einer (wachsenden) Minderheit, die das nicht mehr stillschweigend hinnimmt“.

Im 19. Jahrhundert entstand in den USA das sogenannte „Blackface“: in Theateraufführungen, Musik- und anderen Unterhaltungsshows (und später auch in Filmen) stellten geschminkte Weiße Afro-Amerikaner in rassistischen Stereotypen dar, zum Beispiel als ständig fröhliche, singende, naive oder lüsterne Sklaven.

Kritik an diesen Darstellungen gab es schon immer, seit den 1950er Jahren wuchs ein Bewusstsein für ihren beleidigenden Charakter und das Blackface verschwand nach und nach aus der US-Kulturproduktion.

In anderen Ländern lösen als Schwarze geschminkte Weiße bis heute regelmäßig Kontroversen aus, in Deutschland zuletzt eine „Wetten, dass..?“-Sendung mit einer Jim-Knopf-Schminkaktion.

„Ich habe von der Bedingung der Stadt erst kurzfristig erfahren“, sagte Jörg Beier am Dienstag. „Eine so große Summe zu sammeln, wird zeitlich natürlich ziemlich eng.“ Wenn der Verein, dem er beizutreten gedenkt, eine Entscheidung pro oder contra Zwarte Pieten getroffen hat, wird er sich dem Votum fügen. Bis dahin aber macht er weiter.

SIEHE AUCH : Holländer schlagen Pieten-Kompromiss vor | Pieten in Potsdam: Schwarz oder gar nicht!

Von Marcel Kirf

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