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Potsdam Kremserkutschpferde: Peta greift ein
Lokales Potsdam Kremserkutschpferde: Peta greift ein
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18:35 09.08.2018
Kutschpferde – hier ein Symbolbild. Quelle: Archiv
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Potsdam

Der Streit um das Wohl der Kremserkutschpferde des Fuhrunternehmens Sengebusch schlägt immer höher Wellen. Nachdem sich kürzlich Top-Designer Wolfgang Joop im MAZ-Gespräch über das Schicksal der Tiere empört hat, schlägt nun der Potsdamer Tierschutzverein (TSV) in einem offenen Brief Alarm. Es handle sich um ein „zum Himmel schreiendes Beispiel von Tierquälerei“, heißt es. Und: „Unter der sengenden Sonne dieser Tage werden Pferde vor tonnenschwere Kremserwagen gespannt, um gedankenlose Touristen durch Potsdam zu kutschieren. Die Luft ist von stinkenden Abgasen lärmender Autokolonnen geschwängert, der Straßenbelag unerträglich aufgeheizt.“

Der TSV fordert eine generelle Einstellung der Kremserfahrten und verweist auf Städte wie London, Paris oder Barcelona – auch sie hätten Kutschfahrten untersagt. In Deutschland sind nur in Rothenburg ob der Tauber in einigen Teilen des historischen Altstadtkerns Pferdekutschen untersagt. Schützenhilfe bekommen die Tierfreunde nun von der Tierschutzorganisation Peta mit Sitz in Stuttgart: „Die Risiken bei Kutschfahrten sind unkontrollierbar, denn Pferde sind Fluchttiere und können selbst bei geringen Störungen leicht in Panik geraten“, sagt Peter Höffken, Fachreferent bei Peta, auf MAZ-Anfrage. Pferde im Straßenverkehr laufen zu lassen – aus Sicht des Peta-Mitarbeiters ein absolutes Unding. Allein in Deutschland gebe es laut Statistik jährlich zwischen 50 und 60 Unfälle mit Pferdekutschen.

„Welches Armutszeugnis zeigen wir unseren Kindern?“

Besonders empört sind die Pferdefreunde in Potsdam über das städtische Veterinäramt, über das sich in den letzten Tagen ein Schwall an Kritik in den sozialen Netzwerken ergoss. Auch Susann Prinzessin von Preußen, die sich jahrelang für ein Tierheim stark gemacht hat, ist erschüttert. Die Pferdekutschen seien „eine traurige Realität“. Sie fragt: „Welches Armutszeugnis zeigen wir besonders unseren Kindern, die die Nähe und Zuwendung dieser hochsensiblen Tiere suchen?“ In ihrer Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen hat die Potsdamerin den Einsatz von Pferden als eine der „wertvollsten Therapien für einsame und traumatisierte Kinder“ kennengelernt. Ihr Appell an das Fuhrunternehmen: „Hier wünsche ich mir die Einsicht der Firma Sengebusch.“

Im Rathaus lässt man sich von der hitzigen Debatte nicht aus der Ruhe bringen. Man verweist darauf, dass der Fuhrbetrieb eine Erlaubnis des Veterinäramtes hat. „Die Wagen sind TÜV-geprüft und dürfen auf den Straßen fahren“, erklärt Stadtsprecher Stefan Schulz. Bei heißem Wetter gebe es Auflagen. In den Pausen sollen die Pferde möglichst im Schatten stehen. Wasser muss mitgeführt und Tränken an der Historischen Mühle gewährleistet sein. Zwischen 30 und 33 Grad soll die Einsatzzeit der Pferde auf fünf Stunden begrenzt werden – ab 33 Grad Celsius Außentemperatur wird der Fahrbetrieb eingestellt.

Kremserfahrt – Symboldbild. Quelle: Bernd Atzenroth

Aus Sicht von Peta-Mitarbeiter Höffken sind diese Erleichterungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Im Vergleich etwa zu Berlin schneide Potsdam deutlich schlechter ab. Dort könnten in der Innenstadt Kutschpferde künftig bei mehr als 30 Grad im Schatten hitzefrei bekommen. Das sieht eine neue Leitlinie der Senatsjustizverwaltung vor. Der Entwurf muss aber noch mit den Bezirken abgestimmt werden. Wie Stephan von Dassel (Grüne), Bezirksbürgermeister in Mitte, gestern laut einem Bericht der Morgenpost erklärt hat, sei das Bezirksamt „kurz davor, aus Gründen des Tierschutzes ein Verbot des Kutschenbetriebes bei sehr hohen Temperaturen zu erlassen“. Dies sollte „spätestens nächste Woche“ in Kraft gesetzt werden können, hofft der Politiker.

In Potsdam verweist der zuständige Ordnungsdezernent und SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mike Schubert auf die Gesetzgebung des Landes: „Es gibt eine gesetzliche Grundlage, auf der der Veterinär arbeitet. Wenn es Verstöße gegen den Tierschutz gibt, muss und wird er dagegen vorgehen.“

Von Ildiko Röd

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