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Trauer und Wut nach Tod von 19-jähriger Radfahrerin

Fahrrad-Unfall in Potsdam Trauer und Wut nach Tod von 19-jähriger Radfahrerin

Nachdem am Dienstag eine 19-Jährige in Potsdam von einem Lkw überrollt worden ist und starb, sucht die Polizei nun weitere Zeugen. An der Unfallstelle gedenken derweil die Menschen des Mädchens mit Blumen und Kerzen. Viele Potsdamer sind erschüttert und fordern mehr Sicherheit für Radfahrer in der Landeshauptstadt.

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Mit Blumen und Kerzen erinnern die Potsdamer an die 19-Jährige, die von einem Lkw überrollt wurde.
 

Quelle: Marcel Kirf

Jägervorstadt.  Am Tag nach dem tödlichen Fahrradunfall in der Friedrich-Ebert-Straße sitzt der Schock tief. Im Minutentakt bleiben Passanten an der Unfallstelle kurz hinter dem Nauener Tor stehen. Sie legen Blumen nieder, zünden Kerzen an oder hinterlassen kleine Botschaften. In die Trauer mischt sich Wut. Längst ist die alte Diskussion um die Sicherheit von Fahrradfahrern auf Potsdams Straßen wieder aufgeflammt.

Potsdamer sind erschüttert

Tränenüberströmt ist Svenja Gottschlings Gesicht, als sie vor den Blumen und Grablichtern am Straßenrand steht. „Ich habe das junge Mädchen nicht gekannt“, sagt sie schluckend, „aber ich wohne hier ganz in der Nähe und kann es einfach nicht fassen: sie war erst 19 Jahre alt.“ Im Hintergrund erklärt gerade eine Mutter ihrem Fünfjährigen, dass hier am Dienstag ein Mensch gestorben ist. Auch Anne Bade ist ergriffen, als sie ein paar Blüten niederlegt. Sie arbeitet im Restaurant „Petite Pauline“, das sich im Nauener Tor befindet. „Unsere gesamte Belegschaft ist völlig aufgelöst“, berichtet sie. So geht es vielen hier.

Welche Stellen in Potsdam sind für Radfahrer gefährlich?

Ein weiterer Fahrrad-Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen, keine 24 Stunden nach dem Tod der 19-Jährigen, – zum Glück mit weit weniger dramatischem Ausgang.

In Babelsberg
 

Liebe Leser, wir fragen Sie:
 
Wo wird es für Fahrradfahrer in der Stadt gefährlich? Schreiben Sie uns: Lokalredaktion Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam oder: potsdam-stadt@MAZ-online.de

Polizei-Markierungen noch zu sehen

„Wie eng das ist!“, entfährt es Ulf Hildebrand vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC, als neben der kleinen Gedenkstätte ein Radfahrer von einem Auto überholt wird. Sie teilen sich dieselbe Fahrspur, eine Markierung für Radler gibt es an dieser Stelle nicht. Auf dem Asphalt aber sind noch die Polizeikreide-Markierungen vom Vortag zu sehen. Hildebrand kommt gerade aus dem nahegelegenen Rathaus. Dort hat soeben die Arbeitsgruppe Radverkehr getagt. Auch hier war der Unfall Hauptthema, berichtet der ADFC-Mann: „Alle anderen Tagesordnungspunkte traten plötzlich in den Hintergrund.“ Auch die Vertreter der Stadt hätten sich tief betroffen gezeigt, erzählt Hildebrand. Offiziell wollte die Stadtverwaltung auf Anfrage noch nichts sagen. Zunächst müsse die Untersuchung des Unfallherganges durch die Polizei abgeschlossen sein, so ein Stadtsprecher. Erst dann könne man über etwaige Konsequenzen nachdenken.

Weitere Zeugen gesucht

Die Polizei startete am Mittwoch einen Zeugenaufruf. Wer den Unfall gesehen hat, möge sich bei der Polizeiinspektion Potsdam melden. Nach bisherigen Zeugenaussagen verhakte sich der Fahrrad-Lenker der 19-Jährigen plötzlich mit dem Lkw. Dadurch stürzte sie und wurde von dem Lkw überrollt. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Unter die Trauer mischt sich an der Unfallstelle am Tag danach bereits auch Wut. Sinnlos erscheint der frühe Tod der jungen Radlerin den Menschen hier, und manche fragen, ob das Unglück nicht zu verhindern gewesen wäre. Fordern ein Umdenken im Straßenverkehr.

„Rücksichtslos sind diese Autofahrer!“, echauffiert sich ein älterer Herr, „und wenn man sie darauf hinweist, wird man auch noch angepöbelt.“ Er möchte seinen Namen nicht nennen, aber erinnert an den tödlichen Unfall einer Fahrradfahrerin in der Pappelallee vor zwei Jahren. An dieser Stelle ist heute das Linksabbiegen verboten. „Aber das interessiert keinen, da biegen sogar Muttis mit Kleinkindern auf dem Weg zur Kita ab“, hat der Rentner beobachtet. „Und wenn du wen ansprichst, springen die dir gleich ins Gesicht.“

Gefährliche Orte für Radfahrer

Gefährliche Orte für Radfahrer gibt es in der Stadt einige – da sind sich die Potsdamer einig. Manchmal ist dabei nicht das Nebeneinander von Fahrrad und Auto problematisch, sondern das von Radlern und Fußgängern. Der Bahnhofsausgang an der Langen Brücke und die Ecke des Stadtschlosses Richtung Lustgarten werden immer wieder genannt. Auch hier ist es schon oft zu Zusammenstößen gekommen. Die tödlichen Fahrrad-Unfälle der vergangenen Jahre aber haben sich auf der Straße ereignet.

„Radfahrer gehören auf die Straße“, sagt ADFC-Mann Ulf Hildebrand. Da sei man sich mit der Stadt einig. An manchen Stellen – wie an der Kreuzung Friedrich-Ebert-/ Kurfürstenstraße, wo sich der Unfall am Dienstag ereignete – dürfen aber keine Markierungen angebracht werden. Dort sei es so eng, dass ein gesetzlich vorgeschriebener Mindestabstand zur Fahrbahn nicht eingehalten werden kann, so Hildebrand. „Und wo es eng wird, wird es gefährlich.“

Zeugen können sich bei der Polizei unter 0331/ 55081224 oder über bei der Internetwache www.polizei.brandenburg.de melden.

Von Marcel Kirf

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