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Prignitz 10. Theaterspektakel zum „Wunderknaben“
Lokales Prignitz 10. Theaterspektakel zum „Wunderknaben“
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10:59 01.08.2017
„Der Wunderknabe“ erinnert in Kehrberg an das Jahr 1734 und das Schicksal des kleinen Jungen Johann Ludwig Hohenstein. Quelle: Christamaria Ruch
Kehrberg

„Nö, Lampenfieber habe ich noch nicht“, sagt der neun Jahre alte Max. Doch bei einer Szene „wird es für mich schwierig, da gebe ich eine Ohrfeige“. Wenig später beginnt die Theaterprobe für „Der Wunderknabe“ in Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow). Max zeigt, dass er zum zweiten Mal als „Wunderknabe“ für den Auftritt gewappnet ist.

Bereits zum zehnten Mal bereiten sich die Laiendarsteller in Kehrberg auf ihren Gang ins Rampenlicht vor: Am Sonntag, 3. September, um 14 Uhr beginnt das Historienspektakel „Der Wunderknabe“ an der Naturbühne an der Kirche in Kehrberg. Daneben lockt wieder ein buntes Markttreiben. Die Mitglieder vom Förderverein Kirche Kehrberg stehen von Beginn an hinter dieser Veranstaltung.

Ein König führt Regie: Sven Hampel (l.) gibt den Darstellern Hinweise für die Bühnenpräsenz. Quelle: Christamaria Ruch

Das Theaterspiel stand im Herbst letzten Jahres vor dem Aus. Hans Serner, der langjährige Regisseur beim Wunderknaben, stieg damals aus. Er ist der geistige Vater des Stückes. Doch ein Ensemble ohne Regisseur ist undenkbar. Dann folgte das neue Wunder von Kehrberg und Sven Hampel übernahm im Frühjahr die Regie. Er spielt zugleich den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. „Ich bin von Anfang an dabei“, sagt Hampel. Er leitet die Theatergruppe in Kunow. Nun lastet auch in Kehrberg die Verantwortung auf seinen Schultern. „Es ist schön, dass es weiter geht, weil das ein schönes Stück ist. Das ist es einfach wert, weiter zu machen“, sagt er. „Zaghafte Textveränderungen“ fließen beim Jubiläum bereits mit ein.

Strömten 1734 unzählige Kranke nach Kehrberg und suchten Heilung, setzen heute die Laiendarsteller dieses Erbe fort. Auch sie kommen aus vielen Prignitzer Orten. Sieben Akteure spielen seit Beginn mit. Sechs Rollen mussten nun neu besetzt werden. „Neue Darsteller bedeuten frischer Wind und das tut der Aufführung gut“, so Hampel.

Der Wunderknabe (Max Hallwaß) bei seiner Mutter (Susan Eppenstein). Quelle: Christamaria Ruch

Einige der 36 Mitwirkenden stehen wie Hampel andernorts auf Bühnen. Neben der Theatergruppe Kunow sind die Improhasen aus Hasenwinkel und das Dorftheater Sagenhaft aus Kletzke vertreten. Letztgenannte Gruppe ist erstmals dabei und leistet Nachbarschaftshilfe. „Jahr für Jahr steht das Thema, neue Darsteller zu suchen, auf dem Programm“, sagt der Regisseur. Susan Eppenstein und Steffen Brandt spielen in Kletzke seit 2015. „Der Wunderknabe“ ist eine neue Erfahrung für Steffen Brandt: „Sonst stehen wir bei unseren Stücken in Wechselwirkung mit dem Publikum, das fehlt hier. Ich bin in meiner Rolle eingesperrt – das liegt natürlich am Thema.“ Brandts Anspruch: „Ich muss ernsthaft spielen, auch wenn das schwierig ist, aber sonst wird das Stück zur Klamotte.“

Steffen Brandt vom Dorftheater in Kletzke spielt erstmals mit. Quelle: Christamaria Ruch

Sven Hampel verfolgt von der Seite das Spiel und gibt sich nicht zufrieden. „Ihr müsst das dramatischer sprechen, besser artikulieren und mehr Körpersprache zeigen.“ Schon geht er zu den beiden Frauen, die gerade von der Geburt des Wunderknaben erfahren haben. Dem Kind wird besonderes Glück vorausgesagt. „Ihr seid geschockt, als Ihr das hört, zeigt das auch beim Spiel“, so Hampel. „Ihr bekommt Angst, weil auch der Stuhl umfällt und dann verlasst Ihr fluchtartig die Bühne.“ Schon wiederholen die Frauen die Szene, kauern sich aneinander, heben und senken die Stimme und füllen stärker den Raum.

Auch hinter den Kulissen sind Frauen und Männer aktiv. Eine von ihnen ist Irina-Lucia Wilhelm; von ihr stammen sämtliche Kostüme. Alle 36 Darsteller immer und pünktlich unter einen Hut zu bekommen, gestaltet sich schwierig. Seit Juni wird alle zwei Wochen geprobt und wenn Akteure fehlen, springen andere kurzzeitig ein. Anke Chmielecki und Angret Thiele von den Improhasen in Hasenwinkel spielen erstmals mit: „Wir wurden angefragt, weil Rollen unbesetzt waren.“ Angret Thiele übernimmt nun die Rolle von Hans Serner und führt als Erzählerin und Bänkelsängerin durch die historisch verbriefte Geschichte.

Eintrittskarten zum Preis von 1,50 Euro für Kinder und 3 Euro für Erwachsene erhalten die Besucher am Sonntag, 3. September, am Eingang zur Naturbühne an der Kirche in Kehrberg. Beginn der Aufführung ist 14 Uhr.

Der Wunderknabe

Johann Ludwig Hohenstein erblickte im Januar 1731 als 7. Sohn in Folge und an einem Sonntag das Licht der Welt.

Sonntagskindern wird ein besonderes Glück vorausgesagt. Damit besaß er laut Aberglauben ein zweites Gesicht.

Schon drei Jahre später schrieb er als Wunderknabe von Kehrberg Geschichte. Gut 30 000 Kranke heilte der Junge innerhalb von drei Monaten.

Diese Kunde drang bis zum Preußenkönig Friedrich Wilhelm I vor. Dieser fackelte nicht lange und ließ am 28. August 1734 die Eltern und den Jungen nach Berlin abführen.

Gnadengesuche der Familie wies der König zurück. Zwei Jahre später starb der damals fünfjährige Junge im Großen Friedrichshospital in Berlin.

Von Christamaria Ruch

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