Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
1400 Patientinnen künftig ohne Frauenarzt

Pritzwalker Praxis droht Schließung 1400 Patientinnen künftig ohne Frauenarzt

In Pritzwalk (Prignitz) steht die Schließung einer weiteren Arztpraxis ins Haus: Ende März geht die Gynäkologin Dorothea Simon in den Ruhestand. Doch eine Praxisnachfolge gibt es nicht. Intensive Bemühungen blieben ohne Erfolg, die Ausschreibung ohne Bewerbung. Betroffen sind bis zu 1400 Patientinnen pro Quartal. Die stehen vor einer problematischen Situation.

Voriger Artikel
Maler Harms Bellin zog es in die Prignitz
Nächster Artikel
Urteil gegen Supermarkt-Räuber in Sicht

Ein Frauenarzt untersucht für die pränatale Diagnostik eine Schwangere.

Quelle: dpa-Zentralbild

Pritzwalk. Bis zu 1400 Patientinnen behandelt die Pritzwalker Fachärztin für Frauenheilkunde, Dorothea Simon, im Quartal. Sie müssen sich nun nach einer neuen Gynäkologin umsehen. Dorothea Simon geht zum 31. März in den Ruhestand. Rein rechnerisch hat der Landkreis Prignitz auch dann noch immer genug Frauenärzte. „Wenn ich eine Praxis herausrechne, sind wir immer noch bei einem Versorgungsgrad von deutlich über 100 Prozent“, erklärt Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). An der Verteilung krankt es aber, sagt er.

Allgemeinmediziner werden auch gesucht

Im Bereich Frauenheilkunde liegt der Versorgungsgrad in der Prignitz per 30. September derzeit bei 146 Prozent. Damit versorgen neun Gynäkologen die insgesamt 39 232 Frauen im Landkreis. In der Berechnung ist die Stelle von Dorothea Simon in Pritzwalk noch enthalten. Somit ist der Kreis für weitere Zulassungen gesperrt.

Auch der Landkreis Ostprignitz Ruppin ist für Neuzulassungen im Bereich Frauenheilkunde gesperrt: Hier werden 49 744 Frauen von zehn Ärzten versorgt – das entspricht einem Versorgungsrad von 124 Prozent.

Offen für weitere Zulassungen sind in der Allgemeinmedizin der Bereich Pritz­walk-Wittstock und Neuruppin. In der Prignitz ist die Neuansiedlung von Hautärzten und Psychotherapeuten möglich. Extrem unterversorgt ist der Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie für die Region Prignitz-Oberhavel. Alle anderen Bereiche sind – rein rechnerisch – abgedeckt.

Seit fast einem Jahr bemüht sich die Ärztin in Zusammenarbeit mit der KVBB um eine Nachfolge für die Pritzwalker Praxis. „Bei der Zulassungsstelle ist die Ausschreibung zur Nachbesetzung im Mai 2015 erschienen“, blickt KVBB-Sprecher Wehry zurück. Darauf habe sich niemand gemeldet. „Wir werden die Ausschreibung aber weiterhin aufrecht erhalten.“ Simon habe laut Wehry zudem eine Anzeige im regelmäßig erscheinenden Mitteilungsblatt „KV Intern“ geschaltet.

Alle Bemühungen ohne Erfolg

Auch über die Internetseite der KVBB ist eine Ausschreibung für die Praxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Pritzwalk aktiv. Wehry: „Wir haben sogar aktiv Gynäkologen angesprochen, die eine Praxis suchen, und auf die frei werdende Praxis aufmerksam gemacht.“ Auch das bisher ohne Erfolg.

Im Landesausschuss, der auch über die Besetzung von Praxen entscheidet, habe die KVBB laut Wehry im vergangenen Dezember auf die drohende Unterversorgung aufmerksam gemacht, wenn Dorothea Simon ihre Praxis schließt. „Das wurde auch so deklariert“, berichtet der Pressesprecher. Solange die Ärztin noch im Dienst sei, sei alles gut. „Es droht aber eben eine problematische Situation.“ Das gebe der KVBB die Möglichkeit, die Ansiedlung eines neuen Gynäkologen in Pritzwalk mit 50 000 Euro zu fördern. Leider habe auch auf dieses Angebot niemand reagiert. Das Interesse von Medizinern, sich in der Prignitz anzusiedeln, tendiert anscheinend gegen Null. „Wir können uns nun mal keinen neuen Gynäkologen backen“, bedauert er.

Rein rechnerisch ist die Prignitz ausreichend versorgt

Rein rechnerisch sei die Prignitz mit Frauenärztinnen ausreichend versorgt. Die Verteilung sei aber in dem Flächenlandkreis ein Problem: Die Praxen befänden sich in Perleberg, Wittenberge und Meyenburg. Die betroffenen Frauen aus Pritzwalk sind also künftig immer gezwungen, zum Arzttermin zu fahren. „Es macht sicher Sinn, dass Fachärzte in Mittelzentren angesiedelt sind“, so Wehry. Er sieht aber die Gynäkologin als eine Art „Hausarzt für die Frauen“. Der Fachbereich habe aus seiner Sicht „grundversorgenden Charakter“: „Es wäre also sinnvoll, wenn diese in der Fläche verteilt sind. Sonst hätten wir auch nicht die ’drohende Unterversorgung’ anerkannt.“ Die rein rechnerische Bedarfsplanung habe laut Wehry häufig mit der Versorgung vor Ort wenig zu tun.

In Pritzwalk gibt es neben der Praxis von Dorothea Simon eine Gynäkologin im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der KMG-Klinik. Diese bietet aber nicht die Vollzeitbetreuung wie die freie Praxis an. „Dr. Marita Becker nimmt bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt neue Patientinnen auf“, informierte auf Nachfrage Christian Meier, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der KMG. Becker decke demnach gemeinsam mit Kordula Wahls in Meyenburg den Versorgungsbedarf im Bereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe für das Einzugsgebiet Pritzwalk, Meyenburg und Putlitz ab. „Da das KMG-Klinikum Pritzwalk stationär keine Gynäkologie anbietet, ist es nicht sinnvoll, hier zu wachsen“, so Meier.

 

 

Von Beate Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg