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Prignitz 15 Pilgerzeichen auf einer Glocke
Lokales Prignitz 15 Pilgerzeichen auf einer Glocke
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06:51 16.03.2018
15 Pilgerzeichen zeigt die mittlere Glocke aus dem Jahr 1487 – vermutlich so viele wie keine andere im Land Brandenburg. Quelle: Beate Vogel
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Rohlsdorf

Von außen ein unscheinbarer Feldsteinbau, birgt die mittelalterliche Dorfkirche in Rohlsdorf (Amt Meyenburg) in ihrem Inneren den einen oder anderen Schatz. Im Falle der original erhaltenen Glocken sind es sogar drei, erzählt Hella Dibbert, die gegenüber der Kirche wohnt und im Gemeindekirchenrat sitzt. Eine der Glocken zeigt 15 Pilgerzeichen – wohl die höchste Zahl an Pilgerzeichen auf einer einzigen Glocke in Brandenburg.

Hella Dibbert möchte es den Besuchern der Rohlsdorfer Kirche künftig ermöglichen, einen Blick auf das bronzene Geläut zu werfen, ohne dass diese die engen Stiegen im Turm hinaufsteigen müssen. „Wir wollen im Eingangsbereich große Fotos von den Glocken an den Wänden anbringen oder aufstellen, dazu einen kleinen Abrisse zur kulturgeschichtlichen Bedeutung“, erklärt sie.

Mit Lilien verziert

Für die Beschriftung hat sie geschichtliche Daten aus verschiedenen Quellen zusammen getragen. Die kleinste der drei Glocken stammt aus dem 13. Jahrhundert. Eine besondere Inschrift trägt sie nicht. Die größte Glocke ist aus dem Jahre 1564 und hat einen Durchmesser von 1,10 Meter. Sie ist mit Lilien und anderen Trennungszeichen verziert.

Ganz oben am Hals trägt sie eine Inschrift: „Anno dom. 1564 jahre Goth. Jochim Grotmaker. Hemel und erde vorgan, godes vourt blift ewich stan.“ – „Himmel und Erde vergehn’, Gottes Wort bleibt ewig bestehn’“. Mitten auf der Glocke sind auf einer Seite ein rundes Medaillon, das Golghata zeigt, auf der anderen ein Hahn eingearbeitet. Unter dem Glockenhals ist ein Gießerzeichen, das sich auch auf der großen Glocke in Stüdenitz bei Kyritz findet.

Die heutige Kirche ist aus dem 15. Jahrhundert

Wahrscheinlich steht die Rohlsdorfer Kirche auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus, der um 1300 abgebrannt ist. Die heutige Feldsteinkirche in Saalform aus gespaltenen Feldsteinen mit Backsteinkanten und Turm wurde um 1480 errichtet.

Im Jahr 2015 wurde der gesamte Kircheninnenraum restauriert. Dabei wurde eine vorreformatorische, originelle Wandmalerei konserviert.

Hella Dibbert, die sich mit den Glocken an sich beschäftigt hat, erzählt, dass die Bronzeglocken damals direkt neben der Kirche gegossen wurden. „Dazu hat man eine Grube mit einer Gussform aus Lehm ausgefüllt“, erklärt sie. Direkt daneben sei das Metall – meist eine Zinnbronze – geschmolzen worden. „Aus Dachziegeln wurde dann eine Schräge gebaut, über die das flüssige Metall in die Form gegossen wurde.“ Ein halbes Jahr habe es dann gedauert, bis die Glocke erkaltet war. Erst dann wusste man, ob der Guss erfolgreich war.

Hinweis auf mittelalterliche Wallfahrtsorte und Pilgerwege

Kulturhistorisch sehr wertvoll ist die 1487 gegossene mittlere Glocke in der Rohlsdorfer Kirche. Sie hat einen Durchmesser von 90 Zentimetern. Mit ihren 15 Pilgerzeichen gibt sie Aufschluss über mittelalterliche Wallfahrtsorte und Pilgerwege. Alle Zeichen können einem bestimmten Ort zugeordnet werden. So zeigen die Pilgerzeichen auf dieser Glocke eine Pilgerreise über Königslutter, Jakobsberg, Neuss und Köln nach Maastricht an.

Im Eingangsbereich der Kirche sollen Fotos und Erklärungen zu den Glocken aufgestellt werden. Quelle: Beate Vogel

Eines der Motive zeigt eine stehende Figur in langem, faltigen Gewand. Sie stellt den Apostel Matt-häus dar, der in seiner Linken ein Buch, in der Rechten eine Hellebarde hält. Zu seinen Füßen kniet ein Pilger.

Dasselbe Zeichen zeigt die Glocke in der Falkenhagener Kirche, die ebenfalls 1487 gegossen wurde. Auch in Eberswalde und Molchow findet sich das Pilgerzeichen. Womöglich hat ein Glockengießer die Schablone mehrmals benutzt. Das Original des Pilgerzeichens stammt aus Trier.

Parallelen fallen auf

Die Parallelen zu Falkenhagen fallen auf – das gleiche Gussjahr und die hohe Zahl von Pilgerzeichen. Diese Glocke steht in der dortigen Kirche neben dem Altar. Sie musste vor Jahren abgenommen werden, weil der Kirchturm marode war. Die Schwingungen beim Läuten hätten weitere Schäden verursacht. So ist die Glocke aber gut aus der Nähe zu besichtigen.

Die drei Glocken in Rohlsdorf sind noch im Dienst. Sie werden von Hand bei Beerdigungen, Hochzeiten und Gottesdiensten geläutet, erzählt Hella Dibbert. In diesem Jahr sind bereits mehr als 20 Hochzeiten angemeldet, davon drei kirchlich, so das Gemeinderatsmitglied.

Gemeinderat wird noch beraten

Außerdem wird die Kirche von Ende April bis Anfang Oktober von den Kindern und Jugendlichen der Evangelischen Schulen genutzt, die bei der „Land & Scheune“ außerschulischen Unterricht absolvieren. „Sie sitzen abends gern zum Ausklang des Tages bei Kerzenschein in der Kirche und erzählen“, berichtet Hella Dibbert.

Über die Präsentation der Glocken in Wort und Bild im Vorraum wird noch der Gemeinderat beraten, sagt sie. In der nächsten Beratung des Gremiums will sie außerdem vorschlagen, dass die Kirche abends beleuchtet wird.

Von Beate Vogel

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