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Prignitz 150 Jahre Schlossumbau
Lokales Prignitz 150 Jahre Schlossumbau
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00:17 15.09.2016
Einst standen zwei Wohnhäuser anstelle des heutigen Schlosses. Das Gemälde entstand kurz vor dem Umbau 1866. Quelle: Privat
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Meyenburg

150 Jahre ist es her, seit das Meyenburger Schloss seine jetzige Form bekam. Vorher standen zwei Wohnhäuser an der Stelle. Sie sind heute Teil des Schlossensembles, das Otto von Rohr 1865 und 1866 im Neorenaissance-Stil bauen ließ. Der Freundeskreis Schloss Meyenburg hatte aus diesem Anlass zu einem Vortrag eingeladen – im Schloss. Annegret Hahn vom Verein erzählte nicht nur aus der Baugeschichte, sondern auch aus der Familienhistorie derer von Rohr, die die Geschicke Meyenburgs 600 Jahre lang prägten. Unterstützt wurde sie von Stefan Simon, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Freundeskreises, und von Christine Simon.

Märchenhaft: Die Stepenitzseite des Meyenburger Schlosses verdeutlicht auch die Baugeschichte. Quelle: Beate Vogel

Eine erste Burg bauten wohl die Slawen an der Stepenitz, berichtete Annegret Hahn. Später eroberten die Bischöfe von Havelberg eine ganze Burgenkette entlang der Stepenitz, verloren einen Teil aber an die Mecklenburger. „Diese legten auch das Städtchen Meyenburg an, das 1285 erstmals erwähnt wurde.“ Nachdem die Markgrafen von Brandenburg das Gebiet im 14. Jahrhundert zurückeroberten, tauchte laut Hahn erstmals der Name der späteren Schlossherren auf, die in der Region einige Güter besaßen. „Alert von Rohr, die reiche Familie kam aus Bayern in den Norden, erwarb ’Hus und Stadt Meyenburg’ Mitte des 14. Jahrhunderts’“, so Annegret Hahn. Es entstanden zwei, später drei Rittersitze. „Die drei Ritter haben sich gezankt ohne Ende“, so die Hobbyhistorikerin. Noch heute sind als verputzter Teil zwei der alten Anlagen zu erkennen, „mit einer Wandstärke von 1,40 Meter“. Bei der Sanierung des Schlosses fand sich laut Annegret Hahn sogar eine mittelalterliche Heizungsanlage, die vor allem in den Gemächern der Frauen für Wärme sorgte.

Annegret Hahn Quelle: Beate Vogel

Erst Ritterschaftsdirektor Otto August Alexander von Rohr genannt Wahlen Jürgass ist es zu verdanken, dass das Schloss modernisiert wurde. Dank der Vereinigung mit dem Hause Wahlen Jürgass einige Jahrzehnte zuvor kam die Familie von Rohr zu dem nötigen Geld, um ein solches Projekt umsetzen zu können. Der Berliner Baumeister Friedrich Adler begleitete damals den Umbau. „Er hat versucht, die beiden alten Burghäuser möglichst nicht zu verändern und die Backsteinarchitektur mit den alten Feldsteinbauten geschickt zu verbinden“, berichtete Annegret Hahn. Die beiden Türme links und rechts der Terrasse etwa standen schon, Adler hat sie erhöht und die Kegel darauf gesetzt.

Ein wundervolles Ensemble entstand, ergänzt durch den Landschaftspark, den Hofgärtner Fink im Stile von Lenné anlegen ließ. Schlossgärtner wurde Walter Nebert, dessen Nachfahren noch heute in der Stadt leben. Hier und da konnten nicht nur Annegret Hahn, sondern auch die Zuhörer Anekdoten zur Schloss- und Familiengeschichte der Rohrs anbringen.

Dieser widmete die Referentin ein abschließendes Kapitel in ihrer Erzählung. Theodor von Rohr zum Beispiel gründete in Meyenburg den Obst- und Imkerverein, den es heute noch gibt. „Wichard von Rohr fiel als erster Meyenburger im 1. Weltkrieg am 6. August 1914 bei Lüttich“, erzählte Annegret Hahn. Er war der letzte männliche Erbe des alten Adelsgeschlechtes, das nun die Frauen weiter führten. Margarete von Harrach, geborene von Rohr Wahlen Jürgass, führte das Haus noch einige Jahre weiter. Dann mussten die von Rohrs aufgeben, die Kosten waren einfach zu hoch.

Nach 1933 waren im Schloss die SA-Sportschule, später der Reichsarbeitsdienst für Männer und dann für Frauen untergebracht. Das Schloss beherbergte Schule, Kindergarten, Internat und Wohnungen. Nach der Wende war es in sehr schlechtem Zustand. 1992 starteten die Meyenburger ein umfassendes Restaurierungsprojekt, das 2006 abgeschlossen werden konnte. Heute finden sich im Schloss das Modemuseum, das Schlossmuseum und die Bibliothek.

Von Beate Vogel

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