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Prignitz 30 Bäume sollen in Groß Gottschow weichen
Lokales Prignitz 30 Bäume sollen in Groß Gottschow weichen
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01:19 01.12.2018
Die ersten der insgesamt 30 markierten Birnenbäume sind bereits gefällt – weitere sollen schon in Kürze folgen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Groß Gottschow

„Als ich mit dem Hund durch das Dorf spazieren ging, sah ich die roten Punkte an den Bäumen“, sagt Eckhard Kaleschke. Zusammen mit Rosemarie Zahn bewohnt er einen jahrhundertealten Hof in Groß Gottschow (Gemeinde Plattenburg). Im Zuge des Ausbaus der Dorfstraße sollen nun auch die dort entlangführenden Birnenbäume weichen, ganz zu bedauern der beiden Dorfbewohner.

Laut der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises sind die etwa 30 Bäume nicht mehr erhaltungsfähig, so das Ergebnis einer Besprechung zusammen mit Vertretern der Gemeindeverwaltung vor Ort. „Bis auf fünf oder sechs Bäume sind alle in einem sehr schlechten Zustand“, so Frank Stubenrauch, Pressesprecher der Kreisverwaltung.

„Einige kann man noch retten“

In der Regel ist der Landkreis für Obstbäume nicht zuständig, anders ist das in Groß Gottschow. Denn dort haben die Birnenbäume einen Alleecharakter, bilden das Ortsbild entlang der Dorfstraße und genau das bewundern Eckhard Kaleschke und Rosemarie Zahn. „Nicht alle sind in einem derart schlechten Zustand, dass sie gefällt werden müssen“, sind sie der Meinung.

„Einige kann man mit einem Verjüngungsschnitt noch retten“, sagt Rosemarie Zahn. Schließlich stehen sie dort schon etliche Jahre, blühen im Frühjahr, tragen Früchte und spendeten sogar im zurückliegendem Dürre-Sommer Schatten. Die ersten Bäume sind der Kettensäge bereits zum Opfer gefallen, viele weitere sind zur Abholzung genehmigt. Eine andere Alternative scheint wohl kaum mehr denkbar – die Verwaltungen haben entschieden.

„Das Dorf verliert sein Gesicht“

Noch im Frühsommer hieß es auf einer Bürgerversammlung zum Straßenausbau der Dorfstraße, dass die Birnenbäume stehen bleiben können, informieren die beiden engagierten Dorfbewohner, denn die Straße wird verschmälert und nicht verbreitert. Nun komme doch alles anders und das ohne Bürgerbeteiligung.

„Ohne die Bäume verliert das Dorf sein Gesicht“, betont Rosemarie Zahn. Aus ihrer Sicht denken die Verantwortlichen, dass sie machen können, was sie wollen. Sie gibt zu, dass einige Bäume alt, in einem schlechten Zustand und verschnitten sind, doch das betreffe längst nicht alle, die mit eine roten Punkt markiert sind.

Erste Bäume bereits zersägt

Bei einem Rundgang durch das Dorf zeigte Eckhard Kaleschke das bisherige Ausmaß. Große Bäume mit gewaltigen Stämmen liegen bereits zersägt am Straßenrand. Die Stämme zeigen keine Beschädigungen auf, das Holz hat eine klare Farbe, kein Baum ist hohl. Klar, dass im Winter keine Blätter blühen. Einige wenige, gibt er zu, können nicht mehr erhalten werden. Das sei aber nur die Ausnahme.

Als Ersatz soll es neue Pflanzen geben, die laut Landkreis einen stärkeren Heimatbezug als Birnenbäume haben sollen und so leichter uns besser zu pflegen sind. „Wird der nächste Sommer genauso so heiß und trocken wie es dieser war, werden die kleinen Bäume es mächtig schwer haben, Wurzeln zu schlagen“, kritisiert Rosemarie Zahn.

„Ich würde mich an den Baum anketten“

Ein Gutachter soll erst vor Kurzem auf den Erhaltungswert der aktuellen Birnenbäume aufmerksam gemacht haben, erzählen die beiden Dorfbewohner. Sie befürchten, dass es den Verantwortlichen in erster Linie nicht um den eigentlichen Erhaltungszustand, sondern um ein einheitliches Dorfbild mit weniger Laub und weniger Aufwand für die Pflege der Bäume geht.

„Ich würde mich sogar hergeben und mich an den Baum anketten, wenn ich sie dadurch erhalten kann“, sagt Rosemarie Zahn. Ihr tut es im Herzen weh, dass den Bäumen ihre Jahrzehnte alte Lebenskraft genommen wird. Erst durch die Baumaßnahmen an der Dorfstraße, die ohnehin von den beiden schon kritisiert werden, wurden die Verwaltungen auf den Zustand der Bäume aufmerksam.

Keine Rücksicht auf andere

„Wir sind nicht gegen den Ausbau, aber gegen die Art und Weise“, sagen sie. Vor den Fachwerkhäusern werde über mehreren Stunden mit der Vibrationsplatte gearbeitet. Durch den Schwerlastverkehr seien ohnehin schon Schäden an den Gebäuden zu verzeichnen. Nun kamen laut Eckhard Kaleschke weitere Risse auch an ihrem Eigenheim, das auf einer Lehmplatte steht, hinzu.

„Es wird keine Rücksicht genommen mit dem Leid anderer“, bemängelt er. Es wären auch andere Vorgehensweisen denkbar gewesen. Ihr Hof ist ein Baudenkmal, dass schon so schwierig zu erhalten sei und solch eine großen Baustelle und dementsprechend starke Vibrationen sich nicht gerade positiv darauf auswirken. Mit dem Verlust der zahlreichen Birnenbäume komme nun ein weiterer Verlust für das Dorfes, aber auch für die Bewohner und Häuser der gesamten Ortslage hinzu.

Von Marcus J. Pfeiffer

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