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Prignitz 770 Jahre: Dorfchronik mit liebevollem Blick
Lokales Prignitz 770 Jahre: Dorfchronik mit liebevollem Blick
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00:17 07.07.2016
Wilhelm Brockmann, wie er in den Ersten Weltkrieg zog. Das Büchlein enthält viele historische Aufnahmen der Jännersdorfer Familien. Quelle: Privat
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Jännersdorf

Mit Begeisterung hatte der Putlitzer Autor Olaf Waterstradt beim Fest zum 770-jährigen Bestehen von Jännersdorf eine Büttenrede gedichtet: „Mien Jännersdorf“ – eine richtige Ode an den Ort. Der Text findet sich auch in der Dorfchronik, die der Marienfließer Ortsteil jetzt ganz frisch herausgegeben hat. Waterstradt hat die redaktionelle Arbeit des Teams begleitet.

Viel Zeit hatten die vier Jännersdorfer und der Autor nicht für das Büchlein: „Ende Januar haben wir uns das erste Mal getroffen“, erinnert sich Waterstradt. Die Idee zur Chronik hatten die Mitglieder des Sport- und Kulturvereins Jännersdorf : „Das kam aus der Kulturgruppe, eigentlich wollten wir eine Festzeitung machen“, erzählt Dörthe Damke. Aber dann war bereits so viel Material zusammengetragen, dass das fünfköpfige Redaktionsteam sich entschied, einen Bildband zu machen. „Das hätte nie alles in eine Zeitung gepasst“, so Olaf Waterstradt.

Das Team mit Chronik und Collage: Annett Becken, Dörthe Damke, Olaf Water­stradt, Roswitha Wilke, Ingo Brockmann (v.l.). Quelle: Beate Vogel

Arbeit gab es in der Kürze der Zeit genug: Die Fünf gingen im Dorf von Tür zu Tür, fragten die Leute nach Fotos und alten Geschichten, an die sie sich vielleicht noch erinnern. „Wir haben richtige Interviews geführt“, berichtet Dörthe Damke. Der ganze Ort habe Anteil genommen an dem Projekt. „Wir haben uns mit vielen Dorfbewohnern getroffen, die alle in ihren Schränken gewühlt haben“, beschreibt Ingo Brockmann die Arbeit des Teams.

Ingo Brockmann, dessen Urgroßvater Wilhelm Brockmann auf Seite 22 in der Soldatenuniform des Ersten Weltkriegs zu sehen ist, hat einen Text mit eigenen Erinnerungen verfasst: „Das ist mir sehr schwer gefallen, es sind auch die Erinnerungen meiner Eltern und Großeltern.“ Diese Geschichten seien keine wissenschaftlichen Abhandlungen: Brockmann hat nicht nur vorhandene Quellen genutzt, um geschichtliche Daten aufzunehmen, sondern auch Überlieferungen und Erzählungen aufgeschrieben.

Im Dorfkonsum, den Roswitha Wilke (3.v.l, hinten) von 1983 bis 2000 führte, gab es nicht nur Brot und Butter, sondern auch Neuigkeiten. Quelle: privat

Demnach habe es zum Beispiel in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein „Innendorf“ und ein „Außendorf“ gegeben. Bis 1945 wurde in Jännersdorf vorwiegend Platt gesprochen. Brockmanns Ahnen lassen sich bis zum Dreißigjährigen Krieg in Jännersdorf – oder Janderstorp, wie es damals hieß – nachweisen, erzählt er nicht ohne Stolz. Drei seiner vier Urgroßväter sind in Stepenitz beigesetzt, wie es damals üblich war. Wenig sei über die Nachkriegszeit erzählt worden. „Der KZ-Todesmarsch wurde ja in Höhe des Jännersdorfer Friedhofes aufgelöst“, so Brockmann.

Viele lebendige Erinnerungen gibt es in der Chronik. Die historischen Bilder zeigen nicht nur Festlichkeiten wie Hochzeiten oder Einschulungen, sondern auch Alltagsszenen aus der Landwirtschaft oder dem Dorfleben. Die hat so mancher Dorfbewohner noch miterlebt. Ein Foto zeigt Hermann Blum mit Sohn Werner um 1920 in seiner Schmiede, ein anderes Turner Jonny Söhn, der Kunststücke auf dem Funkturm zeigt, der seit dem Krieg nicht mehr steht. Später finden sich Erinnerungen an die Feuerwehrtruppe, Dorffeste oder gemeinsame Ausflüge – zum Beispiel in den Spreewald.

2009 bekam die Freiwillige Feuerwehr Jännersdorf ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug. Quelle: privat

Klassenfotos, Omas Kuchenrezept für Käsetorte, Konsummarken – all das weckt nicht nur bei den Jännersdorfern Erinnerungen. Zu den Illustrationen zählen auch alte Führerscheine oder Dokumente, etwa über die Bildung eines „Gemeindeverbandes Meyenburg“ oder über die Abgaben für die Schule. Viele Anekdoten gab es auch aus dem Zusammenleben mit den Russen, erzählt Dörthe Damke,

Zum Dorfjubiläum 770 Jahre Jännersdorf hatte Olaf Waterstradt, der auch ein Vorwort geschrieben hat, sogar ein Grußwort von Ministerpräsident Dietmar Woidke organisiert, das vorn abgedruckt ist. Der Putlitzer Autor sieht sich in der Chronik „als moderierender Begleiter des Lesers“. Olaf Water­stradt zeigte sich nach dem Projekt beeindruckt vom Zusammenhalt und dem Engagement der Jännersdorfer: „Der Titel sagt alles: ’Unser Dorf lebt – 1246 – 2016 – 770 Jahre Jännersdorf’“. Sozusagen als Abfallprodukt beim Sammeln der historischen Fotos, Postkarten und Familienbilder entstand eine große Collage aus historischen Fotos, die Olaf Waterstradt den Jännersdorfern mit einer Widmung zur Jubiläumsfeier an Ortsbürgermeisterin Roswitha Wilke überreichte.

Finanziert hat das liebevoll gestaltete Büchlein der Sport- und Kulturverein, erläuterte Ortsbürgermeisterin Roswitha Wilke. 200 Stück sind zunächst gedruckt worden, die auf Anfrage unter Tel.  033989/4 00 49 (Anrufbeantworter) für 10 Euro käuflich erworben werden können.

Von Beate Vogel

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