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Prignitz A 14 – Kein Garant für Wachstum
Lokales Prignitz A 14 – Kein Garant für Wachstum
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19:55 10.04.2016
Verkehrsprofessor Matthias Gather in Wittenberge. Quelle: Jens Wegner
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Wittenberge

„Es gibt keinen statistischen Nachweis dafür, dass die Autobahn der lokalen Wirtschaft hilft. Wenn die A 14 kommt wird alles gut – dieses Argument gibt es nicht”, lautete das Fazit von Professor Matthias Gather nach seinem Vortrag über regionalwirtschaftliche Effekte des Fernstraßenbaus, am Freitag im kleinen Saal des Wittenberger Kulturhauses. Der Glaube sei da. Den Nachweis gäbe es nicht. Matthias Gather ist Professor für Verkehrspolitik und Raumplanung an der Fachhochschule Erfurt. Seit Jahren untersucht er das Thema möglicher wirtschaftlicher Effekte von Autobahnen. In Wittenberge informierte er über die Ergebnisse seiner neuesten Analysen, die sich mit regionalwirtschaftlichen Effekten von Autobahnen beschäftigen. „Die Politik schaut nicht gern, was es gebracht hat. Deshalb haben wir es gemacht”, sagte er. Der Wittenberger Stadtverordnete Frank Heinke hatte zu dieser Infoveranstaltung eingeladen. Rund 50 Interessierte kamen. An Fallbeispielen und Zahlen zeigte er den entstandenen Nutzen bereits gebauter Autobahnen. Die entstandenen Baukosten wichen zwischen minus vier und plus 163 Prozent vom Plan ab. Die tatsächlich entstandene Verkehrsnachfrage ergab eine Differenz zwischen minus 8 und minus 61 Prozent gegenüber der Erwartung.

Stark verringertes Kosten-Nutzen-Verhältnis

„Das bedeutet eine derartige Verringerung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses, unter dessen Bedingungen so manche Autobahn nicht gebaut werden würde”, erklärte er. Übertragen auf die A 14 bedeutet der Autobahnbau etwa ein Reisegewinn von fünf bis 20 Minuten im Pkw-Verkehr nach Hamburg, Schwerin und Magdeburg, aber nur marginale Gewinne im Straßengüterverkehr. Für die lokale Wirtschaft bedeutet die Autobahn mittelfristig einen positiven Einfluss auf die Nachfrage nach verkehrsaffinen Gewerbeflächen. Wettbewerbsfähige Unternehmen können profitieren, andere werden tendenziell verlieren. „Die Wirkung von Autobahnen darf man nicht unterschätzen. Man darf aber auch keine Wunder erwarten”, gab er zu bedenken.

„Autobahnferne muss kein Makel sein. Man muss sich fragen, ob groß dimensionierte Verkehrsinfrastrukturen zum regionalen Leitbild passen. Als ich herkam war ich von der Ruhe hier begeistert. Sie müssen entscheiden, was Sie wollen”, sagte er abschließend. In der anschließenden Diskussion gab es unterschiedliche Meinungen. „Wir brauchen die Autobahn”, urteilte der Wittenberger Thomas Gregor. „Die A 14 ist ein ganz wichtiges Projekt für unsere Wirtschaft.” Achim Heinke aus Bentwisch zeigte sich entsetzt über den Preis, den man ihm für sein Land angeboten hätte, auf dem die Autobahntrasse entlangführen soll. „50 Cent pro Quadratmeter – das ist eine Frechheit. Und wenn ich nicht mitmache wird mit Enteignung gedroht”, sagte er entrüstete. Gather warnte davor zu sagen, man brauche die Autobahn. Der Preis dafür könne tatsächlich die Enteignung sein. „Es ist erschreckend, wie sich unsere Erfahrung mit ihren Ausführungen deckt”, sagte Helfried Schreiber, Handwerker und Landwirt aus dem Karstädter Ortsteil Boberow.

Die A 14 in der Prignitz. Quelle: Jens Wegner

Kurze Wege dauerten durch die nun komplizierteren Kreisverkehre länger. Seine landwirtschaftliche Flächen seien durch die Autobahn durchschnitten. Teils habe er sogar keine Zufahrt mehr zu seinen Flächen. Professor Gather bestätigte ihm, dass er zu den Verlierern der Autobahn gehöre. „Beim Bau der Autobahn gibt es immer positive und negative Seite”, sagte Wittenberges Stadtoberhaupt Oliver Hermann. Aus seiner Sicht werde die A 14 kommen. Nun gehe es darum, wie sie ausgeführt werde. „Es ist wichtig, die Planung öffentlich zu machen. Probleme können vorgebracht und die Planungsbehörde damit konfrontiert werden.” Auch auf menschliche Belange werde man Rücksicht nehmen und die Ausformung der Autobahn beeinflussen. Peter Awe wünschte sich, dass mehr nach Kompromissen gesucht werde. „Karstädt ist ein Beispiel für das Erwachen danach”, meinte Evelina Boué aus dem Karstädter Ortsteil Stavenow. „Wittenberge ist eine wunderbare Stadt. Die schöne Aussicht auf die Elbe wird es nach dem Autobahnbau nicht mehr geben. Ein meterhoher Wall wird sich über die Elbe spannen”, sagte sie und bat den Bürgermeister inständig, darüber nachzudenken. Für Faktoren wie den Tourismus und die Gastronomie zu stärken, sprach sich ein Wittenberger Gymnasiast aus. „Vielleicht ist es besser, in Bildung zu investieren und in Wittenberge eine Uni oder eine Fachhochschule zu bauen”, sagte er und erntete dafür reichlich Zustimmung beim Publikum.

Von Jens Wegner

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