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Prignitz „Absurde Isolation“ im Plattenbau
Lokales Prignitz „Absurde Isolation“ im Plattenbau
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08:31 10.04.2017
Maskenbildnerin Lisa Streblau schminkt den Hauptdarsteller des Studentenfilms , Friedhelm Ptok, in der Maske für die nächste Szene. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Die Wohnung ist kaum wiederzuerkennen. In den wenigen Quadtatmetern Pritzwalker Plattenbau haben die Studenten von der Filmuni Babelsberg eine dunkle 1970er Jahre-Bude verwandelt. Es ist die Kulisse für den Film von Regisseur Ali Tamim und seinen Kommilitonen von der Filmuni Babelsberg. Hauptdarsteller Friedhelm Ptok ist gerade in der Maske, den Szenenwechsel vorzubereiten, dauert noch ein wenig.

Überlebenskampf nach einem Unfall im Bad

Erzählt wird die Geschichte eines alten Mannes, der völlig vereinsamt in seiner Wohnung lebt und eines Morgens im Bad schwer stürzt. Als er erwacht, ist er von der Brust abwärts gelähmt und kämpft um sein Leben.

„Die Leute wohnen neben- und übereinander gestapelt“

Wie ist Ali Tamim, der 29-jährige Regiestudent auf dieses Thema gekommen? „Ich habe mich mit einem Freund unterhalten, der mir eine ähnliche Geschichte so nebenbei erzählt hat“, sagt Ali Tamim. „Zuhause habe ich darüber nachgegrübelt und die Idee nur eine Sekunde weitergedacht. „Was ist, wenn der Mann weiß, dass es zu Ende geht und sich fragt: was ist noch wichtig?“ Und wie kam er darauf, die Geschichte in einem Plattenbau anzusiedeln? „Ich habe mich gefragt, wo die Isolation gleichzeitig am absurdesten und am größten ist“, sagt der Regisseur. Genau das findet er im Plattenbau. „Die Leute wohnen neben- und überein­ander gestapelt, dicht an dicht, Wand an Wand. Und trotzdem achten sie nicht aufeinander und wollen am liebsten für sich sein. Daher muss der Film in einem Plattenbau spielen.“

Geschichte könnte in jeder Großstadt spielen

Er möchte mit dem Werk ausdrücklich keine Gesellschaftskritik üben, und doch wird gerade die Vereinsamung angeprangert. Der „(namenlose) Alte, der dem Film auch den vorläufigen Titel gibt, hat sich möglicherweise selbst in die Isolation begeben, möglicherweise wurde er auch da hinein gedrängt. Ist die Geschichte typisch deutsch, weil die Gesellschaft ausein­anderdriftet und der Halt und die Bindungen verschwinden? „Nein“, sagt Ali Tamim überzeugt. „Die kann überall auf der Welt spielen, in jeder Großstadt.“ Er selbst kennt genügend Menschen in Berlin, die aus den zentraleren Stadtteilen an den Rand gedrängt werden, weil sei die Miete nicht mehr bezahlen können. Damit entfernen sie sich nicht nur vom Zentrum, sondern auch von der Mitte der Gesellschaft.

Nachbarn fragten, wo die Küche hin ist

Ein Beispiel dafür, wie sehr die Lebensverhältnisse die Menschen prägen hat ihn sehr beeindruckt. „Nachbarn haben sich die Wohnung angesehen, nachdem wir zwei Wände herausgenommen hatten“, sagt der Regisseur. „Die kennen den Grundriss genau. Als sie sahen, was wir aus der Wohnung gemacht haben, die sie so gut kennen, waren sie richtig erschrocken. ’Wo ist denn die Küche?’ haben sie gefragt.“

Großen Respekt vor dem Hauptdarsteller

Produktionsleiter Fridolin Lehmann kommt herein, die beiden treffen Absprachen für den weiteren Ablauf. Friedhelm Ptok wird von Maskenbildnerin Lisa Streblau so zurechtgemacht, wie es die nächste Szene erfordert. „Wir hatten mehrere Wunschkandidaten auf der Liste“, sagt Ali Tamim. Aber viele von den Schauspielern, die wir angefragt haben, waren zu eitel, um mit Studenten zu drehen. Ich wollte dann unbedingt Friedhelm Ptok haben. Der Mann hat an allen großen Bühnen dieses Landes gespielt. Er ist sehr offen, neugierig, und professionell. Ich habe großen Respekt vor ihm.“

Arbeit mit Jungs und Mädchen ist interessant

Dem so Gelobten sind die Strapazen des Drehs neben der kalten Wane nicht anzusehen. Er findet die Zusammenarbeit mit „diesen Jungen und Mädchen sehr interessant“ wie er sagt. Die Kulissenabteilung lässt unterdessen Äpfel und anderes Obst künstlich schimmeln. Sie rauen Stoff auf, um ihn schäbiger aussehen zu lassen und füllen dunkle Flüssigkeiten in Glasbehälter.

Im Herbst soll der Film fertig sein

Der Film soll im Herbst fertig sein. Zunächst muss er auf Festivals gezeigt werden, „Aber irgendwann werden wir ihn auch in Pritzwalk zeigen“, verspricht Fridolin Lehmann. Die Stadtwerke haben bereits Interesse gezeigt.

Von Andreas König

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