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Ackerland in der Prignitz wird immer teurer

Perleberg Ackerland in der Prignitz wird immer teurer

Beim Landkauf werden Prignitzer Landwirte immer häufiger ausgestochen, weil sie bei den Preisen auswärtiger Bieter nicht mithalten können. Oft sind es Investoren, die keinerlei Beziehung zur Landwirtschaft haben, die zum Zuge kommen. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich der Hektarpreis mehr als verdoppelt.

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Landwirte müssen beim Landerwerb immer häufiger mit Kapitalgesellschaften und Energieunternehmen kämpfen.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Beim Preis für Ackerland in der Prignitz scheint es nur eine Richtung zu geben – er geht steil nach oben. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Hektarpreis mehr als verdoppelt. Lothar Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in der Prignitz, nennt in einem Gespräch die Fakten. „2010 wurden für einen Hektar im Durchschnitt 4 648 Euro gezahlt. 2015 mussten die Käufer im Durchschnitt schon 11 385 Euro aufbringen.“

Diese Zahlen sind keine theoretischen Werte, sondern sie ergeben sich aus den tatsächlichen Landverkäufen in der Prignitz. Der Gutachterausschuss in der Kreisverwaltung wertet alljährlich die notariell beurkundeten Kaufverträge aus. Danach wurden 2010 im Landkreis 3507 Hektar veräußert, wobei ein Gesamterlös von 16,3 Millionen Euro erzielt wurde. Fünf Jahre später – die letzte aktuelle Auswertung liegt für 2015 vor – kam es zum Verkauf von 3 250 Hektar, für die die Käufer schon 37 Millionen Euro hinblättern mussten. Damit wurden landwirtschaftliche Flächen – also Acker und Grünland – beinahe in der gleichen Größenordnung verkauft, nur mussten die Käufer dafür über 20 Millionen Euro mehr als fünf Jahre zuvor zahlen.

Bodenkäufe als Kapitalanlage

Zu den Gründen erklärt Lothar Pawlowski, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt ist: „Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt befeuern den Kauf von Ackerflächen.“ Das heißt im Klartext: auch Investoren, die keinerlei Beziehung zur Landwirtschaft haben, interessieren sich für Ackerflächen, weil sie in den Bodenaufkäufen eine günstigere Kapitalanlage sehen, als etwa am Aktienmarkt. So gibt es sogar Brillenhersteller, die sich auf einmal eine Agrarsparte zulegen. Es geht um eine reine Geldanlage.

Lothar Pawlowski sieht die landwirtschaftliche Tätigkeit zunehmend erschwert

Lothar Pawlowski sieht die landwirtschaftliche Tätigkeit zunehmend erschwert.

Quelle: Michael Besskow

Doch auch aus der Energiewirtschaft dringen Unternehmen in den Markt ein. So werden gezielt Flächen erworben, um darauf Windkraft- oder Photovoltaikanlagen zu errichten. Für den Bau von Biogasanlagen werden Flächen benötigt und auch für den Anbau der dafür benötigten Rohstoffe.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes schlüsselt einmal die Flächenaufkäufe für 2015 auf. „Prignitzer Käufer erwarben 1 395 Hektar. In den Besitz auswärtiger Käufer gingen 1865 Hektar über.“ Danach erwarben Landwirte aus der Prignitz nur 42,6 Prozent, der angebotenen Flächen. 57,4 Prozent der Böden kauften in der Prignitz nicht ansässige Unternehmen. Bei den Verkäufen stachen sie die hiesigen Bieter aus, in dem sie deutlich höhere Gebote abgaben. Prignitzer Käufer erwarben den Hektar im Durchschnitt für 9 386 Euro, auswärtige Käufer zahlten mit 12 870 Euro je Hektar deutlich höhere Preise. „Bei solchen Preisen können unsere Landwirte nicht mehr mithalten“, erklärt Lothar Pawlowski.

Höhere Pachtzinsen sind die Folge

Die Folge ist, dass die Flächen für Prignitzer Landwirte knapp werden. „Flächenzukäufe und damit die Tätigkeit von Landwirtschaftsunternehmen werden erschwert“, erklärt Lothar Pawlowski. Ganz besonders betroffen sind Existenzgründer. Eine Finanzierung von derart teuren Böden durch Banken wird zu einem Problem.

Die Auswirkungen des Preisanstiegs bekommen alle Landwirte zu spüren. „Die höheren Bodenpreise ziehen einen höheren Pachtzins nach sich“, beschreibt Lothar Pawlowski die Folgeerscheinung. Die Landwirtschaftsbetriebe, die ohnehin unter geringen Erzeugerpreisen insbesondere bei der Milch leiden, geraten unter einen zusätzlichen Kostendruck.

Um der Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen einen Riegel vorzuschieben, bestehen bestimmte Einschränkungen für Käufer. „Der Landkreis muss eine Genehmigung erteilen. Er kann sie aber auch versagen“, erklärt Heidrun Seyer, Sachbereichsleiterin Landwirtschaft. Nach dem Grundstücksverkehrsgesetz müssen Notare alle Grundstücksverkäufe melden. Bei landwirtschaftlichen Flächen wird geprüft, ob es sich bei dem Käufer um einen Landwirt oder ein landwirtschaftliches Unternehmen handelt. Sie sind mit einer bundesweit einheitlichen Registriernummer erfasst. „Um eine solche Registrierung zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein“, erklärt die Sachbereichsleiterin. Werden landwirtschaftliche Flächen veräußert, haben Landwirtschaftsunternehmen immer ein Vorkaufsrecht. Will ein Nicht-Landwirt einen Acker erwerben, prüft die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, die auch für das Land Brandenburg tätig ist, ob ein Vorkaufsrecht besteht. Ist dies der Fall, wird der Kauf versagt. Nicht selten werden dann Widerspruch und Klage vom Käufer eingelegt.

Landwirte kritisieren, dass Investoren oft nicht selbst in Erscheinung treten, sondern Strohmänner oder eigens für den Landaufkauf gegründete Agrargesellschaften. Ein Ende der Preissteigerung für landwirtschaftliche Flächen in der Prignitz ist jedenfalls nicht absehbar.

Von Michael Beeskow

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