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„Action und Klamauk liefen immer gut“

Zukunft des Autokinos Zempow ungewiss „Action und Klamauk liefen immer gut“

„Früher war hier die Hölle los“, blickt Zempows Autokinobetreiber Claus Neumann zurück. Doch ob das einzige Autokino der ehemaligen DDR im kommenden Jahr noch seinen 40. Geburtstag erleben wird, ist fraglich. Denn nicht nur der Besucherzustrom ist mit den Jahren abgeflacht, auch Neumanns Pachtvertrag läuft 2017 aus – mit wenig Chancen auf Verlängerung.

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Mithilfe dieses 60 Jahre alten Magirus-Deutz-Feuerwehrautos rücken Neumann und sein Sohn Bränden im Gehölz zu Leibe.

Quelle: Christian Bark

Zempow. Fast vier Jahrzehnte ist es her, als den Zempowern 1977 ein mobiles Freilichtkino von der Bezirksfilmdirektion Potsdam gewährt wurde. Das war damals kaum auf dem Dorfspielplatz aufgebaut, schon prasselte der Regen nieder. „Die Leute setzen sich in ihre Autos und fuhren so dicht wie möglich an die Leinwand“, erinnert sich Claus Neumann, der das heutige Autokino in Zempow betreibt. Die Szene habe sich dann noch mal wiederholt, bis man sich dazu entschied, das Freilichtkino für die Autos auf das Gelände einer ehemaligen Hühnerfarm zu verlegen, wo es fortan offiziell „Kino auf Rädern“ hieß. „Autokino war den Genossen zu amerikanisch“, erklärt Neumann. Doch durch einen Schreibfehler der Behörden habe sich der Name „Autokino“ schlagartig in Zempow etabliert und in der gesamten DDR herumgesprochen.

 Das Filmangebot ist übersichtlich

Das Filmangebot ist übersichtlich.

Quelle: Christian Bark

„Früher war hier die Hölle los“, blickt Neumann, der damals schon Filme im Auftrag der Dienststelle auf dem Gelände vorführte, zurück. Das Publikum kam aus der gesamten DDR und brachte sogar Westbesuch mit. „Da standen Trabi und Mercedes Seite an Seite“, so der 72-Jährige. Gezeigt wurden viele Genres, besonders gerne aber Filme mit Louis de Funès, Bud Spencer oder auch Mitte der 80er „Otto – Der Film“, der besonders gut besucht gewesen sei. „Action und Klamauk liefen immer gut“, erklärt Neumann. Manche Filme seien sogar bevorzugt im Autokino gezeigt worden.

Nach der Wende hatte Neumann das Kino dann übernommen und Mitte der 90er Jahre die Tonwiedergabe über eine Radiofrequenz geregelt. „Damit war es nicht mehr so laut für die Anwohner“, sagt er. Trotz technischer Neuerungen waren die Zeiten, wo bis zu 250 Fahrzeuge auf dem Gelände dicht an dicht gedrängt standen jedoch vorbei. An machen Abenden seien nur vier Autos gekommen, aber während der Sommerferien laufe es ganz gut für Neumann, der das Kino mittlerweile gemeinsam mit seinem Sohn Mike betreibt. Im Imbiss ist Neumanns Frau tätig.

Das Autokino Zempow


Seit 1977
gibt es in Zempow „Kino auf Rädern“. Es war das einzige Autokino der DDR. 250 Fahrzeuge finden Platz.

Zwischen April und Oktober hat das Kino donnerstags bis sonntags ab 18 Uhr geöffnet. Vom 16. Juli bis Anfang September dann jeden Tag außer mittwochs.

Der Thriller „The Revenant“ läuft noch bis Sonntag. Ab Donnerstag, 16. Juni, wird dann „Gänsehaut“ gezeigt.

Alte Filmklassiker kann Claus Neumann nach wie vor mit seiner Technik abspielen, neue digitale Filme jedoch nicht. „Mit unserem großen Beamer können wir aber zumindest relativ aktuelle Filme auf Blue-ray-Discs auf die Leinwand projezieren“, so Neumann. Lange Zeit war ungewiss, ob Neumann und sein Sohn das Kino weiter betreiben werden. Im MAZ-Gespräch kündigte er an, dass sein Sohn Interesse bekunde – allein, der Pachtvertrag läuft 2017 aus.

 DEFA-Klassiker spielt Claus Neumann mit alter Technik ab

DEFA-Klassiker spielt Claus Neumann mit alter Technik ab.

Quelle: Christian Bark

Neumann hatte in den 90ern nämlich nicht den Grund und Boden gekauft. Der ging vor sechs Jahren durch Kauf in den Besitz des Landwirts Wilhelm Schäkel über. „Ich hatte eigentlich das Vorkaufsrecht“, moniert Neumann. Doch niemand habe ihn über den Verkauf informiert. Stimmt alles nicht, heißt es dagegen von Schäkel. Er habe Neumann sehr wohl über sein Vorhaben informiert, der hätte jedoch kein Interesse gehabt, in den Verkaufsprozess einzusteigen. Abgesehen davon hätte die Vorbesitzerin Neumann mehrfach Kaufmöglichkeiten offeriert.

 Dank Beamer können auch Filme auf Blue-ray-Discs gezeigt werden

Dank Beamer können auch Filme auf Blue-ray-Discs gezeigt werden.

Quelle: Christian Bark

Zuletzt habe Neumann bei Schäkel wegen mehrfach nicht bezahlter Pacht tief in der Kreide gestanden. „Neulich hat er aber wieder gezahlt“, sagt Schäkel und rügt die Unverlässlichkeit des Kinobetreibers. Auch jetzt noch würde er Neumann das Gelände verkaufen, ihn auch an den Aktivitäten des Autokino-Kulturvereins teilhaben lassen. Doch die Gestaltungsideen des Vereins, in dem Schäkel und Neumann gleichermaßen Mitglied sind, stoßen beim Kinobetreiber selten auf Zustimmung. „Ich trete eh bald aus dem Verein aus“, kündigt Neumann an. „Es ist eigentlich Schade“, findet auch Wilhelm Schäkel. Jeder wolle, dass das Kino weiterbesteht, aber ein Zusammenkommen sei aufgrund jahrelanger Differenzen schwieriger geworden. Allerdings will Neumann eine juristische Prüfung in die Hände seines Anwalts legen, was Wilhelm Schäkel begrüßt. „Vielleicht werden wir uns auch außergerichtlich einig“, hofft Neumann.

Von Christian Bark

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