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Adliger spricht von Attentat auf den Glauben

Marienfließ Adliger spricht von Attentat auf den Glauben

Zwar war im Kloster Marienfließ bereits ab 1544 ein protestantischer Pfarrer tätig, doch so recht anfreunden wollten sich die Nonnen mit der neuen Glaubenslehre nicht. Dass sie stillschweigend ihren alten Traditionen folgten, erregte das Missfallen der Grundherren.

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Nur die Kirche blieb bei der Verwüstung des Klosters im 30-jährigen Krieg vom früheren Zisterzienserkloster übrig.

Quelle: Claudia Bihler

Stepenitz. Das Wappen der Familie ist in der Kirche des ehemaligen Klosters Marienfließ in leuchtenden Farben an die Wand gemalt: Die Familie Gans zu Putlitz hatte 1231 das älteste Frauen-Zisterzienserkloster in der Mark gegründet, obwohl dem Frauenkloster Marienfließ offenbar die offizielle Zugehörigkeit zum Orden verwehrt geblieben ist. Auf alle Fälle aber lebten die Frauen im Kloster nach den strengen Regeln der Zisterzienser. Deren Begründer Bernhard von Clairvaux hatte sie definiert: Zwei Mal am Tag wurden die Nonnen zur Messe gerufen, sie lebten streng abgeschieden von der Welt, bei Außenkontakten wurden sie von einem Probst vertreten, weil sie sich zum Rückzug aus der Welt ebenso verpflichtet hatten, wie zur Armut und der Gottesliebe als höchstem Ziel.

Blutreliquie sollte Wallfahrt ankurbeln

Offensichtlich war das Kloster Marienfließ vor dem Hintergrund von Grenzstreitigkeiten mit den mecklenburgischen Nachbarn gegründet worden. Die Männer-Zisterzen wurden überwiegend als Tochterklöster des französischen Mutterklosters in Clairvaux begründet. Sie trugen wesentlich dazu bei, bis dahin unzugängliche Regionen zu besiedeln und nutzbar zu machen. Die Frauenklöster wiederum waren dagegen meist Gründungen regionaler Adelsfamilien in bereits besiedelten Gebieten. Weil die Klosterländereien einen besonderen Schutz genossen und damit unverletzlich waren, wird heute davon ausgegangen, dass dies auch bei Marienfließ der Fall war.

Das Wappen der Gründerfamilie Gans Edle zu Putlitz

Das Wappen der Gründerfamilie Gans Edle zu Putlitz.

Quelle: Claudia Bihler

Mehrfach war versucht worden, auch in Stepenitz eine Wallfahrt in Gang zu bringen: Die Gründungslegende besagt, dass eine Blutreliquie mit einigen Tropfen des Blutes Palästina nach Marienfließ gelangte, die Christus am Kreuz verloren hatte. Allerdings wurde diese Legende erst viele Jahre nach der Klostergründung in Umlauf gebracht, so dass beispielsweise der Historiker Clemens Bergstedt in seiner Geschichte des Klosters davon ausging, dass die Verbreitung der Legende eine Reaktion auf die aufflammende Wallfahrt im nahen, aber später begründeten Kloster Heiligengrabe war.

Nonnen sträubten sich gegen neue Glaubenslehre

Dennoch erwarb sich das Kloster mit der Zeit großen Reichtum durch eigene Käufe und durch Schenkungen, zu denen nach den früheren Grenzauseinandersetzungen sogar die Grafen von Schwerin und die Fürsten von Werle aus Ludwigslust beitrugen: So gehörten 21 Dörfer und mehrere Mühlen zum Kloster sowie viele Hufen Land. Die hart arbeitenden Nonnen konnten 1405 sogar Kaspar Gans zu Putlitz bei Mecklenburger Herzögen gegen eine Geldzahlung auslösen.

Blick in den Altarraum der Marienfließer Kirche

Blick in den Altarraum der Marienfließer Kirche.

Quelle: Claudia Bihler

In die Reformation ging das Kloster so mit einem beträchtlichen Reichtum. Zwar gehörte das Kloster zum Bistum Havelberg, dessen Bischöfe sich lange gegen die Einführung von Luthers Lehre gewehrt hatten. Und auch die Nonnen im Kloster sträubten sich gegen die neue Glaubenslehre. Dennoch wurde im Jahr 1544 der erste lutherische Pfarrer nach Marienfließ berufen, das Kloster wurde zum Kloster Stift umgewandelt. Durch die Säkularisierung fiel der größte Besitz der Frauen an den chronisch finanzschwachen Kurfürsten Joachim II., der es jedoch nur wenig später an die Familie Gans wieder verpfändete – und niemals auslöste.

Stift blieb erhalten, weil es der Adel brauchte

Über die Rechte am Klostereigentum – wie etwa Weiden- und Holzrechte – wurde lange verhandelt: Die Frauen verloren die meisten Besitzungen, behielten nur einige Rechte, mussten aber die Autorität der Gänse über das Stift anerkennen. Ihrem Glauben blieben die Nonnen noch lange treu. Sie ließen sich von Priestern aus Mecklenburg die Sakramente geben und führten katholische Gesänge wieder ein. 1678 fühlte sich Hans Albrecht Gans zu Putlitz genötigt, die Kirchenbehörden zu bitten, sich „dieses strafbaren attentati gebührlich anzusehen“.

Viele Klöster waren ersatzlos aufgelöst worden. Marienfließ konnte als Stift wohl auch deshalb weiter existieren, weil der märkische Adel seine unverheirateten Töchter in die Obhut des Klosters gab. Im 30-jährigen Krieg mussten die Frauen das Kloster verlassen, nachdem plündernde Heere es niedergebrannt hatten.

Der Konvent kehrte bereits 1650 zurück und baute neue Klostergebäude wieder auf – in einem freundlicheren Stil, als ihn der zisterziensische Stil vorgeschrieben hatte.

Von Claudia Bihler

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