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Ärztin schließt zweite Hausarztpraxis

Meyenburg Ärztin schließt zweite Hausarztpraxis

Die Pritzwalker Hausärztin Sabine Harwig will ihre Zweigstelle in Meyenburg zum 31. März schließen. Der Aufwand sei zu groß, sagt die Fachärztin für Innere Medizin. Die Kommune bemüht sich derweil um eine Lösung, damit den Patienten lange Wege erspart bleiben. Die ist in Sicht: über das Kreiskrankenhaus Prignitz.

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Im Versorgungsbereich Pritzwalk-Wittstock fehlen laut Kassenärztlicher Vereinigung aktuell vier Allgemeinmediziner.

Quelle: DPA

Meyenburg. Die Pritzwalker Allgemeinmedizinerin Sabine Harwig wird zum 31. März ihre Außenstelle in der Mittelstraße 15 in Meyenburg schließen. Darüber informierte Meyenburgs Amtsdirektor Matthias Habermann. „Sie hat persönliche Gründe dafür angegeben“, so der Amtsdirektor. Erfahren habe die Amtsverwaltung von der anstehenden Praxisschließung Ende vergangenen Jahres von Patienten. Nach intensiven Bemühungen der Meyenburger zeichnet sich aber für die hausärztliche Versorgung in der Stadt eine Perspektive ab.

„Wir haben das Gespräch mit der Ärztin gesucht und erreicht, dass sie die Praxis nicht wie geplant zum Jahresende, sondern erst zum 31. März dieses Jahres schließt“, berichtete Habermann. Die Amtsverwaltung habe gemeinsam mit dem Bürgermeister der Stadt sofort Gespräche mit den umliegenden Ärzten und Krankenhäusern gesucht. „Unter anderem haben wir mit dem Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses (KKH) Prignitz, Karsten Krüger, geredet.“ Dieser habe sich laut Habermann interessiert gezeigt, eine Ärztin oder einen Arzt für den ambulanten Bereich nach Meyenburg zu bekommen. „Das wird aber sicher erst im dritten Quartal dieses Jahres etwas werden“, mutmaßte der Amtsdirektor.

Kreiskrankenhaus will die Lücke schließen

„Die Idee ist, dass wir aus unserer Tochtergesellschaft Gesundheitszentrum Wittenberge heraus versuchen, die Lücke zu schließen“, erklärte KKH-Geschäftsführer Karsten Krüger. Das sei schon einmal in Pritzwalk gelungen, als das KKH im Sommer 2014 mit der Eröffnung einer Facharztpraxis für Kinder- und Jugendmedizin einen akuten Missstand in der Kinderheilkunde geschlossen habe. „Das ist gut gelaufen.“ Auch die im April 2015 eröffnete Hautarztpraxis im Gesundheitszentrum in der Perleberger Straße in Wittenberge werde von den Patienten gut angenommen. Warum also solle es nicht auch im hausärztlichen Bereich gelingen, die Lücke zu schließen, wenn die Ärztin sich verabschiedet?

Das Gebiet ist akut unterversorgt

Die hausärztliche Versorgung in der Region ist nicht abgedeckt. So könnten rein rechnerisch im Versorgungsbereich Pritzwalk-Wittstock, zu dem auch Meyenburg gehört, knapp 30 Allgemeinmediziner eine Praxiszulassung über die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) erhalten. Dann läge der so genannte Versorgungsgrad bei den angestrebten 110 Prozent.

Aktuell sind für den Versorgungsbereich Pritz­walk-Wittstock aber nur 26 Hausärzte zugelassen. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 96,4 Prozent. Sie sind für knapp 44 000 Einwohner zuständig. Einige der Mediziner praktizieren noch, obwohl sie bereits im Rentenalter sind. Der Bereich ist also akut unterversorgt. Auskunft darüber gibt die KVBB auf ihrer Internetseite www.kvbb.de.

In Meyenburg gibt es seit Jahren eine Hausarztpraxis, in der Annekatrin Müller viele Patienten der Stadt und der Umgebung versorgt. Etliche Patienten fahren aber auch zum Hausarzt nach Pritz­walk, Putlitz, Berge oder Altenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

„Das große Thema ist die personelle Besetzung“, erläuterte Krüger. Das Kreiskrankenhaus selbst könne da „auf gerader Linie nicht helfen“, da es keine Allgemeinmediziner habe. Also sei das Unternehmen in die Personalwerbung gegangen. Seit etwa drei Wochen laufen laut Krüger über das Gesundheitszentrum Wittenberge die Ausschreibungen. Die Praxis in Meyenburg könnte dann später als Zweitpraxis laufen. „So ähnlich wie die Kinderarztpraxis in Pritzwalk.“ Da das Gesundheitszentrum als Unternehmen dahinter stehe, wäre es für die Ärztin oder den Arzt eine Angestelltentätigkeit. „Das könnte vor allem für Frauen attraktiv sein“,meine der Geschäftsführer. Wenn sich das Unternehmen in Meyenburg engagiere, werde das aber auf jeden Fall eine Vollzeitpraxis und „nicht nur für ein paar Tage in der Woche“.

Wann die Praxis wieder besetzt werden kann, hängt von den Bewerbungen ab. Die Kommune, die gemeinsam mit dem KKH Prignitz an einer Lösung arbeite, habe auch eine Partnerschaft angeboten, etwa bezüglich der Räumlichkeiten. Krüger lobte ausdrücklich das Engagement von Amtsdirektor Habermann.

Zuviel Aufwand für zu wenige Patienten

Für Sabine Harwig, die sich nach fünf Jahren nun aus der kleinen Stadt zurück zieht, sei der Aufwand, den sie in die Zweigstelle stecken musste, einfach zu groß, sagte sie auf Nachfrage. Mehrmals in der Woche – zeitweise auch jeden Tag – sei die 57-Jährige mit einer Schwester morgens von Pritzwalk nach Meyenburg gefahren und nach zwei Stunden in ihre Pritzwalker Praxis, um dort die Patienten zu versorgen. „Es waren nicht mehr als 250 Patienten pro Quartal, das lohnt sich nicht“, so ihre Einschätzung.

Die Praxis in Pritzwalk habe die Außenstelle Meyenburg mitfinanziert. Für den täglichen Betrieb müsse man nicht nur die Räume, sondern neben der Ärztin selbst auch zwei Schwestern bezahlen – eine am Empfang, eine für die Patienten. Auch der Steuerberater habe ihr von dem Modell inzwischen abgeraten. „Und nach fünf Jahren ist mir das körperlich auch zu anstrengend.“ Für ihre Patienten – auch die aus Meyenburg – sei sie weiterhin in Pritz­walk erreichbar. An der Praxis in der Mittelstraße 15 hängt seit einiger Zeit ein Zettel, der die Patienten darüber informiert, dass „vorübergehend wegen Krankheit des Personals“ geschlossen ist.

Von Beate Vogel

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