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Prignitz Afghanische Weihnachtswünsche
Lokales Prignitz Afghanische Weihnachtswünsche
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01:05 14.11.2014
Die afghanische Familie Mohandeszadeh hat jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung. Vater Nassar Ahmad, Tochter Maryam und Mutter Parvin wollen von Perleberg nach Wittenberge umziehen, haben dort aber noch keine Wohnung gefunden. Quelle: Andreas König
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Perleberg/Wittenberge

"Im Brief stand, wir sollen uns beim Landkreis Prignitz melden", berichtet Maryam Mohandeszadeh. Die 19-Jährige spricht schon recht gut deutsch. Das hilft ihren Eltern, wenn sie die immer noch fremde Sprache nicht verstehen.

Stolz holen die drei afghanischen Flüchtlinge ihre Bleiberechtskarten im Scheckkartenformat herbei. Sie sehen so ähnlich aus wie ein deutscher Personalausweis. Nur ein roter Balken im Dokumentenkopf und die Überschrift "Aufenthaltstitel" verraten, dass es eben doch kein normaler Ausweis ist. Deutsche Staatsbürger sind die Mohandeszadehs damit noch lange nicht, aber in den nächsten zwei Jahren haben sie die Gewissheit, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Sie unterliegen nicht mehr der sogenannten Residenzpflicht, und was noch viel wichtiger ist, sie dürfen arbeiten. "Wir haben uns wirklich sehr gefreut, als wir die ID-Cards bekamen", erzählt Maryam in einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

Doch jetzt kommen neue Probleme auf die Familie zu. Mohandeszadehs suchen eine Wohnung. Noch bis Ende des Monats können sie in einem Block in der Heinrich-Heine-Straße in Perleberg wohnen. Die Awo hat diese Unterkünfte gemietet, um Flüchtlinge und Asylbewerber unterzubringen. Familie Mohandeszadeh möchte nach Wittenberge ziehen. Nicht unbedingt, weil dort andere afghanische Familien wohnen, sondern weil Maryam ihr Abitur am Oberstufenzentrum Prignitz macht. Es wäre eine Erleichterung, am Schulort zu wohnen. Doch die Wohnungssuche ist schwierig. Die Familie möchte nicht unbedingt in einen Plattenbau ziehen, doch etwas anderes sei nicht zu bekommen, habe man ihr gesagt. "Aber wenn wir im Internet gucken, gibt es viele Wohnungen", erzählt Maryam.

Der Block, in dem die Mohandeszadehs noch wohnen, ist ein Durch- und Übergangsquartier, und das sieht man ihm auch an. Trotz des Ansatzes, die Asylbewerber dezentral unterzubringen, wohnen meist nur ausländische Familien in den Plattenbaublöcken. Die Zustände sind sicher nicht mit denen im einstigen Asylbewerberheim im Eichhölzer Weg zu vergleichen, aber man kann jeden verstehen, der dort weg möchte.

Während sich Maryam Mohandeszadeh auf ihre Schule konzentriert, träumt Vater Ahmad davon, den Führerschein zu machen. "Er will, dass ein Dolmetscher aus Berlin ihm alles übersetzt", sagt Maryam. In Afghanistan habe er den Führerschein gehabt, aber der sei bei der Flucht weggekommen, sagt er. Im Übrigen lege dort niemand Wert auf solche Dokumente. Die Familie benutzt wirklich das deutsche Wort "Führerschein". Genau wie "Jobcenter", "Sozialamt" oder eben das englische "ID-Card". Ob er den Erwerb des deutschen Führerscheins schafft, weiß er nicht, er hofft es aber inständig.

Bisher hat Ahmad, wann immer Not am Mann war, geholfen, das Leben der Flüchtlinge erträglicher zu gestalten. Er hat gefragt, ob er beim Verein "Evamigra" helfen kann, hat Vorhänge für ein Theaterstück genäht oder eine kleine Ausstellung seiner Fotos gezeigt. Sein liebstes Bild zeigt einen blau-gelben Vogel hinter einem Zaun. Der Vogel guckt ein wenig trotzig, die Gitterstäbe verschwimmen. Man könnte denken, es ist ein Gleichnis für den Freiheitswillen. Vielleicht liebt Ahmad auch nur Singvögel, denn im Wohnzimmer der Mohandeszadehs lebt ein Kanarienvogel.

Dass es in den letzten Wochen gerade in Ostdeutschland viel um Mauern, Stacheldraht und letztlich um Freiheit ging, blieb der Familie nicht verborgen. Eine friedliche Revolution, was halten sie davon? "Das ist etwas Positives", sagt Maryam. Sie informieren sich vor allem aus dem Satellitenfernsehen über das Weltgeschehen. Den Terror und das Morden des Islamischen Staates (IS) lehnt sie ab. "Das sind Terroristen, wir hassen diese", sagt Maryam. In ihrer Klasse werde nicht darüber geredet, erzählt sie.

Überhaupt versucht die Familie, sich so weit es irgend geht zu integrieren. Dass für den "Aufenthaltstitel" ein Stapel Formulare auszufüllen war, der so dick ist wie ein Prignitzer Telefonbuch, sei zwar ungewöhnlich, aber "wir leben in Deutschland, das sind die Regeln", wie Maryam sagt. Zudem helfen die Mitarbeiter der Behörden beim Ausfüllen.

Die jetzige Situation ist sicher besser als noch im Sommer. Damals warteten die Mohandeszadehs auf nichts sehnlicher als auf das Bleiberecht. Doch nun droht ihnen im schlimmsten Fall, dass sie kein Dach über dem Kopf haben. So schlimm wird es hoffentlich nicht werden. Wenn sie eine Wohnung haben, naht schon bald das Weihnachtsfest. Sie haben es trotz ihres muslimischen Glaubens schon im letzten Jahr mitgefeiert und wollen es wohl auch in diesem Jahr so handhaben. Was wünschen sie sich zu Weihnachten?

"Ich möchte meinen Schulabschluss schaffen und ein Studium beginnen", sagt Maryam, obwohl das noch etwas dauert, denn sie besucht gerade die elfte Klasse. Vater Ahmad möchte den "Führerschein", sagt er und bewegt beide Hände, als lenke er einen Wagen. Mutter Parvin möchte ein afghanisches Restaurant aufmachen, sagt sie und lächelt.

Für Ahmad, Parvin und Maryam steht fest, dass sie ihr neues Leben in Deutschland leben wollen. Zurück nach Afghanistan? Maryam schüttelt energisch den Kopf. "Nein", sagt sie. Dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit ansteigt, hat sie mitbekommen. Von den Anfeindungen, denen Ausländer immer wieder ausgesetzt sind, blieb sie zum Glück verschont.

Für die Familie ist Deutschland ein Neuanfang. Bis zu acht Jahre kann es dauern, ehe aus dem "Aufenthaltstitel" ein richtiger Pass wird.

Von Andreas König

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