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"Alles geht viel langsamer"

Ehrung für den Sadenbecker Parkinsonkranken Ingo Jeschke "Alles geht viel langsamer"

Obwohl Ingo Jeschke den Umgang mit Prominenten inzwischen fast gewöhnt ist, bleibt Aufregung vor großen Ereignissen nicht aus: Am Samstag fährt der Sadenbecker (Stadt Pritzwalk) zum Ehrenamtsempfang des brandenburgischen Bildungsministeriums - und anschließend zur Deutschen Parkinson Gala Tulip nach Blankenfelde-Mahlow.

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Ingo Jeschke arbeitet viel am Computer. Er organisiert Sponsoren, die bedürftige Einrichtungen unterstützen.

Quelle: Beate Vogel

Sadenbeck. Ministerin Martina Münch hat für Samstag neben Jeschke 64 ehrenamtlich Tätige aus den Bereichen Schule, Sport und Zivilgesellschaft in das Extavium im Filmpark Babelsberg in Potsdam eingeladen.

"Zum Glück hat mir ein Pritzwalker Autohaus für die Fahrt ein Auto zur Verfügung gestellt, in das auch mein Rolli passt", freut sich der 50-Jährige. Jeschke hat Parkinson. Weder kann er lange Strecken gehen, noch traut er es sich zu, allein Auto zu fahren. Am Samstag steuert deshalb Liane Mittag von der Selbsthilfegruppe Parkinson in Wittenberge das Auto durch die Landeshauptstadt. Nach dem Empfang im Filmpark wartet eine Benefizveranstaltung auf den Prignitzer: die Deutsche Parkinson Gala Tulip 2013 in Blankenfelde-Mahlow. Während am Nachmittag vor allem Staatsbedienstete und Abgeordnete mit den Ehrenamtlern plauschen, sind es dann Prominente wie Boxlegende Axel Schulz oder Topmodel Franziska Kuppe. Udo Lindenberg spendet ein selbst gemaltes Bild mit dem Titel "Hinterm Horizont", das zugunsten der Deutschen Parkinsonhilfe versteigert werden soll. Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, hat die Schirmherrschaft über die diesjährige Gala. Mit der Tulip 2013 soll die Entwicklung einer alternativen Bewegungstherapie für Parkinsonkranke in der Fachklinik Beelitz-Heilstätten unterstützt werden.

Die Spezialklinik ist auch für Ingo Jeschke eine Anlaufstelle. Seit die Krankheit vor zehn Jahren bei ihm diagnostiziert wurde, was mehrere Jahre dauerte, musste er sein Leben komplett umstellen. "Einfache Sachen sind kompliziert geworden, alles geht viel langsamer und man ist eher kaputt." Ein Spaziergang mit seiner Frau Carola zum Beispiel muss erst vorbereitet werden. Sie hilft ihm beim Anziehen und begleitet ihn, denn allein mag der 50-Jährige nicht mehr gehen. "Ich stürze oft." An Arbeiten ist nicht mehr zu denken. "Man darf gar nicht darüber nachdenken, dass man einmal der Ernährer der Familie war."

Morgens um 6 Uhr steht Jeschke üblicherweise auf, weil er lange braucht, um in die Gänge zu kommen: "Dann nehme ich die ersten Tabletten." Eine Stunde später folgt das nächste Medikament. Bis 8.30Uhr dauert es, bevor er richtig fit ist. Während seine Frau Carola zum Dienst geht, sitzt Jeschke dann vor allem am Computer. Weil er nachts schlecht schläft, muss er sich mittags wieder hinlegen.

Nicht nur die medizinischen Beschwerden machen laut Jeschke Parkinsonkranken zu schaffen ‒ auch die Seele leidet. Viele Betroffene ziehen sich zurück, fallen in ein Loch. Das ging auch Jeschke so. Inzwischen schöpft er viel Kraft und Zuversicht aus seinem Engagement für den Behindertensport, für die Parkinsonvereinigung, für Vereine und andere Institutionen (siehe Kasten). Von Sadenbeck aus organisiert er Spenden für bedürftige Einrichtungen in der Prignitz: Er stellt den Kontakt zwischen Bedürftigen und Spendern her. "Manchmal spenden wildfremde Leute oder Firmen", sagt er . Seit einiger Zeit lässt sich seine Arbeit auch auf der Homepage der Stadt Pritzwalk verfolgen.

Von Beate Vogel

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