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Prignitz Alter Schatzfund beschäftigt Denkmalpflege
Lokales Prignitz Alter Schatzfund beschäftigt Denkmalpflege
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00:19 08.01.2018
Blick auf Langnow aus östlicher Richtung. Der Hof von Familie Boddin befindet sich oberhalb des gelben Hauses links neben dem kleinen Kiefernwäldchen Quelle: André Reichel
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Langnow

Rainer Boddin aus Langnow erforscht seit vielen Jahren schon die Geschichte seines Heimatortes. Bis 1750 kann der Heimatforscher die Anwesenheit seiner Vorfahren im Dorf zurückverfolgen. „Mit Sicherheit haben sie auch schon vorher im Ort gelebt“, sagte Boddin. Wann seine Vorfahren genau zu Langnowern wurden, konnte Rainer Boddin jedoch nicht klären. Weil das Nachbardorf wie er auch Boddin heißt, mutmaßt der 70-jährige aber, dass seine Vorfahren im Mittelalter einst dort lebten und irgendwann mal nach Langnow umgezogen sind. Das ist alles viele Jahrhunderte her.

Ein wichtiger Punkt der jüngeren Geschichte des Dorfes Langnow ist die Entdeckung eines Münzschatzes im November 1952. Otto Boddin, der Vater des Orts-Chronisten, hatte damals auf seinem Hof beim Anlegen einer Kartoffelmiete einen Graben ausgehoben. Dabei fand Otto Boddin in rund 30 Zentimeter Tiefe rötlich glasierte Keramikscherben und zahlreiche Münzen. Insgesamt kamen 116 ganze, 18 halbe und zwei geviertelte Silberpfennige, auch Denare genannt, zu Tage. Von den 116 ganzen Pfennigen konnten später die Experten 113 Exemplare verschiedenen Münzprägestätten in der Mark Brandenburg zuordnen. Zwei Münzen stammen aus dem Fürstentum Sachsen-Anhalt und eine aus dem Herzogtum Pommern. Von den Brandenburgischen Münzen sind 24 Stücke mit Darstellungen der Söhne des askanischen Markgrafen Johann I. (1220 bis 1266) versehen. Viele Pfennigprägungen stammen von Johann II. (1266 bis 1282), Otto IV. (1238 bis 1309) und Konrad I. (1240 bis 1304). Fast alle dieser Silberpfennige wurden nachweislich in der Münzprägestätte Spandau geprägt. Einige Stücke wurden aber in Stendal und Brandenburg an der Havel hergestellt.

Rainer Boddin an der Stelle, wo einst der Münzschatz gefunden wurde. Quelle: André Reichel

All diese Forschungsergebnisse erfuhr Rainer Boddins Vater Otto erst viele Wochen später. Nach der Untersuchung im Berliner Münzkabinett kam der Silberschatz samt zusammengesetztem Gefäßrest wieder zurück in die Prignitz. Im Pritzwalker Heimatmuseum fand er einen würdigen Ausstellungsplatz.

Rainer Boddin, zur Zeit der Entdeckung des Schatzes fünf Jahre alt, erinnert sich noch gut daran, was sein Vater ihm über die Fundumstände später berichtete. Noch am selben Tag benachrichtigte Otto Boddin damals den in Langnow ansässigen Gemeindesekretär, der wiederum die zuständigen Behörden in Pritzwalk informierte. Nach damaliger Gesetzeslage hätte Otto Boddin alle von ihm gefundenen Silberpfennige ohne weiteres behalten dürfen. Er hatte jedoch ohne zu zögern auf jegliche Ansprüche zugunsten der Öffentlichkeit verzichtet. Das entsprechende Gesetz, das bis heute zur Abgabe von archäologischen Funden verpflichtet, wurde nämlich erst im Mai 1954 erlassen. „Ich bin stolz auf meinen Vater, weil er den Schatz nicht behalten hatte, sondern ins Museum brachte“, sagte Rainer Boddin.

Zwei der Münzen. Quelle: André Reichel

Fast jedes Jahr fuhr Familie Boddin fortan mindestens einmal im Jahr nach Pritzwalk, um sich im Museum den Münzschatz anzusehen. „Das mache ich auch heute noch mit meinen Enkeln so, um auch bei ihnen die Erinnerung daran wach zu halten“, berichtet Rainer Boddin.

Im Jahr 2012 feierte man in Langnow das 500-jährige Jubiläum der Ersterwähnung, wofür der Münzschatz für einen Tag an seinen Fundort zurückkehrte. Unlängst bekam Rainer Boddin Besuch von den Bodendenkmalpflegern Daniel Schlag und Manfred Teske. Im Auftrag des Landesamtes begaben sich die beiden am Fundort des Schatzes auf dem Hof der Familie Boddin auf Spurensuche. Eine erste Voruntersuchung ergab zwar keine weiteren Münzen, doch Daniel Schlag ist sich sicher, dass der größte Teil des Schatzes noch im Boden stecken kann und nennt dafür auch den Grund: „Ich entdeckte schon mehrere Münzschätze aus dieser Zeit und alle beinhalteten mindestens 500 Münzen“. Weitere archäologische Untersuchungen stehen also bald an.

Von André Reichel

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