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Altkreiskennzeichen sind gefragt

Wittstock Altkreiskennzeichen sind gefragt

Die Landkreise existieren seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, auf vielen Autokennzeichen bleiben sie jedoch lebendig. Seitdem es wieder möglich ist, sein Nummernschild mit Kürzeln der Altkreise Kyritz, Wittstock oder Neuruppin versehen zu lassen, nutzen das viele Lokalpatrioten. Außer die im Landkreis Prignitz – sie haben nach wie vor keine Wahlmöglichkeit.

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Vierfach Lokalpatriot: Manfred Schiewe hat auf seinem Kennzeichen zweimal Wittstock (WK) verewigen lassen. Jede eins steht zudem für ein WK, erklärt der Versicherungsmakler.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Als Manfred Schiewe im Februar 2015 für seinen neuen Renault ein Nummernschild besorgen musste, war für den überzeugten Wittstocker klar: Es muss WK, das Kennzeichen des bis 1993 existierenden Kreises Wittstock, sein. Damit nicht genug. Der 59-Jährige fügte hinter der Ortskennung dieselbe Kombination sowie die Ziffer 11 hinzu. „Jede Eins steht wieder für WK“, erklärt der Versicherungsmakler. Er sei eben Wittstocker und wolle das auch zeigen.

Ähnlich denken viele von Schiewes Kunden. Über die Hälfte von ihnen entscheide sich bei Neuzulassung für WK. „Einige haben auch einfach aus Lokalpatriotismus ihr Schild wechseln lassen“, fügt Manfred Schiewes Kollege Björn Schäfer hinzu. Das betreffe aber hauptsächlich die Wittstocker, kaum die Heiligengraber.

Sabine Stutzke (l) und Peggy Samusch geben neben OPR- vor allem WK-Kennzeichen aus

Sabine Stutzke (l.) und Peggy Samusch geben neben OPR- vor allem WK-Kennzeichen aus.

Quelle: Christian Bark

Das Beispiel lässt sich gut an Sabine Stutzke und Peggy Samusch, zwei Mitarbeiterinnen in der neuen Wittstocker Zulassungsstelle festmachen. Während die Wittstockerin Peggy Samusch sich demnächst WK aufs Nummernschild pressen lassen möchte, bevorzugt die in Blumenthal (Heiligengrabe) wohnhafte Sabine Stutzke ihr OPR-Kennzeichen.

Die seit November 2016 in der Dossestadt arbeitende Zulassungsstelle hat nach Einschätzung der Mitarbeiterinnen und des Wittstocker Stadtsprechers Jean Dibbert dazu beigetragen, dass sich Fahrzeughalter vermehrt Altkreiskennzeichen ausstellen lassen – vornehmlich bei Neuzulassungen. Neben WK gibt die Zulassungsstelle gelegentlich auch NP (Altkreis Neuruppin) oder KY (Altkreis Kyritz) aus, wie die beiden Frauen berichten. Für einige Bewohner dieser Altkreise ist Wittstock einfach näher als die Kreisstadt. „Die Menschen wollen einen stärkeren Bezug zu ihrem Heimatort auf dem Autokennzeichen signalisieren“, vermutet Jean Dibbert.

OPR kommt dennoch am meisten vor

Der wohnortnahe Service wirke sich positiv auf das Nutzerverhalten aus. Fast 4700 Fahrzeuge sind aktuell mit WK-Kennzeichen unterwegs, wie die Sprecherin des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Britta Avantario, informiert. Seit der Wiedereinführung der Altkreiskennzeichen in Brandenburg 2013 haben 743 Halter ihre Fahrzeuge mit WK versehen lassen.

Im Raum Kyritz sind es sogar noch mehr. Dort tragen aktuell über 5000 Fahrzeuge ein KY-Kennzeichen, seit 2013 sind 1074 dazugekommen. Fast 1800 Kennzeichen des Altkreises Neuruppin (NP) sind seitdem erstellt worden. So gibt es im Landkreis über 11 100 Fahrzeuge mit NP-Nummernschild. „Wer eine Änderung der Erkennungsnummer hinter den Herkunftsbuchstaben wünscht, zahlt 10,20 Euro dazu“, erklärt Avantario. Sollte das Kennzeichen vorher reserviert worden sein, erhöhe sich die Gebühr noch mal um 2,60 Euro pro Jahr.

Tausende Altkreiskennzeichen unterwegs

68 176 Fahrzeuge im Landkreis Ostprignitz-Ruppin tragen aktuell ein OPR-Kennzeichen. 11 123 Fahrzeuge führen im Nummernschild hingegen die Altkreiskennzeichen NP, 5040 KY, 4969 WK.

Die Einführung der Altkreiskennzeichen geht auf die Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung vom 1. November 2012 zurück.

Brandenburg hat Anfang 2013 Altkreiskennzeichen wieder möglich gemacht. Ostprignitz-Ruppin nutzte diese Möglichkeit. Seitdem wurden 1779 NP-, 1074 KY- und 743-WK-Kennzeichen ausgestellt.


werden bei Neuzulassung keine Altkreiskennzeichen ausgestellt. Nur Fahrzeuge, die vor der Kreisreform zugelassen worden sind, tragen sie noch.

, Oder-Spree, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming verzichteten.

Bei aller Liebe zur Heimat und Identitätsstiftung über zwei Buchstaben sind es im gesamten Landkreis nach wie vor die drei Anfangsbuchstaben OPR, die die Nummernschildlandschaft prägen: 68 176 mal tauchen sie in der Region auf. Britta Avantario zufolge macht OPR fast einen Anteil von 60 Prozent aller vergebenen Kennzeichen aus. Grund dafür könnten die Gebühren von etwa 28 Euro sein, die für eine Umänderung in ein Altkreiskennzeichen ohne notwendige Neuzulassung anfallen.

Während also in Ostprignitz-Ruppin Altkreiskennzeichen statistisch belegt an Beliebtheit gewinnen, haben die Prignitzer das Nachsehen. Im Landkreises Prignitz gibt es nach wie vor keine Möglichkeit, Kennzeichen der Altkreise Pritz­walk (PK) oder Perleberg (PER) wiederzubeleben, wie Kreissprecher Frank Stubenrauch mitteilt.

Kein Bedarf für Altkreiszeichen in der Prignitz

Bereits 2013 hatte eine Kreissprecherin der MAZ zu diesem Thema gesagt: „Aus unserer Sicht gibt es keinen Bedarf.“ Daran hat sich nach Auffassung des jetzigen Kreissprechers Stubenrauch nichts geändert – es gebe weiter nur wenige Anfragen. Deshalb erhält in der Prignitz jedes neuzugelassene Fahrzeug auch ein PR-Kennzeichen.

Ausgenommen sind die bereits vor der Kreisgebietsreform 1993 zugelassenen Fahrzeuge, die seitdem PER- oder PK-Kennzeichen tragen. Ausschließen möchte Frank Stubenrauch zudem nicht, dass es im Amt Lenzen-Elbtalaue, das bis 1992 zum mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust gehört hatte, noch Fahrzeuge oder Anhänger mit LWL-Kennzeichen gibt. „Schwierig wird es bei Anfragen aus Orten, die zuvor zum Landkreis Kyritz gehört haben“, erklärt ein Mitarbeiter der Zulassungsstelle in Perleberg. Obwohl damals KY für den Altkreis gegolten hätte, könne das im heutigen Landkreis Prignitz gemeldete Fahrzeug lediglich mit PR versehen werden.

Von Christian Bark

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