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Prignitz Am Abendbrottisch mit Luther
Lokales Prignitz Am Abendbrottisch mit Luther
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14:42 01.11.2017
Martin Luther wird auf der Wartburg vom Kurfürsten Friedrich III. (Ole Star) zum Ritter geschlagen: „Du bist jetzt Junker Jörg!“ Quelle: Kerstin Beck
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Perleberg

Wer eine halbe Stunde vor Beginn des spannenden Luther-Musicals – des wohl unbestrittenen Höhepunktes des Luther-Jahres in der Prignitz – am Dienstagnachmittag in die Perleberger Kirche kommt, um noch einen Platz zu ergattern, kommt zu spät. Alles ist besetzt, und „so war es nicht einmal zu Heilig Abend“ wird einem ins Ohr geraunt. Einen Tag zuvor war die letzte Probe. Den Hauptdarsteller, Jonas Grünberg, der später eine Bravourleistung auf der Bühne abgibt, lässt das kalt: „Ich habe nicht einmal Lampenfieber!“

Die Rahmenhandlung: Abends im Hause Luther befragt die kleine Margaretha (Jasmin Mewes, rechts) ihren Herrn Vater nach seinem Leben. Quelle: Kerstin Beck

Dann gibt es eine kleine Ankündigung von Superintendentin Eva-Maria Menard: „Wir wissen viel über Luther, aber eines nicht, und das werden wir jetzt erfahren: wie es damals so am Abendbrottisch der Luthers zuging – mit Hilfe von vielen singenden, sprechenden, betenden und spielenden Kindern des Kirchenkreises!“ Genau gesagt 55 Kindern, die jetzt einmarschieren, und in der Kanzel unterhalten sich erst einmal zwei Erzählerinnen (Hendrikje Börs und Kim Zoll): „Vor 500 Jahren ist Großes geschehen, aber es wäre doch langweilig, das zu erzählen. Viel besser ist es, das alles mitzuerleben!“

Martin erzählt von Kinder- und Jugendzeit

Und schwupps, werden die Zuschauer ins Jahr 1517 geführt. Da gibt es rechts vorn auf der Bühne einen Abendbrottisch. Martin Luther (Jonas Grünberg), Ehefrau Katharina von Bora (Hannah Höger) und Muhme Lehne (Sherin-Befin Dag) samt Kinder Martin, Paul, Johannes und Margarethe (Anneke Eichler, Pia Joeann Wilhelmi, Stella Waldemann und Jasmin Mewes) sitzen noch beisammen. Da taucht im Gespräch die Frage auf, wie es dem Familienoberhaupt denn früher so ergangen war. „Und wie ging es dann weiter, Herr Vater?“ fragt letztere immer wieder mit artig piepsender Stimme.

Luther und seine Anhänger. Quelle: Kerstin Beck

Und Martin erzählt. Von seiner Schulbildung. Von seinem abgebrochenen Studium. Von seinem Schwur, ins Kloster einzutreten, um Gott dienen zu können. Von seinem Erlebnis mit dem Ablassprediger Johann Tetzel, als dieser Erfurt besuchte. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“, singen Renaissance-Knaben als Verstärkung – im Hintergrund ist der Erfurter Marktplatz zu sehen. Realer geht es kaum.

Luther wird Junker Jörg

Martin erkennt die Ungerechtigkeit des Ablasshandels, „dass der Papst damit immer reicher und die Menschen immer ärmer werden“. Aber was tun? „Es war so ein Tag wie heute, da ging ich mit meinem Hammer um die Mittagszeit an die Kirchentür in Wittenberg und schlug meine Thesen an!“

Hatte das Musica eingeübt, soufflierte jetzt und gab ständig den Kindern Hilfe: die Perleberger Gemeindepädagogin Isabella Scholz-Glomke (rechts). Quelle: Kerstin Beck

Nun kommt, was kommen musste, nach Luthers Weigerung, seine Thesen zu widerrufen, „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“, singt Kardinal Cajetan: „Jetzt ist es bald vorbei und er ist vogelfrei!“ Doch alles kommt anders als geplant, und in der vorsorglichen Inhaftierung in der Wartburg als „Junker Jörg“ wird die Bibel übersetzt. „Doch da bekam ich Besuch!“, verrät der Vater. „Sicherlich von einem Burgfräulein!“ mutmaßen die Kinder. Nein, es war ja der Teufel, der sich da meldete, und ganz richtig fliegt dann auch ein Tintenfass durch das Geschehen.

Rührung und Tränen beim Ausklang

Aber eines Tages war die Arbeit dann vollbracht, und Luther singt stolz ins Publikum: „Ich hab es geschafft, endlich ist es soweit, die Bibel ist fertig und für euch bereit. Ihr könnt sie jetzt lesen, hier könnt ihr sie sehn, und jeder Mensch kann endlich Gott verstehn!“

Doch zuletzt gesteht der Reformator noch eines: „Aber richtig glücklich wurde ich durch Katharina von Bora, meine Käthe, mein Liebchen, meine Katharina Lutherin, Doctorin, Bauerin und Richterin, Brauerin und Gärtnerin!“

Kein Gedanke an Widerruf seiner Thesen: „Hier steh’ ich nun, ich kann nicht anders!“ Quelle: Kerstin Beck

Der tosende Applaus verrät zuletzt, wie das musikalische Kunstwerk dem Publikum gefallen hat, und die älteste Besucherin, die 98-jährige Perlebergerin Ursula Schwabe, fasst es in begeisterte Worte: „Das war ganz hervorragend, ganz, ganz prima! Wer hat das wohl gemacht?“ Geschrieben hat das Stück bereits vor fünf Jahren der 48-jährige evangelische Pfarrer, freiberufliche Hörfunkjournalist, Musiker und Autor Heiko Bräuning. Die musikalische Leitung hatte die Perleberger Kantorin Dorothea Uibel inne, und inszeniert hat es die Perleberger Gemeindepädagogin Isabella Scholz-Glomke, die zuletzt vor Rührung den Tränen nahe war und sich wiederum bei den Kindern bedankte: „Jedem von Euch ein ganz großes „Drück“ als Dank!“

Aber es gibt ja noch eine Überraschung für die vielen kleinen Mitwirkenden: Sie werden demnächst eine Fahrt zur Wartburg machen und damit den wohl bekanntesten „Originalschauplatz“ der Reformation besichtigen.

Von Kerstin Beck

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