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Ambitioniertes Verkehrskonzept für Pritzwalk

Vorfahrtsregelungen werden geändert Ambitioniertes Verkehrskonzept für Pritzwalk

Das neue Verkehrskonzept für Pritzwalk ist ambitioniert und wird die Stadt verändern. Bis es jetzt vorgestellt werden konnte, waren Jahre der Vorarbeit nötig. Die Umsetzung wird noch länger dauern, zumal sich die Macher bei der Stadt eine Menge vorgenommen haben.

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Die Doerfelstraße gehört zu den schönsten Straßenzügen der Stadt. Während aber die Häuser mittlerweile gut saniert sind, befindet sich die Straße in schlechtem Zustand. Das soll sich ändern. Im Planentwurf steht auch das Schrägparken auf dem Prüfstand.

Quelle: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Wer in einigen Jahren nach langer Zeit einmal wieder nach Pritzwalk kommt, könnte sich die Augen reiben. Denn wird auch nur ein Teil der jetzigen Vorstellungen für die künftige Entwicklung des Verkehrsraums Pritzwalk Wirklichkeit, dann werden viele Plätze und Straßen ein anderes Gesicht tragen. So existieren neue Konzepte für den Bürgerplatz, den Postplatz und die Doerfelstraße, die Grünstraße oder auch die Einmündung der Parkstraße in die Havelberger Straße. Allen Plänen ist eins gemein: Die angestrebte Verkehrsberuhigung und -vermeidung geht hier auch mit optischer Umgestaltung und Aufwertung einher.

Neue Vorfahrtsregelungen und Schwerlastverkehr als Ausnahme

Auch etwas anderes dürfte den Ankömmling in einigen Jahren verwundern: Die jetzigen Vorfahrtsregelungen werden insbesondere bei der Stadtausfahrt anders sein. So soll die L 155 künftig zur Vorfahrtsstraße werden. Das hat zum Beispiel die Folge, dass Fahrer, die von der Schlachthaustraße stadtauswärts fahren, an der Einmündung des Hansedamms halten müssen. Die neue Pritzwalker Verkehrswelt könnte dann auch eine sein, in der öffentliche Verkehrsmittel und Fahrradfahrer dominanter sind als bisher. So könnte die Stadtlinie erheblich ausgeweitet – und dann vielleicht auch stärker ausgelastet sein. Und: Schwerlastverkehr in der Innenstadt soll dann die absolute Ausnahme sein und sich auf ganz wenige Routen beschränken. Für den landwirtschaftlichen Verkehr gibt es dann sogar eine Ausweichroute, wenn er in einigen Jahren nicht ohnehin doch auf der Umgehungsstraße fahren darf. Im übrigen ist das Konzept keineswegs auf die Innenstadt begrenzt, sondern bezieht die gesamte Stadt mit ein. So soll zum Beispiel die Verbindungsstraße zwischen Neu Krüssow und Wilmersdorf bald in einen besseren Zustand gebracht werden.

Jochen Richard In der Pritzwalker Stadtverordnetenversammlung am 22

Jochen Richard In der Pritzwalker Stadtverordnetenversammlung am 22. November.

Quelle: Bernd Atzenroth

Wie weit gediehen all diese Vorstellungen bereits sind, wurde den Pritzwalker Stadtverordneten jüngst gleich mit drei Vorträgen ziemlich nachdrücklich vermittelt. Heiko Möbius hatte seinen Verkehrsleitfaden schon zum zweiten Mal ausführlich dargestellt. Ergänzt wurden seine Ausführungen für die Stadt von Friedhelm Müller. Und Jochen Richard vom Planungsbüro Richter-Richard stellte dann Planentwürfe für die genannten Straßenzüge vor. In der geplanten Nord-Ost-Spange (die MAZ berichtete) sieht er auch eine gute Maßnahme zur Stadtentwicklung. Beim Bürgerplatz müsse man „ran an das Thema Pflaster“. Für die Havelberger Straße arbeitet das Büro „ganz konkret“ an einer Vorplanung. In der Doerfelstraße sind die Häuser mittlerweile schick – die Straße selbst soll es auch werden. Der Postplatz liegt den Planern besonders am Herzen, zumal er eine Schnittstellenfunktion hat. Für all das braucht man natürlich auch Geld. Deshalb geht es aus Friedhelm Müllers Sicht „jetzt ans Eingemachte“. Um Fördermittel zu erhalten, muss die Stadt auch Eigenmittel aufbringen: „Wir brauchen städtische Vorleistungen für die Beantragung von Fördermitteln“, sagt Müller. Neben den Eigenmitteln sind dies Machbarkeitsstudien, Finanzierungskonzepte und – zum Beispiel im Fall der Havelberger Straße – eine Entwurfsplanung als Voraussetzung für den Fördermittelantrag.

Heiko Möbius präsentierte eine vereinfachte Darstellung das künftigen Leitsystem für Schwerlastverkehr und landwirtschaftlichen Verkehr

Heiko Möbius präsentierte eine vereinfachte Darstellung das künftigen Leitsystem für Schwerlastverkehr und landwirtschaftlichen Verkehr.

Quelle: Bernd Atzenroth

Nach all der geballten Information war klar, dass hierfür jahrelange Vorarbeit vonnöten war – seit 2012 ist all dies in der Mache. Dabei geht nun die eigentliche Arbeit erst richtig los, ein jahrelanger Umsetzungsprozess wird sich anschließen. Das zeigt alleine schon die Fülle der Vorhaben, von denen hier nur ein Teil genannt ist. Der Plan hat eine Perspektive „für die nächsten 30 bis 40 Jahre“, wie Vizebürgermeister Ronald Thiel erklärte.

Eins wurde auch klar: Ganz ohne Konflikte werden die Diskussionen ums Verkehrskonzept auch nicht abgehen. Die Anlieger der Hermann-Holz-Straße müssen zum Beispiel nun befürchten, dass dereinst die Traktoren bei ihrem Weg rund um die Innenstadt die Idylle der Anlieger in der Straße beeinträchtigen werden. Sie waren deshalb in großer Zahl zur Stadtverordnetenversammlung gekommen, einige hatten auch später das Gespräch mit Thiel und Möbius gesucht. Die schafften es aber, die Anlieger vorerst zu beruhigen, denn vor allen konkreten Plänen in diese Richtung liegt zunächst einmal eine Machbarkeitsstudie. Es wird also noch dauern, bis überhaupt etwas von dieser Idee konkret werden könnte. Und noch ist nicht auszuschließen, dass das Land bis dahin auch das derzeit dafür gesperrte Stück der Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben hat. Aber auch das ist noch alles Zukunftsmusik.

Der Pritzwalker Bürgerplatz soll neu geplant werden, hier zwei mögliche Planvarianten

Der Pritzwalker Bürgerplatz soll neu geplant werden, hier zwei mögliche Planvarianten..

Quelle: Bernd Atzenroth

Von Bernd Atzenroth

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