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Anlieger wollen keine neue Straße

Ellershagen-Ausbau Anlieger wollen keine neue Straße

Mit Transparenten und vielen Gesprächen wehren sich die Anlieger der Objektstraße in Ellershagen-Ausbau gegen den Neubau der Ortsdurchfahrt. Die alte Betonpiste – „ihre Waschbrettstraße“ – sei noch gut genug, finden sie. Die Gemeinde will laut Bürgermeisterin Astrid Eckert aber am Projekt festhalten.

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Ziemlich frustriert: Anlieger der Objektstraße in Ellershagen-Ausbau protestieren mit Transparenten an ihren Grundstückszäunen.

Quelle: fotos (2): Beate Vogel

Ellershagen. Schnurgerade zieht sich die Objektstraße durch Ellershagen-Ausbau (Amt Meyenburg). Die Betonplattenfahrbahn stammt noch aus DDR-Zeiten. Da werden Erinnerungen wach. Doch von Idylle ist gerade nichts zu merken in dem Gemeindeteil von Halenbeck-Rohlsdorf: An jedem zweiten Grundstückszaun hängen Transparente. „Wir wollen unsere Waschbrettstraße behalten“ steht darauf. Oder: „Gegen Abzocke durch Kommunen!“ Grund für den Frust der Anlieger ist der geplante Neubau der Objektstraße, den die Gemeindevertreter mit dem Haushaltsplan 2017 beschlossen haben. Am Dienstag trafen sie sich mit Bürgermeisterin Astrid Eckert. Sie machte klar, dass die Straße auf jeden Fall gemacht werden soll.

Im Haushalt der Gemeinde sind 715 700 Euro für das Projekt eingeplant. Fördermittel sind beantragt. Von der Zusage hängt ab, ob es überhaupt umgesetzt werden kann. Einen Teil der Kosten müssen die Anlieger aufbringen. Gebaut werden soll in zwei Abschnitten: 700 Meter im Ort, weitere 1700 Meter außerorts. Die Straße wird drei Meter breit sein. Mit dem ersten Abschnitt soll im Herbst begonnen werden, der zweite im Frühjahr 2018 folgen.

Abstimmung gegen den Neubau

Regelmäßig treffen sich jetzt die Anwohner bei Elvira Gwozdz und beraten, was sie gegen das Projekt unternehmen können. Im vergangenen Sommer hatte die Gemeinde zu einer Einwohnerversammlung eingeladen und um Meinungen gebeten. Fast alle waren bei der Abstimmung gegen den Neubau, sagt Karin Eisen. Man habe ihnen gesagt, dass dann nicht gebaut werde. „Und nun das“, empört sie sich. Horst Sauer kann die Argumentation für den Neubau nicht nachvollziehen: „Es geht nicht darum, dass die Straße kaputt ist“, glaubt er. Vielmehr sei die Objektstraße die letzte, die nicht dem allgemeinen Straßenbild in Halenbeck-Rohlsdorf entspricht. „Und nur weil es Fördergelder gibt, soll sie nun gemacht werden?“ Er hält das für eine Verschwendung. Anlieger Michael Götze sagt, er habe Mario Barth und Stern TV angeschrieben.

„Die Straße ist seit 50 Jahren nicht repariert worden“, meint Eisen. Tatsächlich liegen die alten Platten fest und relativ gerade im Boden, auch die Ränder sind nicht ausgefranst. Freilich ist die Fahrbahn holprig. „Wir lieben unsere Waschbrettstraße“, versichern die Bürger unisono. Ellen Hellwig, die in der Siedlung aufgewachsen ist, kann sich noch an den Bau der Betonstraße erinnern: „Das war im Sommer 1967, da kam eine Tiefbaufirma aus Berlin.“ Sogar Panzer seinen über die Straße gerollt. Das mache auch den geschichtlichen Wert der Straße aus, findet Gwozdz: „Die NVA war lange in Ellershagen.“

Anlieger fürchten Rennstrecke

Die Anlieger ärgert, dass sie für den Neubau, den sie nicht wollen, Straßenausbaubeiträge zahlen sollen. Die dürften bei den großen Grundstücken in Einzelfällen weit über 10 000 Euro liegen. 13 Parteien teilen sich die 2,5 Kilometer lange Strecke. Die Leute fürchten, dass die neue Straße zur Rennstrecke wird: Schon jetzt nutzen Landwirte und Lasterfahrer die Piste als Abkürzung. „Das Vertrauen in die Gemeinde ist gestört“, sagt Gwozdz.

Bürgermeisterin Eckert kann den Frust verstehen. Zumal gerade am Ortsrand der Legehennenstall errichtet werde (die MAZ berichtete). „Aber wir wollen die Gemeinde voran bringen“, sagt sie. Alle Straßen seien gemacht – bis auf die eine. Wer den Bürgern im vergangenen Sommer gesagt habe, dass die Objektstraße nicht gebaut werde, weiß Eckert nicht. Aber die Gemeinde könne nicht am Programm „Unser Dorf hat Zukunft“ teilnehmen oder Rad- und Wanderwege ausschildern und dann diese Straße so belassen. Das sei auch nach einer erneuten Beratung die Meinung der Gemeindevertreter.

Die Anlieger wollen jetzt einen Verein gründen. Gwozdz:„Damit wir mehr Mitspracherecht erhalten.“ „Wir Gemeinsam“ soll er heißen. Das verdeutlicht, was zumindest ein positiver Effekt der Sache ist: die Leute in Ellershagen-Ausbau haben zusammengefunden.

Von Beate Vogel

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