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Antrag für Hähnchenmast wird noch geprüft

Könkendorf Antrag für Hähnchenmast wird noch geprüft

Das Landesumweltamt ist noch immer dabei, die Antragsunterlagen für die geplante Hähnchenmastanlage bei Könkendorf zu prüfen. Unter anderem würden dabei die Einwendungen und der Erörterungstermin berücksichtigt. Offen sei außerdem, ob das Unternehmen als „landwirtschaftlicher Betrieb“ eingestuft wird.

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Blick in den künftigen Bio-Legehennenstall in Ellershagen-Ausbau. Er soll dieses Jahr noch in Betrieb gehen.

Quelle: Beate Vogel

Könkendorf. Halbhoch stehen die sattgrünen Halme auf dem Acker nördlich von Könkendorf, auf dem irgendwann die Hähnchenmastanlage entstehen soll. Wann in dem Pritzwalker Ortsteil Baubeginn ist, steht in den Sternen. Das gibt den Gegnern der für 324 000 Masthähnchen ausgelegten zwei Betriebe Zeit. Seit das Projekt bekannt wurde, laufen nicht nur Könkendorfer, sondern auch Bewohner in umliegenden Dörfern Sturm.

Im September vergangenen Jahres war es hoch her gegangenen beim Erörterungstermin zur Hähnchenmastanlage Könkendorf. Zuletzt hatte im Januar für Empörung gesorgt, dass das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) sich offenbar über die Entscheidung des Landkreises Prignitz hinweg gesetzt habe, wonach die beiden Unternehmen „keine landwirtschaftlichen Betriebe“ seien (die MAZ berichtete). Diese Einordnung ist Voraussetzung für den Anlagenbau. Das MIL habe die Stellungnahme des Kreises überstimmt. Seitdem hat sich – zumindest vordergründig – nicht viel getan.

Verfahren liegt noch beim Landesumweltamt

Bereits 2010 waren die ersten Unterlagen zum Projekt eingereicht worden. „Das Verfahren liegt noch bei den Behörden“, bedauert Investor Jan-Anne Legendal aus Holland. Eine Genehmigung sei noch nicht da. Wie lange es dauert, bis sie auf dem Tisch liegt, weiß er nicht. Auch die Stadt Pritzwalk, zu der Könkendorf gehört, sei „nicht über den aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens informiert“, hieß es von dort: „Die Stadt selbst ist nicht verfahrensführende Stelle.“ Die sei das Landesamt für Umwelt. Wann über die Anträge entschieden wird, kann derzeit noch nicht abgesehen werden, bestätigte Thomas Frey, Referent im Büro des Präsidenten beim Landesamt für Umwelt (LfU).

„Die Bearbeitung der Anträge dauert derzeit noch an“, informierte er auf Nachfrage. Die aus den Einwendungen und dem Erörterungstermin gewonnenen Erkenntnisse bedürften einer gründlichen Ermittlung und Prüfung durch das LfU und durch die beteiligten Fachbehörden.

Klares Statement

Klares Statement: Protest gegen Industriemastanlagen begrüßt die Besucher seit Jahren am Ortseingang Könkendorf.

Quelle: Beate Vogel

Das letzte Wort über die Einstufung der künftigen Betriebe scheint indessen noch gar nicht gesprochen: „Die bauplanungsrechtliche Beurteilung – und damit die Einordnung, ob es sich um Landwirtschaftsbetriebe handelt – ist ebenfalls noch in Prüfung, eine Entscheidung kann erst mit Abschluss der Genehmigungsverfahren getroffen werden“, so Thomas Frey.

Während bei Ställen für Legehennen erst ab einer Betriebsgröße von 15 000 Tieren ein Baugenehmigungsverfahren nötig ist, wird bei Masthähnchenställen ab 40 000 Tieren generell ein Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung eröffnet. Warum für die geplante Hähnchenmastanlage in Könkendorf zwei Betriebe für je rund 160 000 Vögel einen Antrag stellen, erschließt sich deshalb nicht. „Wie Anträge ausgestaltet sind und wie Anlagen konfiguriert werden, steht Antragstellern grundsätzlich frei“, erläutert der Sprecher des LfU. „Wir sind verpflichtet, die Anträge so zu prüfen, wie sie eingereicht werden.“ Dazu gehöre aber laut Thomas Frey auch, anhand des geltenden Rechts zu prüfen, ob Anlagen als Einheit betrachtet werden müssen. „Das war hier nicht der Fall.“ Die rechtliche Einordnung ändere sich nicht, wenn man beide Anlagen gemeinsam betrachten würde.

Anlieger fürchten Belastung durch Transporte

Den betroffenen Anwohnern ist das wahrscheinlich ohnehin egal. „Wir brauchen die Anlage nicht“, sagt die Wilmersdorfer Ortsvorsteherin Bärbel Zerbian. „Wir haben genug und sind ringsum gut versorgt mit Puten- und Hühnerställen“, meint sie auch mit Blick auf den Legehennenstall im Dorf, der aus Richtung Südwesten weithin zu sehen ist. Die Bio-Anlage für 14 000 braune Hennen hatte 2012 der italienische Investor Alessandro Zuchchiatti in Betrieb genommen. Bärbel Zerbian fürchtet, dass die zu erwartenden Transporte für den neuen Stall eine enorme Belastung werden: 1300 Lastwagenfahrten pro Jahr sind veranschlagt. Könkendorf habe zudem schon die Autobahn, die sehr belastend sei.

In Ellershagen-Ausbau (Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf) entsteht nur wenige Kilometer entfernt ein neuer Stall für Bio-Legehennen. Auch dort investiert Jan-Anne Legendal. In der für 14 900 Tiere ausgelegten Anlage sollen zunächst 13 400 braune Hennen gehalten werden. Das Gebäude steht bereits – in direkter Nachbarschaft zu den Wohnhäusern. Innen warten Aluminiumkonstruktionen für die späteren Sitzplätze, Trinkleitungen, Eiablage und Förderbänder für den Kot auf die Hühner. Noch im Sommer soll die Bio-Anlage in Betrieb gehen.

Von Beate Vogel

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