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Prignitz Anwohner wünschen Tempo 30
Lokales Prignitz Anwohner wünschen Tempo 30
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20:11 05.10.2017
Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge aller Art nutzen den Kopfsteinpflasterweg in Sarnow. Quelle: Bernd Atzenroth
Sarnow

Als hätte es noch eines letzten Beweises für die Richtigkeit seines Anliegens bedurft, schoss genau in dem Moment, als Harald Mannser mit der MAZ sprach, ein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit um die Ecke. Auf dem 80 Meter langen Kopfsteinpflasterstück in Sarnow bebte die Erde. Kurz danach kam aus Richtung Kemnitz dann ein Traktor mit leerem Anhänger rumpelnd und pumpelnd über die Feldsteinstraße, an der Harald Mannsers Haus nur 1,20 Meter von der Straße entfernt liegt. Die Vibrationen bringen, das versichert er, sogar Scheiben zum Bersten, Lärm und Staubentwicklung seien unerträglich.

Kein Wunder, dass sich Harald Mannser an dieser Stelle für eine schärfere Geschwindigkeitsbegrenzung einsetzt: Er möchte hier Tempo 30, zumindest für die Zeit, in der landwirtschaftliche Fahrzeuge häufig den Weg benutzen. Bislang gilt Tempo 50. Sein Nachbar Toni Strehl geht noch etwas weiter: Er findet, dass hier generell Tempo 30 gelten sollte, auch schon an der scharfen Kurve, die die Fahrzeuge nehmen, die aus Richtung Buchholz kommen. Beide erzählen, dass es vor nicht allzu langer Zeit im Sommer hier ein Fahrzeug aus der Kurve getragen hat. Strehl sieht hier auch die Gefahren für Kinder, die zur Schule gehen oder einfach nur spielen.

Schon vor gut zwei Jahren, am 22. September 2015, stellte Mannser einen Antrag bei der Unteren Verkehrsbehörde und das nicht nur für die Dorfstraße Richtung Kemnitz, sondern auch für den davon abgehenden Bölzker Weg, der nur eine Schotterpiste ist. Mannsers Bemühungen waren aber bislang nicht von Erfolg gekrönt. Zunächst beschied ihm der Kreis im Dezember 2015, dass er den Straßenbaulastträger, also die Stadt Pritzwalk, gebeten habe, eine Verkehrszählung an der Stelle durchzuführen und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu messen. Diese Messung erfolgte, so erzählt Harald Mannser, am 18. Januar 2016 „bei Eis und Schnee, mehr brauche ich ja nicht zu sagen“. Das Ergebnis konnte also gar nicht in seinem Sinne sein.

Behörden sehen keinen Handlungsbedarf

Nachdem er dann lange nichts von den Ämtern gehört hatte, schickte er seinen Antrag im August 2016 noch einmal an die Stadt Pritzwalk und wünschte sich einen Vor-Ort-Termin. Die Stadt antwortete etwa einen Monat später, dass sie leider „keine rechtliche Grundlage hat, diese Beschilderung anzuordnen und durchzusetzen“. Allerdings wurde zugesagt, noch einmal zu messen, um die geforderten Nachweise für eine Geschwindigkeitsbegrenzung erbringen zu können. Das geschah vom 26. Oktober bis zum 9. November 2016 – mit einem Ergebnis, das Mannser wieder nicht gefiel: Zwar war ein Transporter tatsächlich in dieser Zeit mit 64 Stundenkilometern unterwegs, doch hat sich nach Angaben der Stadt nur ein Prozent der Fahrzeuge nicht an das derzeit geltende Tempo 50 gehalten. Laut Zählung beträgt die tägliche Verkehrsdichte vor Mannsers Wohnhaus 161 Fahrzeuge. Der Schwerlastanteil beträgt daran über 20 Prozent.

Ergo: Die Stadt sah, so besagt es ein Schreiben vom 17. November 2016, aufgrund der ermittelten Zahlen keinen Handlungsbedarf, die Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Prignitz schloss sich wenige Tage später dieser Einschätzung. „Ich kann nachvollziehen, wenn Ihr Empfinden ein anderes Ergebnis vorgibt. Die Praxis beweist aber immer wieder, dass das Empfinden von Geschwindigkeiten und Verkehrsstärken deutlich von den gemessenen Werten abweicht“, schreibt Heiko Möbius in dem Schreiben.

Seitdem sind viele Monate vergangen, die Erntezeit kam und mit ihr stieg der Ärger bei den Anliegern wieder – die Antworten von Stadt und Kreis reichen ihnen auch jetzt, allen Untersuchungsergebnissen zum Trotz, nicht aus.

Von Bernd Atzenroth

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