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Archäologe Pawel Wolf ist im Sudan unterwegs

Groß Pankow Archäologe Pawel Wolf ist im Sudan unterwegs

Pawel Wolf ist ein Fachmann für Grabungen im Sudan. Seit 1992 hält sich der promovierte Wissenschaftler dort jährlich für mehrere Monate auf. Die Grabungsteams legen alte Siedlungen oder Tempelanlagen frei. Die Kulturgeschichte und die Strukturen im alten Sudan sind für den 58-Jährigen aus der Gemeinde Groß Pankow von besonderem Interesse.

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Neben den Grabungen im Sudan verbringt Pawel Wolf viel Zeit am Computer. Er dokumentiert und publiziert regelmäßig für die Fachwelt.

Quelle: Christamaria Ruch

Groß Pankow. Er pendelt zwischen den Kulturkreisen und Kontinenten. Der Archäologe Pawel Wolf kann kaum ein kontrastreicheres Leben führen. Zum einen lebt er in einem Dorf in der Gemeinde Groß Pankow, dann auch in Berlin und Jahr für Jahr zieht es ihn hinaus in die Welt: Länder wie der Sudan, Äthiopien oder Eritrea gehören für ihn zum Alltag. Und wenn er sich dort aufhält, versinkt er im Wortsinn in seiner wissenschaftlichen Arbeit.

Wenn der 58-jährige Pawel Wolf aus seinem Leben erzählt, kann sich der Zuhörer kaum diesem Sog widersetzen. Ruhig, fast mit leiser Stimme, beginnt er, weit auszuholen. Doch nach einiger Zeit fügt er immer schneller eine Episode an die nächste. Dabei verzichtet er nicht darauf, mit ausholenden Armen seinen Redefluss zu unterstreichen.

1992 erlebte Pawel Wolf seine erste Grabung im Sudan. Seitdem ist er jedes Jahr dort tätig. Das Klima fordert alle heraus: Im Dezember herrschen noch 25 Grad und machen die Grabungen verträglich. Doch bis April steigt das Thermometer auf 48 Grad. Dann folgt die Regenzeit bis zum Herbstanfang, in der alle archäologischen Arbeiten ruhen müssen.

Wolf war für die gesamte Logistik zuständig

In Meroe, der antiken Hauptstadt, legte Wolf 1992 eine Prozessionsallee an einem Tempel frei. „Das war das erste deutsch-deutsche archäologische Projekt im Sudan.“ Über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) war er dann fünf Jahre Grabungsleiter. Somit war er auch für die gesamte Logistik, bis hin zur Fotografie, zuständig. Vor Ort spricht er Englisch oder Arabisch. „Das ist eher Arabisch für den Küchengebrauch“, winkt er bescheiden ab.

In Musawwarat arbeitete seine Grabungsgruppe am Tempelkomplex. Doch die Gruppe ging neue Wege: Erstmals in der sudanesischen Grabungsgeschichte legte ein Team bis in fünf Meter Tiefe einen antiken Garten frei. „Die Kulturgeschichte und die Strukturen im alten Sudan sind mir wichtig. Auch wenn es nicht möglich ist, den Verfall aufzuhalten, ist es gut, dass schöne Grabungsstücke in den Museen im Sudan ausgestellt werden“, sagt Wolf.

Eine Grabungskampagne folgt der anderen

Seit Frühjahr 2001 fügt er immer wieder in Hamadab, nur drei Kilometer von Meroe entfernt, eine Grabungskampagne an die nächste. „Der Tempel dort war bekannt, aber wir haben erstmals durch unsere benachbarten Grabungen meroitische Stadtsiedlungen nachgewiesen“, so Wolf. Dabei sucht er Antworten auf die Frage, welche Lebensformen und Stadtstrukturen bis 300 nach Christus dort existierten.

Über die Methode der Oberflächenschürfung geht das Grabungsteam immer mehr in die Tiefe. Alle beweglichen Objekte, die dabei zu Tage kommen, werden an die Museen im Sudan übergeben. Der Rest wird zugeschüttet. „Das hat ganz praktische Gründe, denn die Siedlungen bestehen aus Schlammziegeln und würden sich sonst in der Regenzeit auflösen.“ 30 bis 40 Personen sind im Sudam in der Nationalen Vereinigung für Antike und Museen tätig – das kommt einer obersten Denkmalbehörde gleich. Wolf kennt sie alle und nutzt kurze Wege.

Zu seinem bis zu zehn Personen umfassenden deutschen Grabungsteam beteiligt Wolf immer zwischen 20 und 50 Arbeiter aus dem Sudan. Mittlerweile hat er 25 000 eigene Fotografien aus dem Sudan archiviert. Seit acht Jahren ist er parallel dazu im äthiopischen Wuquro unterwegs und legt Tempelanlangen frei: „Über den Tellerrand zu blicken ist wichtig.“ Außerdem rekonstruiert Pawel Wolf die archäologischen Plätze virtuell am Computer und publiziert regelmäßig für die Fachwelt. „Die Grabungen in Hamadab sind meine Lebensaufgabe“, sagt er. Wolf ist derzeit beim Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Berlin angestellt.

Gut 1000 Fundstücke am Nil gemacht

„Die Staudämme am Nil sind eine Gefahr für die Grabungsfelder“, sagt Wolf. Er erlebte, wie sein Grabungsteam gut 1000 Fundstücke auf einem drei Kilometer langen Abschnitt entlang des Nils entdeckte. „Wir haben alles fotografiert und beschrieben.“ Kurz darauf wurde alles vom angestauten Nil überflutet und verschwand für immer.

Pawel Wolf kam 1958 in Moskau zur Welt und zog im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Ostberlin. Mit seinen russischen Wurzeln wuchs er konsequenterweise zweisprachig auf. Schon früh fühlte er sich zur Archäologie gezogen. „Ich fand das einfach spannend.“ Nach der 10. Klasse absolvierte er eine Lehre zum Stuckateur. „In dieser Zeit entdeckte ich für mich das Interesse am Restaurieren.“ Auch wenn die Berliner Museen vor seiner Haustür lagen, schien eine Stelle dort „nahezu unerreichbar.“ 1978 öffnete sich plötzlich doch diese Tür und Pawel Wolf konnte an den Staatlichen Museen auf der Museumsinsel arbeiten. In der Zentralwerkstatt für Stein lernte er „von den ägyptischen Objekten bis hin zu Skulpturen des 19. Jahrhunderts viele Epochen und Materialien kennen. „Im Grunde habe ich jede Arbeit immer durch das Arbeiten kennen gelernt, also learning by doing.“ Nebenbei besuchte er zwei Jahre die Abendschule und büffelte für das Abitur.

Einer von ganz wenigen Ägyptologie-Studenten

Mithilfe einer Delegierung ergatterte er 1984 im Bereich Ägyptologie einen der begehrten Studienplätze an der Berliner Humboldt-Universität. „Ich wollte Restaurator mit ägyptologischem Schwerpunkt werden.“ Alle vier Jahre wurden vier bis fünf Studenten bei der Ägyptologie immatrikuliert. „Wir haben sechs Sprachen gelernt – dazu zählten auch Altägyptisch und Mittelägyptisch“, sagt Wolf. Alles in allem war dieser Studiengang „sehr philosophisch orientiert.“ Am Ende erreichten nur drei der fünf Studenten das Ziel, unter ihnen Pawel Wolf.

Er hing eine zweijährige Promotion an und beschäftigte sich mit der Sudanarchäologie. Seit 1958 befand sich an der Humboldt-Universität der weltweit einzige Studienort für Sudanarchäologie. „Ich war während der Promotionszeit kein einziges Mal im Sudan, alle Themenbereiche habe ich ausschließlich über die Literatur bearbeitet“, sagt Wolf. „Heute beschäftigen sich weltweit zwischen 100 und 120 Archäologen ernsthaft mit dem Sudan.“ Und die Bevölkerung im Land entwickelt zunehmend ein Interesse an der Archäologie. Pawel Wolfs Broschüre über die Grabungen in Hamadab wurde auch ins Arabische übersetzt. „Die Leute sehen, dass das Land eine Vergangenheit hat.“

Von Christamaria Ruch

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