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Prignitz Auf die Jännersdorfer ist Verlass
Lokales Prignitz Auf die Jännersdorfer ist Verlass
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00:17 18.03.2016
Das Gemeindehaus in Jännersdorf soll in diesem Jahr eine neue Fassade bekommen. Quelle: Beate Vogel
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Jännersdorf

Wenn Roswitha Wilke vor ihrer Haustür steht, blickt sie genau auf das Gemeindehaus von Jännersdorf (Amt Meyenburg). Die Wege können kürzer nicht sein für die ehrenamtliche Ortsvorsteherin. Ebenso kurz verlaufen die Abstimmungen im Ortsbeirat und mit den Bürgern. Die Jännersdorfer sind unkompliziert, findet die Ortsvorsteherin: „Wir finden immer Helfer, wenn wir welche brauchen, das Dorfleben klappt gut.“ Diesen Freitag steht die Frauentagsfeier auf dem Programm. „Die Männer kommen aber auch nicht zu kurz, für sie wird ein Eisbeinessen organisiert“, schmunzelt Roswitha Wilke.

Seit 1998 ist Roswitha Wilke das gewählte Dorfoberhaupt in Jännersdorf – zunächst als Bürgermeisterin, ab 2002, nach der Fusion der vier Gemeinden Krempendorf, Stepenitz, Frehne und Jännersdorf zu Marienfließ, als Ortsvorsteherin. „Ich wollte erst gar nicht“, erinnert sich die 64-Jährige, die vorher Gemeindevertreterin war. Ihr Vorgänger im Bürgermeisteramt, Rudolf Damke, habe sie einem einfachen Test unterzogen: „Ich sollte im Gemeindehaus den Tresor öffnen, das war ein bisschen kompliziert“, erzählt Roswitha Wilke lachend. Es klappte, sie wurde als geeignet befunden – und gewählt. Dabei war es durchaus von Vorteil, dass sie damals die Verkaufsstelle hatte: Der Laden war ein Anlaufpunkt für die Bürger. Bis heute macht Roswitha Wilke die ehrenamtliche Arbeit Spaß, sagt sie.

„Die Leute sind offen, das passt“

Gelernt hat sie Kellnerin, arbeitete später in Parchim als Verkäuferin. „1983 sind wir nach Jännersdorf gezogen.“ Ihr Mann sei kein Stadtmensch gewesen, erinnert sie sich. Im Dorf übernahm Roswitha Wilke die Verkaufsstelle von der Schwiegermutter, damals noch zu Konsumzeiten. 1992 machte sie sich dann selbstständig. Als sie den Laden 2000 schließen musste, wechselte die Wahl-Jännersdorferin zur Bahn. „Erst war ich Reinigungskraft, später dann Zugbegleiterin.“ Sie habe den Umzug nach Jännersdorf nie bereut, sagt sie: „Die Leute sind offen, das passt.“

Roswitha Wilke geht die Dinge unkompliziert an, auch bei ihrer Arbeit als Ortsbürgermeisterin. Gemeinsam mit ihren Ortsbeiräten Dörthe Damke und Uwe Bahlke bereite sie für die Dorfbewohner auch Veranstaltungen vor. „Dann machen wir Hauswurfzettel, die jeder von uns mal verteilt.“ Das festigt den Zusammenhalt: „Wenn einer Zuhause ist, erzählt man noch ein bisschen, das ist doch ganz normal.“

So haben die Ortsbeiräte die Frauen zur Frauentagsfeier am Freitagabend ab 18 Uhr im Gemeindehaus eingeladen. Nach dem Abendessen gibt es eine Überraschung, kündigt die Ortsvorsteherin schmunzelnd an. „Was, wird aber noch nicht verraten.“ Genauso persönlich werden die Jännersdorfer und Neu Redliner zum Osterfeuer am Gründonnerstag ab 18 Uhr oder zum Maibaumaufstellen Ende April eingeladen.

Roswitha Wilke ist gern Ortsvorsteherin in Jännersdorf. Quelle: Beate Vogel

Alle 14 Tage treffen sich die Rentnerfrauen zum Kaffee- und Spielenachmittag im Gemeindehaus. „Wobei die Spiele seit einem Jahr wegfallen, es ist eher ein Plauschnachmittag“, erzählt Roswitha Wilke. Reihum wird dafür der Kuchen gebacken. Die 16 Frauen machen auch gemeinsame Ausflüge. „Erst letzte Woche waren wir im Plauer Ortsteil Appelburg im Antik-Café.“ Die Leute seien so dankbar, wenn für sie solche Dinge organisiert werden, freut sich die 64-Jährige.

Wenn einer nicht kann, macht es der andere

Auch auf den Sport- und Kulturverein kann sich die Ortsbürgermeisterin verlassen. Der habe es zumindest finanziell ein bisschen einfacher, weil die Gemeinde einen Sponsorenvertrag mit den Windkraft-Betreibern hat. Davon kann der Verein profitieren. Die Kulturgruppe mit 18 Mitgliedern habe viele unentdeckte Talente. „Sie proben schon wieder für das Dorfjubiläum Anfang Juli.“ Denn einen Tanzabend ohne Programm wollen die Jännersdorfer gar nicht erst haben. Weil sich überall Freiwillige finden, gibt es für das Fest kein Komitee, sagt Roswitha Wilke. Wenn einer nicht kann, macht es der andere. „Und Kuchenbäcker sind immer da.“

Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat sich an ihrer Arbeit als Ortsvorsteherin nichts geändert. Wenn größere Maßnahmen anstehen, fallen die Termine eben dichter, sagt Roswitha Wilke: „Wenn zum Beispiel eine Baumaßnahme wie das Gemeindehaus ansteht.“ Es soll dieses Jahr eine neue Fassade bekommen und innen von Feuchtigkeit befreit werden. Da gibt es viel zu organisieren, vor allem, weil schon Termine für Familienfeiern anliegen. Im Gemeindehaushalt für 2016 soll die Maßnahme eingeplant werden.

Von Beate Vogel

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