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Prignitz Auf letzter Fahrt nach Wittenberge
Lokales Prignitz Auf letzter Fahrt nach Wittenberge
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17:14 15.05.2017
Die drei Kapitäne der MS Klostersande mit dem nagelneuen Tampen (v. l.): Klaus Hammer und Günter Holtz. Norbert Hartmann, mit Hans Barzel, Wolfgang Köster, Jürgen Tillmann und Peter Bohn. Quelle: privat
Wittenberge/Elmshorn

Wenn zu Zeiten der deutschen Teilung Haferflocken in den Westpaketen lagen, konnte es gut sein, dass die DDR-Bürger staunenden Auges und wässrigen Mundes Produkte des heimischen Ackers genossen. Denn die Firma Peter Kölln aus dem schleswig-holsteinischen Elmshorn bezog einen Teil ihrer Rohware aus der DDR. Verschifft wurde der Hafer von Wittenberge aus. Die MS „Klostersande“ war einer von vier firmeneigenen Getreidefrachtern, der nicht nur für Peter Kölln fuhr, sondern dem Familienunternehmen auch gehörte. Gemeinsam mit dem Schwesterschiff „Korngarbe“ sorgte das Schiff für Nachschub in der „Kölln-Flocken“-Produktion.

Im Jahr 2000 wurde die MS „Klostersande“ verkauft und hatte seitdem verschiedene Eigentümer. Nun soll es zur letzten großen Fahrt nach Wittenberge aufbrechen.

Partnerschaft im Sommer 1990 besiegelt

„Der damalige Kapitän der MS ’Klostersande’, Karl Schinkel, fuhr jahrelang für Peter Kölln Getreide aus Wittenberge nach Elmshorn“, berichtet Siegfried Konjack, Mitglied im Förderverein „MS Klostersande und Mitbegründer der Städterpartnerschaft zwischen Elmshorn und Wittenberge. „So reifte bei Karl Schinkel der Entschluss, eine Partnerschaft zwischen beiden Städten zu empfehlen. Er erfuhr hierbei Unterstützung durch die ehemaligen Betriebsleiter Hans Rieck und Herbert Baumann von der VEB Getreidewirtschaft, Silo, Wittenberge“, sagt Siegfried Konjack. „Im Sommer 1990, kurz vor der Wiedervereinigung, wurde die Partnerschaft dann zwischen den Bürgermeistern Sigmar Luft (Wittenberge) und Bernd Schwachenwalde (Elmshorn) im Wittenberger Rathaus und in Elmshorn besiegelt“, erinnert sich Siegfried Konjack,

Er sorgte dafür, dass der erste nach der Wiederbvereinigung eröffnete „Trimm-Trab ins Grüne“ nach Wittenberge kam. Der Spielplatz im Clara-Zetkin-Park zeugt noch heute davon. Einer der Hauptgründe dafür, dass die „Klostersande“ nicht mehr Getreide in ihren Heimathafen nach Elmshorn bringen konnte, liegt in der starken Verschlickung der ­Krückau. Was die Elbe für Wittenberge, ist die Krückau für Elmshorn: das wasserseitige Tor zur Welt, mit dessen Hilfe Handel und Wandel gedeihen soll.

Veranstaltungen im Schiffsrumpf

Mittlerweile gibt es einen Förderverein unter Leitung von Frank Lexau, der sich um den Erhalt der MS „Klostersande“ kümmert. Inzwischen ist es zu einem Event-Schiff geworden. In vierjähriger Arbeit haben die Fördervereinsmitglieder dafür gesorgt, dass in den Laderraum eine Bühne sowie eine Küche und eine Toilette eingebaut wurden. Das Schiff war schon Schauplatz vieler Veranstaltungen. Auf dem ehemaligen Frachter kann man sich sogar trauen lassen.

Da der Frachter eine wo wichtige Rolle beim Zustandekommen der Städtepartnerschaft spielte, soll er noch einmal die Reise nach Wittenberge antreten. „Wenn alles nach Plan läuft, wird die MS ’Klostersande’ am Mittwoch 17. Mai um 8 Uhr den Liegeplatz im Krückau-Hafen verlassen und mit einer neunköpfigen Crew – auf der Brücke die Kapitäne Günter Holtz und Klaus Hammer – in Richtung Wittenberge schippern“, informiert Siegfried Konjack weiter.

Interessantes Fahrmanöver

Vorausgesetzt, alles verläuft planmäßig, soll die MS „Klostersande“ am Freitag gegen 11 Uhr im Wittenberger Nedwighafen festmachen. Der Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje und Frank Lexau vom Förderverein beabsichtigen, die „Schipper“ am Sonnabend gemeinsam mit dem Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann in der Elbestadt zu begrüßen. Zuvor wird das Schiff im Nedwighafen noch einmal die Fahrtrichtung ändern und rückwärts an der Backbordseite anlegen, was ein interessantes Fahrmanöver sein dürfte.

Am Sonnabend wird der Wittenberger Shanty-Chor „De Buhnenkieker“ ab 10 Uhr an Bord zu erleben sein. Es können 90 Besucher daran teilnehmen, der Eintritt ist frei.

Von Andreas König

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