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Aus Netzen für Nixen

Tangendorf Aus Netzen für Nixen

In Tangendorf produziert Nele von Grumbkow eine Bekleidungskollektion für Männer und Frauen aus ökozertifizierten Materialien und bei fairen Löhnen. Inzwischen ist das Label Frija Omina auch international bekannt.

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Badeanzug aus Recyclingstoff, Teile aus der Sommer-Kollektion und warme Jacken für kalte Tage.

Quelle: Claudia Bihler

Tangendorf. Der pinkfarbene Badeanzug, den Nele von Grumbkow in der Hand hält, hat schon eine lange Geschichte hinter sich und ist dennoch funkelnagelneu. Und er gibt Anlass zu Wortspielereien wie „Meerjungfrau ins Netz gegangen“ und ähnlichem. Den Grund erklärt die Schneiderin, die seit kurzem in Tangendorf produziert: „Der Kunstfaserstoff für den Badeanzug ist aus Italien“, erklärt die 30-Jährige, „dort wird er aus gebrauchten Fischernetzen gefertigt.“

Nachhaltig, biologisch und fair hergestellt, das sind die Grundsätze, nach denen die Neu-Tangendorferin produziert. Ihr Label „Frija Omina“ hat es inzwischen zu breiter Anerkennung gebracht, nicht nur in Deutschland, Österreich, Italien – also in Europa – sondern bis in die USA: „Bis vor kurzem gab es das Kuriosum, dass weltweit ich die einzige Herstellerin von Badeanzügen aus ökologischer Baumwolle war“, sagt Nele von Grumbkow, die daraufhin viele Bestelllungen aus dem Land der Baumwolle bekam.

Bademode aus Tangendorf

Bademode aus Tangendorf.

Quelle: Frija Omina

Die Baumwolle, die sie in ihrer Manufaktur verarbeitet, stammt meist aus der Türkei und wird auch dort unter Minimierung von Transportwegen oft weiterverarbeitet. Manche Stoffe werden in Deutschland gewebt – alle aber tragen das höchste Biozertifikat, das in der Textilbranche möglich ist, was bedeutet, dass alle Materialien – vom Rohstoff bis zum Faden – unter Bio-Kriterien produziert wurden.

Während vor etwa 20 Jahren die Textilbranche sukzessive ihre Produktion in Niedriglohnländer verlegt hat und seither für nicht enden wollende Schlagzeilen über die schlechten Arbeitsbedingungen der Näherinnen sorgt, geht Nele von Grumbkow den umgekehrten Weg. „Neben der Biozertifizierung wird auch gerecht produziert“, sagt sie: „Für alle Beteiligten werden faire Löhne bezahlt, die Arbeitstage dürfen nicht ausufern.“ Dass trotz dieser hohen Ansprüche eine Produktion in Deutschland möglich ist, zeigt die junge Unternehmerin anschaulich – sogar auf eine Weise, die es auch noch ermöglicht, ihre rund 500 Modelle zu erschwinglichen Preisen auf den Markt zu bringen.

Die Unternehmerin würde gerne weitere Näherinnen einstellen

Die Unternehmerin würde gerne weitere Näherinnen einstellen.

Quelle: Claudia Bihler

Als Nele von Grumbkow mit ihrer Firma anfing, da hatte sie bereits eine Ausbildung zur Schneiderin absolviert. Die Grundlagen für ihren heutigen Beruf hat sie allerdings viel früher gelegt: „Ich glaube, ich war gerade acht Jahre alt, als ich zum ersten Mal auf dem Schoß meiner Mutter an der Nähmaschine saß“, erinnert sie sich: „Da kam ich noch gar nicht ans Pedal.“ Mit 16 Jahren hat sie ihr erstes Kleid genäht.

Nach der Ausbildung begann sie, eigene Modelle auch zum Verkauf zu entwickeln: „Angefangen habe ich mit Regenmänteln“, sagt sie: „Um den Stoff zu kaufen, musste ich erstmal Geld zusammensparen.“ Vor zwei Jahren hat sie mit der biologischen Produktion begonnen – damals lag ihr Laden noch im Berliner Kreuzberg, später in Perleberg. Vor wenigen Monaten hat Nele von Grumbkow das Haus in Tangendorf bezogen, wo sie heute mit drei Mitarbeiterinnen produziert.

Die Manufaktur im Grünen

Die Manufaktur im Grünen.

Quelle: Claudia Bihler

Der Anfang vor fünf Jahren sei schwer gewesen. In der Textilbranche ist der Konkurrenzkampf hart: „Da muss man sich in dem ganzen Modezirkus erst mal durchsetzen.“ Zumal Glamour und Glitter so gar nicht ihre Art sind: „Das ist dann die andere Seite der Branche.“

Im Gegensatz zur Glamour-Glitter-Welt werden bei Frija Omina auch nicht alle drei Monate neue Modelle auf den Markt geworfen. „Klar entwickle ich neue Schnitte“, sagt die Unternehmerin, „aber die meisten bleiben dauerhaft im Sortiment, weil das für mich auch eine Frage der Nachhaltigkeit ist.“ Und so können Kunden auch im Sommer warm-fluffige Merinojacken bestellen – neben Badeanzügen, Unterwäsche, T-Shirts, Kleidern für Damen und einer vergleichbaren Herrenkollektion. Vertrieben werden ihre Produkte inzwischen in zahlreichen Boutiquen im In- und Ausland und im Internetdirektverkauf.

Pläne hat die Schneiderin noch viele. „Das Haus in Tangendorf habe ich auch dafür ausgesucht, weil hier Platz für Expansion ist.“ Insgesamt 18 Nähmaschinen hat sie – und würde auch gern noch weitere Näherinnen mit einer Arbeitszeit über 30 Stunden pro Woche einstellen: „Je mehr Leute da sind, um so lustiger wird die Arbeit.“ Zudem würde sie selbst gern ihren Arbeitstag auf 40 Wochenstunden begrenzen.

Die meisten Schnitte bleiben langfristig Teil der  Kollektion

Die meisten Schnitte bleiben langfristig Teil der Kollektion.

Quelle: Claudia Bihler

Vor allem aber hat sie noch andere Vorstellungen – für Unterstützung ist sie offen. So könnte sie sich etwa damit anfreunden, auch Strickwaren in ihre Kollektion aufzunehmen: „Allerdings habe ich bisher niemanden, der sich mit Strickmaschinen auskennt.“ Ihr Traum ist es aber, auch eigene Stoffmuster zu entwerfen und zu bedrucken. „Eine solche Druckmaschine ist allerdings schon allein 30 Meter lang“, sagt die Unternehmerin und macht eine kleine Handbewegung, mit der sie ihr Gelände mit seinen Backsteingebäuden und dem Bauerngarten umschreibt: „Aber da weiß ich nicht so recht, wo ich damit hin soll.“ Gebaut wird dennoch: Im Obergeschoss ihrer Manufaktor entsteht ein Büro. In einem Anbau soll demnächst der Zuschnitt untergebracht werden.

Bis zum Nähgarn ist alles biozertifiziert

Bis zum Nähgarn ist alles biozertifiziert.

Quelle: Claudia Bihler

Von Claudia Bihler

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