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Aus Neuseeland zurück in die Prignitz

Meyenburg Aus Neuseeland zurück in die Prignitz

Annemarie Becken (27) ist familienbedingt mit Lokomotiven und Eisenbahnen groß geworden. Nach einer sechs Monate langen Tour durch Neuseeland nach der Ausbildung hat sie sich fürs Zurückkehren entschieden. Heute leitet sie unter anderem das Eisenbahn-Romantik-Hotel in Meyenburg.

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Vor dem Eisenbahn-Romantik-Hotel in Meyenburg stehen zwei Loks: Die Dampflok der Baureihe BR 50 und eine Diesellok V100.

Quelle: Claudia Bihler

Meyenburg. „Die Geräusche“, sagt sie, „die Technik, eigentlich alles. Mein Vater hat mich schon als Kind auf den Schoß genommen, und ich durfte dann bei der Lok auch mal auf die Hupe drücken – eigentlich habe ich Eisenbahn und Loks von Kindesbeinen an gehabt." Die Berufswahl von Annemarie Becken fiel dann doch zunächst vollständig anders aus. „Eigentlich habe ich ja mal den Beruf der Krankenschwester gelernt.“ Inzwischen leitet die 27-Jährige nicht nur das Hotel im ehemaligen Kloster Marienfließ in Stepenitz, sondern auch das Eisenbahnromantik-Hotel in Meyenburg – beliebter Anlaufpunkt für Eisenbahnfans aus ganz Deutschland.

An Bord die Liebe ihres Lebens getroffen

Doch zunächst ist sie selbst auf Tour gegangen – nicht mit der Eisenbahn, sondern mit einem Pkw: Ein halbes Jahr hat sie sich Neuseeland angeschaut, hier und dort ein bisschen gearbeitet, damit wieder Geld in die Kasse kam und ist letztendlich mit dem Containerschiff zurück nach Deutschland gefahren: „Ich habe gelesen, stundenlang aufs Meer geschaut. Meine Kabine war prima und die Besatzung hat jeden Abend Karaoke gesungen.“ Nachdem sie an Bord im Kapitän des Schiffes auch noch den Mann ihres Lebens gefunden hatte, kehrte sie zurück nach Hause: „Inzwischen fährt er nicht mehr zur See. Für eine Beziehung wäre eine viermonatige Abwesenheit mit drei Wochen Urlaub im Wechsel nicht das gewesen, was ich mir vorgestellt habe“, sagt Annemarie Becken.

Annemarie Becken im Restaurant des Eisenbahn-Romantik-Hotel in Meyenburg

Annemarie Becken im Restaurant des Eisenbahn-Romantik-Hotel in Meyenburg.

Quelle: Claudia Bihler

Sie selbst reist zwar nach wie vor gerne, und eigentlich hatte sie auch vor, wieder nach Neuseeland zu gehen. Aber letztlich hat sie sich entschieden, in der Region zu bleiben. „Klar habe ich darüber nachgedacht, woanders hinzugehen. Aber mir war schnell klar: Wenn ich bleibe, dann soll es mit Jännersdorf auch das Dorf sein, in dem ich aufgewachsen bin.“

Geschichten gehören zur Arbeit dazu

Seit insgesamt vier Jahren arbeitet sie nun im Hotelbetrieb in Meyenburg, drei Jahre lang als normale Mitarbeiterin, seit einem Jahr steht sie in der Verantwortung: „Aber nach wie vor erledige ich die gleichen Arbeiten wie alle anderen auch, ob das jetzt bei der Reinigung der Zimmer, im Restaurantservice oder bei den Büroarbeiten ist.“ Die beiden Hotels haben eine fünfköpfige Belegschaft. Während in Marienfließ lediglich sonntags ein Café geöffnet ist, hat das Meyenburger Haus täglich ab 17 Uhr auch ein Restaurantangebot. „Ich mag es, wenn ich Geschichten zu dem erzählen kann, was wir auf den Tisch bringen. Insofern servieren wir Wild aus der Region, das die heimischen Jäger bringen – oder wir haben Zander auf der Karte, der aus dem Plauer See stammt.“

Vor allem zu den Wochenenden ist das Hotel inzwischen vollständig ausgebucht: „Das haben wir auch der Zusammenarbeit mit Land & Scheune in Rohlsdorf zu verdanken. Wir bringen für sie in unseren Hotelzimmern Hochzeitsgäste unter.“ Was nicht bedeutet, dass Eisenbahnfans nun auf der Strecke bleiben.

Die BR 50 vor dem Hotel lässt die Herzen von Eisenbahnfans höher schlagen

Die BR 50 vor dem Hotel lässt die Herzen von Eisenbahnfans höher schlagen.

Quelle: Claudia Bihler

Regelmäßig – fünf Mal in diesem Jahr und auch am kommenden Wochenende – sind Eisenbahnfans eingeladen, die in Meyenburg ihren Ehrenlokführer-Führerschein ablegen wollen. „Dabei gibt es sogar theoretischen Unterricht“, sagt Annemarie Becken: „Meistens geht es dabei vor allem um Streckensignale.“ Geht es am nächsten Tag an die Praxis, können die Lokführer ehrenhalber auf die Strecke. „Weiterer Verkehr zwischen Meyenburg und in Richtung Ganzlin gibt es ja nicht, so dass jeder einmal in den Führerstand des Schienenbusses darf“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „In den der Ferkeltaxe, wie man bei uns sagt.“

Immer mit Blick auf die Strecke

Zum Anschluss erhält jeder ein Zertifikat, was ihn freilich nicht dazu berechtigt, auf öffentlichen Strecken eine Lok zu fahren. „Aber es gibt auch Aufbaukurse, bei denen die Leute dann beispielsweise eine andere Lok fahren können. Wir haben eine Gruppe Schweizer, die möchten jedes Jahr etwas anderes machen.“ Oft sind es ehemalige Eisenbahner, die einen Kurs aus nostalgischen Gründen buchen: „Und weil die ganze Atmosphäre dazu gehört, wollen sie am liebsten immer ein Zimmer mit Blick auf die Strecke und auf den Bahnübergang.“

Annemarie Becken hat das Lokführerzertifikat selbst noch nicht erworben. „Aber wenn es ginge, würde ich gerne mal eine dieser großen modernen Dieselloks steuern.“

Von Claudia Bihler

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