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Prignitz Bad Wilsnack: Platzeck sieht die Lage kritisch
Lokales Prignitz Bad Wilsnack: Platzeck sieht die Lage kritisch
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00:17 28.05.2016
Talkrunde im KMG-Klinikum: Matthias Platzeck im Gespräch mit Moderator Peter Brinkmann. Quelle: Jens Wegner
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Bad Wilsnack

Am Dienstag trafen sich der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck und der Moderator Peter Brinkmann zum Talk beim KMG- Club im Vitalhotel Ambiente in Bad Wilsnack. Peter Brinkmann war zur Wendezeit der einzige Korrespondent der Bild-Zeitung in der gerade noch existierenden DDR. Der Ingenieur für technische und biomedizinische Kybernetik, Matthias Platzeck, ist heute der Vorsitzende des Vereins Deutsch-Russisches Forum.

Im Pullover zur Vereidigung

„Was hast du gedacht, als dich Hans Modrow 1990 ins Politbüro berufen hat?”, fragte Brinkmann zu Beginn. „Ich war gerade im Westen und begegnete politischen Größen wie Genscher, die man in den Olymp gehoben hat. Modrow wollte eine neue Regierung gründen und ich sollte nach zwei Tagen im Westen wieder nach Hause kommen”, sagte Platzeck rückblickend und berichtete, dass er davon nicht begeistert war. Hinter ihm stand damals ein Journalist des ZDF, der wartete, dass das Telefon frei wurde. Zufällig hörte er das Gespräch mit. „Für so einen Anruf arbeitet man hier im Westen 30 Jahre lang, und zwar hart”, sagte dieser, worauf Platzeck zustimmte und nach Berlin flog. Er erinnerte sich, dass er damals noch keinen Anzug besaß und, so wie er war, zur Vereidigung ging. Seine Mutter habe das im Fernsehen gesehen. „Junge, musste das mit der Vereidigung im Pullover sein”, war ihre Reaktion.

Ein Traum ging in Erfüllung

Die Welt von Matthias Platzeck sollte sich nun grundlegend ändern. Anzüge wurden nun zur normalen Alltagsbekleidung. „Was hat dich an deinem Arbeitsleben fasziniert und was würdest du gern noch mal machen?”, fragte Brinkmann. „Es hat alles seine Zeit. Es war alles okay so. Dass es zu Ende war, war auch okay”, sagte der spätere brandenburgische Umweltminister, Potsdamer Bürgermeister und brandenburgische Ministerpräsident. „Einmal Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt sein und Ministerpräsident in seinem Land ist das Beste, was ich mir wünschen konnte.” Nach so vielen Jahren bilden sich Gruppen um einen herum, die nicht mehr das größte Potenzial bilden. Das sei für die Gesellschaft nicht gut, so Platzeck. Acht bis zehn Jahre als Ministerpräsident sind genug.

Sollten uns der Lidl-Verkäuferin widmen

Auf die Frage, warum es seiner Partei, der SPD, derzeit nicht gut gehe, meinte der 62-Jährige: „Es gibt im Moment keine sozial-demokratische Partei in Europa, die es leicht hat. Das liegt nicht an den Leuten an der Spitze, sondern an Inhalten.” In vielen Ländern hätten die rechtspopulistischen Parteien derzeit großen Zulauf. Die SPD müsse sich auf ihre historische Rolle als Partei des kleinen Mannes besinnen. Das sei ein bisschen aus dem Blick geraten. Für junge Familien in Ballungsräumen sei es schwer, eine adäquate Wohnung zu bekommen. Die Arbeitslosigkeit bei den jüngeren Arbeitnehmern sei besonders hoch. Die Leute spüren dies und der Frust kommt hoch. „Wir sollten uns eher der Lidl-Verkäuferin widmen als der Latte-Macchiato-Trinkerin”, versinnbildlichte Platzeck seine Idee von einer funktionierenden SPD.

Schwesig wäre gute Kanzlerkandidatin

Immer mehr Menschen würden die Parteien verlassen. „Wir sind an einer Schwelle, an der wir es nicht mehr schaffen, unsere Demokratie interessant zu machen”, bedauerte er. Die Beteiligung am demokratischen Prozess werde immer komplizierter. „Wir sind überreguliert.“ Die Leute hätten die Nase voll und suchten nach schnellen Lösungen und einer starken Hand. Damit spielte er auf historische Situationen in der Geschichte Deutschlands an, in denen die starke Hand gewählt wurde. „Wir sind heute in einer Vorstufe davon”, warnte Platzeck. Auf die Frage, wie er die anstehende Kanzlerkandidatur seiner Partei bewerte, hatte er eine einfache Antwort parat. Entweder sollte der erste oder der zweite Parteivorsitzende antreten. Aber auch Manuela Schwesig könne er sich gut als Kanzlerkandidatin vorstellen. Sie sei jung, intelligent und habe alles, was man als Kanzlerin braucht.

„Wir brauchen die Russen“

In seiner aktuellen Funktion als Vorsitzender des Vereins Deutsch-Russisches Forum setzt sich Plat­zeck dafür ein, die Freundschaft zwischen den beiden Ländern auf unterschiedlichste Arten zu beleben. „Wir brauchen die Russen für ein friedliches Zusammenleben in Europa”, sagte er. Die emotionale Entfernung zu Russland sei in den vergangenen zwei Jahren jedoch eklatant größer geworden. Die Deutschen hätten im Zweiten Weltkrieg Verbrechen begangen, von denen heute niemand mehr etwas wissen will. So haben deutsche Truppen russische Kriegsgefangene in offene Güterwagons gesteckt und sind mit ihnen im Oktober, November durch die Landschaft gefahren, damit sie schneller sterben. Dies sei nur ein Beispiel von vielen anderen Verbrechen. „Dem wird in Deutschland nicht gedacht. Und das stört mich”, sagte Platzeck.

Zum Abschluss gab Peter Brinkmann bekannt, dass man die Wunschliste der künftigen Talkgäste durchgegangen sei: „Einen davon werden wir aber ganz bestimmt nicht einladen. Dabei handelt es sich um Peter Maffay. Denn der will dafür 30 000 Euro haben.”

Von Jens Wegner

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