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Bad Wilsnack: Workshop zu Wallfahrten

Pilgern als neues Ziel Bad Wilsnack: Workshop zu Wallfahrten

Pilgern nach Bad Wilsnack ist wieder „in“. Das wurde beim Workshop mit internationaler Beteiligung im Wallfahrtsort der Prignitz deutlich. Professor Christian Antz von der Fachschule Westküste Heide sieht einen „Wachstumsmarkt Spirituelles Reisen“. In der Wunderblutkirche sind Veränderungen geplant

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Architektin Regine Hartkopf (l.) aus dem im Mansfelder Land gelegenen Südharz stellte bei der Besichtigung der Bad Wilsnacker Kirche ihr Konzept vor.

Quelle: Kerstin Beck

Bad Wilsnack. Der Förderverein Wunderblutkirche St. Nikolai e. V. hatte zum Sonnabend eingeladen – zu einem Workshop zum Thema „Wege nach Wilsnack“. Und gekommen waren nicht nur eine große Zahl von Gästen und Mitglieder, sondern Referenten, die aus ihrem eigenen Umfeld berichteten, und damit im weiteren Sinne einen neuen „Weg nach Wilsnack“ aufzeigten.

Denn genau gesehen gab es seit 1383 nur bis zur Reformation 170 Jahre hindurch Wallfahrten in die heutige Kurstadt; danach versank das „Santiago Nordeuropas“ in die Bedeutungslosigkeit einer „normalen“ Kirche. Und diese Zeit scheint nun, bedingt durch drei Umstände, vorbei zu sein: Das Pilgern ist wieder „in“, die Bad Wilsnacker Kirche bedarf einer dringenden Sanierung, und es steht in Aussicht, dass das monumentale Gotteshaus zu einem Denkmal von nationaler Bedeutung erhoben wird – was sich natürlich förderlich auf dringend erforderliche Fördermittel auswirken würde.

So erörterte Professor Christian Antz von der Fachschule Westküste Heide den „Wachstumsmarkt Spirituelles Reisen“, dem sich insbesondere viele Menschen der jüngeren Generationen widmen, „und das haben jüngste Shell-Studien bestätigt: In den Vordergrund sind wieder Werte wie Familie, Liebe und Freunde gerückt. Und diese Leute wollen nicht irgendwohin, wo alles perfekt aussieht, sondern sie wollen einen Sinn für ihr Leben entdecken!“

Wie „neue“ Pilger in Hamburg, „was ja nie ein Endpunkt war, sondern lediglich eine Station auf dem Weg“, auf „alten Routen“ begleitet werden können, erzählte Bernd Lohse, der als Pilgerpastor im Pilgerzentrum der Hamburger Jacobus-Kirche wirkt. Er bietet regelmäßig Pilger-Vespern und -Gottesdienste an, organisiert die Pilgerarbeit der Nordkirche und führt jeweils im Sommer eine Wandergruppe über den Olavsweg nach Trondheim in Norwegen.

Teilnehmer des Pilgerworkshops in Bad Wilsnack

Teilnehmer des Pilgerworkshops in Bad Wilsnack.

Quelle: Kerstin Beck

Cornelia Oefelein von der St. Jakobusgesellschaft Berlin-Brandenburg dagegen erzählte über ihre Erfahrungen mit Gruppenwanderungen in der Passionszeit von Berlin nach Wilsnack. „Das Interesse ist sehr groß, und es machen nicht nur Christen, sondern auch Nichtchristen und Jakobspilger mit!“

Und dann sprach Irene Rosenthal aus Lüneburg über ihre ganz persönlichen Pilgererfahrungen. Die Vorsitzende des Vereins Internationalen Pilgerstadt Lüneburg wies nach, dass es sogar einen entlang der Elbe führenden Pilgerweg von Magdeburg in Richtung Hamburg gegeben hatte – den die wochenlang unterwegs gewesene Wanderin ohne einen Cent in der Tasche verfolgte. „Da musste ich eben lernen, wie man bettelt, denn ich hatte lediglich die Empfehlungsschreiben der Bürgermeister in der Tasche!“

Dass die Reformation nicht überall zum Erliegen von Pilgerströmen beigetragen hatte, war von Anja Schöne vom Westfälischen Museum für religiöse Kultur in Telgte zu erfahren. Zu erfahren war auch, dass die jährlich etwa 150 000 Wallfahrer die münsterländische Stadt noch immer wegen der in der Wallfahrtskapelle zu besichtigenden Pietà aufsuchen und kaum wegen des dortigen Museums.

Das Museale soll aus der Bad Wilsnacker Kirche raus

Und ein musealer Bereich ist, es der momentan die Bad Wilsnacker Wunderblutkirche zu einem gewissen Teil ausfüllt, und der nach Meinung der Architektin und Dombaumeisterin Regine Hartkopf , die mit der Erarbeitung einer denkmalpflegerischen Instandsetzungskonzeption betraut ist, „einfach nicht hierher gehört“. Kernpunkt des Tages war eine kurze Besichtigung der Kirche unter diesem Gesichtspunkt. „Alles Museale gehört in einen Außenbereich, in ein neu zu erbauendes Gebäude, in dem auch Veranstaltungen der Kirchengemeinde stattfinden können, denn das heute vom Pfarramt genutzte Gebäude ist sowieso zu eng“, erläuterte die in ihrer Heimat Südharz äußerst engagierte Christin und Denkmalpflegerin. „Das kirchliche Bauamt in Berlin-Brandenburg bat mich um Mitarbeit, und seit ich die Kirche vor einem Jahr sah, bin ich von dieser monumentalen Größe und Weite fasziniert, die ja auch die hohe Bedeutung der Kirche symbolisiert. Und das Wichtigste ist natürlich, dass der Dachbereich wieder in Ordnung gebracht wird, aber das Innere mit seiner Aussagekraft ist ebenso bedeutend. Und da wird die Kirche davon gewinnen, wenn ihr Inneres nur Sakrales - und nichts anderes weiter - vermittelt. So stehen in der Wunderblutkapelle Vitrinen mit Bauelementen. Die können in so einem musealen Gebäude ausgestellt werden. Aber der Kirche muss ihre Spiritualität, und der Kapelle wieder ihr Geheimnis zurückgegeben werden.

Interessante Gedanken, die auch „nachgehört“ werden können, denn mit von der Partie war RBB-Mitarbeiterin Sabine Loeprich. Vor Ostern wird es einen Bericht zum Thema „Wunderblut“ im Radio geben.

Von Kerstin Beck

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