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Prignitz Bälows Ersterwähnung war eigentlich später
Lokales Prignitz Bälows Ersterwähnung war eigentlich später
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13:37 28.06.2018
Obwohl die echte 700-Jahrfeier eigentlich erst in 57 Jahren dran ist, feiern die Bälower jetzt schon. Quelle: Kerstin Beck
Bälow

Seit über einem Jahr sind engagierte Bälower dabei, den Ort für ihre 700-Jahrfeier zu rüsten. Jedoch: Es stimmt zwar die Zeit, aber nicht der Ort. Denn: Nicht das Prignitz-Dorf Bälow wurde vor 700 Jahren erstmals erwähnt, sondern das nördlich von Wittstock gelegene Below.

So sahen die Bälower Kirche und ihre Umgebung vor 1935 aus. Quelle: privat

„Wir wissen, dass es da eine Urkunde gibt und waren deswegen auch im Brandenburger Domstiftarchiv“, erzählt Gerald Neu, Ex-Bürgermeister und Chef des Bälower Dorfklubs. Domstiftarchivar Uwe Czubatynski aus Brandenburg hatte auf die Anfrage geantwortet: „Ich will nicht verschweigen, dass mir keine Zweifel gekommen sind, denn was hat der Ritter von Below mit Bälow zu tun? Außerdem ist in der Prignitz späterhin nie eine Familie von Below erwähnt worden!“

Ruthger verkauft ein Dorf

Worum es in besagter Urkunde geht: Im Jahr 1318 kommt es am achten Tag nach Pfingsten zu einem Verkauf des Dorfes Hennekendorf an ein Kloster durch Ruthger von Blumenthal, der auf seinem Schloss in nahe gelegenen Horst lebt und noch im selben Jahr stirbt.

Das Urmesstischblatt 1843 zeigt Bälow mit Lage des "Eiskellers", des "Sandkruges" und der Fährstelle. Quelle: Untere Denkmalbehörde Prignitz

Mit dabei sind außer dem „domino Theodoricus“ – also dem Herrn Theodor, womit der Klosterhauptmann gemeint ist – noch zwei andere Zeugen, ein „gherardus de grabow“ sowie, „nos Nicolaus, miles de Below dictus“, wie es in der selbstverständlich auf Latein gehaltenen Urkunde heißt. Damit ist „unser Nicolaus, Ritter von Below genannt“, gemeint.

Vorfahren haben schon vor 100 Jahren gefeuert

Das Kloster befindet sich in Heiligengrabe, Blumenthal liegt unweit davon entfernt, und Hennekendorf wiederum westsüdwestlich von Wittstock, welches im Schreiben wiederum als „wizstoch“ benannt wird. Grabow und Below liegen nördlich davon.

Heute sind die beiden Dörfer sogar zur Gemeinde Grabow-Below zusammengeschlossen – zu finden ist dieser Doppelort im Amt Röbel-Müritz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. „Und Klöster haben ihre Besitztümer auch immer aus ihrer jeweiligen Umgebung erhalten!“, so Czubatynski. Damit ist es sonnenklar: Das jetzt feiernde Bälow hat mit dem urkundlichen Below nichts, aber auch gar nichts zu tun.

„Wir machen aber trotzdem ein Fest“, beteuert Neu. „Schließlich haben unsere Vorfahren vor 100 Jahren ja auch gefeiert!“

Feuersteinbeil erst im 20. Jahrhundert wieder aufgetaucht

Eine Gründungsurkunde gibt es für Bälow übrigens nicht. Gewiss ist nur eines: Irgendwann – und spätestens im Hochmittelalter – bewohnen Slawen die sumpfige Elbgegend, die die Flur mit dem hellen Sandboden „bjelow“ – also „weiß“ – nennen.

Um 1930 war die Bälower Schule noch im Betrieb. Quelle: privat

Aber auch sie sind hier nicht die ersten Menschen. Was wird sich einige Jahrtausende zuvor der junge Bauer geärgert haben, als er merkte, dass er sein wertvolles Feuersteinbeil hier irgendwo in der Aue verloren hatte. Erst im 20. Jahrhundert ist es wieder aufgefunden worden und wanderte nach Bad Wilsnack in eine Ausstellung.

Besitzer wechseln rasch

Erst 1375 tritt das vormalige Runddorf in das Licht der Geschichte ein: mit Vivigenz von Stendal, der im Landbuch Kaiser Karl IV. als Lehnsbesitzer der Burg Bälow genannt wird. Mit Letzterer ist eine Befestigung südlich der heutigen Dorfstelle gemeint.

1384 geht diese als bischöfliches Havelbergisches Lehen mitsamt Rühstädt und Gnevsdorf an Wedigo von Quitzow. In darauffolgenden Jahrhunderten gibt es noch andere Besitzer: die von Grumbkow, von Bülow, von Gansauge, von Jagow. Die Bauern sind mit Hand- und Spanndiensten sowie mit alljährlichen Steuerzahlungen immer mit dabei.

Ein Deich soll Schutz bieten

Aber das ist noch längst nicht alles, was die Einwohner ertragen müssen. Da ist die Elbe, die ziemlich dicht an den Ort herangeht. Zum Glück wurde um 1300 ein langer Deich gezogen, der auch dieses Dorf vor den alljährlichen Hochwasserfluten schützen soll.

Wird es etwas nützen?

Nein, in Bälow sorgen die Hochwasserfluten nach wie vor für Überschwemmungen, die den Einwohnern derart zu schaffen machen, dass sie ihren Ort gleich zweimal an eine andere Stelle verlegen. 1686 heißt es: große Wassergefahr wegen der anstoßenden Elbe, und knapp hundert Jahre später, 1753: Bälow liegt unweit der Elbe, die die Einwohner genötigt hat, fortzurücken, auch die Kirche weiter weg zu bauen.

Kirche, Ziegelei und Dorfkrug

Das wiederholt sich. 1852 ist zu erfahren: Bälow liegt an der dritten Stelle, früher mehr oberwärts. Und die Kirche? 1545 als Tochterkirche von Rühstädt erstmals erwähnt, wird sie „an alter Stelle“ abgerissen und 1691 in Fachwerkmanier neu erbaut.

In den 1960er Jahren gab es noch eine gepflasterte Dorfstraße. Quelle: privat

1915 gibt es nach Plänen von Georg Büttner einen weiteren Neubau, in dem Teile des vorherigen barocken Gotteshauses Verwendung finden. Und entstanden sind noch mehr Bauten: 1860 gibt es eine Ziegelei und eine Getreidemühle. Gasthaus und Schule komplettieren das Dorf. Und den Dorfkrug gibt es seit mindestens 1801.

Höchste Einwohnerzahl im Jahr 1946 verzeichnet

Entstanden ist nun auch eine Chronik, die mit vielen Abbildungen auf etwa 120 Seiten die Vergangenheit des Dorfes beleuchtet. Höhepunktes des Festes ist natürlich der Festumzug, an dem sogar der fremde Ritter Nicolaus von Below zu sehen sein wird – samt den alteingesessenen Bälowern natürlich, die sicherlich in ihrem Kampf gegen das allgegenwärtige Hochwasser gezeigt werden. Andere Themen sind Landwirtschaft, Schule oder die Flüchtlinge, die hier nach dem Zweiten Weltkrieg Unterkunft fanden. 1946 hatte Bälow übrigens die bisher höchste Einwohnerzahl: 311.

In 57 Jahren können die Bälower übrigens wieder Feierlaune zeigen: Dann begeht der Ort nämlich wirklich den 700. Jahrestag seiner Ersterwähnung.

Von Kerstin Beck

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