Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Bagger bereiten Boden für etwas Neues

Genossenschaft "Elbstrom" wird in diesem Jahr 90 Wohnungen abreißen lassen Bagger bereiten Boden für etwas Neues

Wie ein Raubvogel stößt der Abrissbagger in das Zimmer. Es knirscht, es staubt, es rumpelt, dann hat die Baggerzange eine massive Betonplatte aus dem einstigen Neubaublock gerissen.

Voriger Artikel
Kontakte für den Kosovo
Nächster Artikel
Widerstand bei Festnahme

Mitarbeiter der Firma Eggers reißen den Wohnblock Kyritzer Straße 11a bis 13c in Wittenberge ab. Da es sich teilweise um asbesthaltigen Bauschutt handelt, muss dieser in spezielle Säcke gefüllt und einm zertifizierten Entsorger übergeben werden.

Quelle: ANdreeas König

Wittenberge. Mit dem Abriss der Kyritzer Straße 11a bis 13c nimmt die Wittenberger Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom" derzeit 50 Wohnungen "vom Markt", wie es im Branchenjargon genannt wird. Geschäftsführer Karsten Korup beherrscht diese Sprache, aber er weiß auch, dass damit nicht annähernd beschrieben wird, was in Köpfen und Herzen der Mieter vorgeht. "Vor ein paar Jahren wurde der Neubaublock mit meiner ehemaligen Wohnung an der Schwimmhalle abgerissen", erinnert sich Karsten Korup. "Kurz vorher haben wir mit der ganzen Familie unsere alte Wohnung besichtigt. Da klebten noch die Fliesen im Bad, die ich selbst angebracht habe. War schon ein komisches Gefühl. Wenn so ein Haus abgerissen wird, wirft man auch ein Stück Leben weg."

Doch trotz aller Emotionen will der Genossenschaftschef nicht den "optimistischen Blick in die Zukunft verlieren". Die sieht für das Allendeviertel zwar nicht rosig aus, aber dem Gebiet droht seiner Einschätzung nach auch nicht der totale Kahlschlag. "Unsere Pläne für den Wohnungsrückbau haben wir in unserer Mitgliederzeitschrift angekündigt", berichtet der Vorsitzende. Das habe zur Folge gehabt, dass viele Mieter sich beizeiten nach Ausweichwohnungen erkundigt hätten. Zwar sei ihnen so die Umzugskostenbeihilfe entgangen, die die Genossenschaft von Leerzug betroffenen Mitgliedern anbietet, dafür hätten Frühentschlossene die größte Auswahl gehabt, was das neue Heim angeht.

410 Wohnungen hat "Elbstrom" bisher abreißen lassen, einschließlich der 50 in der Kyritzer Straße. Bis Ende des Jahres verschwinden weitere 40 Wohnungen vom Markt: Der Block Dr.-Salvador-Allende-Straße 69 bis 75 soll noch im Dezember fallen. "Die demografische Entwicklung zwingt uns dazu", sagt Karsten Korup. Normalerweise plant die WGE den Abriss von 50 Wohnungen jährlich. "Alles andere ist wirtschaftlich weniger günstig", erklärt der Chef. Doch da es in diesem Jahr vor Ablauf der aktuellen Förderperiode Zuwendungen in Höhe von 70 Euro pro Quadratmeter gibt (bisher 45 Euro), nutzte die Genossenschaft die Gunst der Stunde. Trotz günstigerer Bedingungen bleibt das Problem der Altschulden aus DDR-Zeiten. Hinzu kommen Darlehen, die in den 90er Jahren für die Modernisierung der Blöcke aufgenommen wurden ‒ auch derjenigen, die jetzt abgerissen werden. "Wir müssen unsere Darlehen schneller zurückzahlen, als das unter normalen Bedingungen auf einem stabilen Wohnungsmarkt vonnöten wäre", erklärt der WGE-Chef. Dennoch bleibe der Genossenschaft nichts anderes übrig als der Abriss.

Doch was geschieht mit den frei werdenden Grundstücken? Bisher entstanden meist Grünflächen, wobei je zwei Bäume an die einstigen Eingänge erinnert. "Für die Kyritzer Straße 11a bis 13b verzichten wir darauf, weil dort schon von einem anderen Abriss Bäume stehen", sagt Karsten Korup. Doch das ist nicht der einzige Grund. Zwar werde auch die Abrissbrache zunächst begrünt, doch arbeitet die Genossenschaft mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und der Stadtverwaltung an einem Nutzungskonzept. "Vieles ist noch zu besprechen, aber es gibt Ideen, wie die vorhandenen Ver- und Entsorgungsanschlüsse sinnvoll genutzt werden können", sagt der "Elbstrom"-Chef.

Unterdessen müssen sich die Mieter anderer Wohnblöcke bereist gedanklich darauf einstellen, dass ihre Wohnungen "vom Markt genommen" werden: nächstes Jahr die Kyritzer Straße 7 a bis 9 b mit 39 Wohnungen und Sozialbüro und im Jahr 2015 die Dr.-Salvador-Allende-Straße 24 bis 40, mit 90 Wohnungen. Zumindest werden Wohnungen in diesen Blöcken nicht mehr neu vermietet. Mit rechtzeitiger Information und viel Optimismus kann man diesen Aussichten sicher auch etwas Angenehmes abgewinnen: "Das ehemals dicht bebaute Gebiet wird luftiger", sagt Karsten Korup.

Von Andreas König

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg