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Bahnhöfe im Land stehen auf der Kippe

Blumenthal (Ostprignitz-Ruppin) Bahnhöfe im Land stehen auf der Kippe

78 Bahnhöfe in Brandenburg stehen auf der Kippe. Sie alle verzeichnen täglich weniger als 50 Ein- und Aussteiger. Der Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus (Grüne) reiste quer durchs Land und machte sich vor Ort ein Bild von der Situation. Alles mündete in eine Wanderausstellung, die erstmals außerhalb des Landtags in Blumenthal Station macht.

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Detlef Glöde (M.) und Michael Jungclaus (r.) diskutierten über die Bahnangebote.

Quelle: Christamaria Ruch

Blumenthal. Vom grünen Tisch direkt in den Alltag des Brandenburger Bahnverkehrs – der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus suchte freiwillig dieses Abenteuer. Zug um Zug nahm er das Angebot unter die Lupe und besuchte über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren 78 Bahnhöfe im Land. Dieses Pensum absolvierte er in 21 Touren und dabei lernte er auch „alle Widrigkeiten unterwegs kennen.“ Seine Reiseeindrücke bündelt er nun in einer Wanderausstellung: Das Bürgerhaus in Blumenthal bildet seit Dienstag den ersten Haltepunkt, nachdem die Schau Anfang des Jahres im Brandenburger Landtag eröffnet wurde.

Michael Jungclaus gibt dem ländlichen Raum mit der Ausstellung eine Stimme

Michael Jungclaus gibt dem ländlichen Raum mit der Ausstellung eine Stimme.

Quelle: Christamaria Ruch

Unter dem Motto „Mehr als Bahnhof verstehen“ macht Michael Jungclaus auf die drohende Ausdünnung des brandenburgischen Bahnhofsnetzes aufmerksam. Er ist verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion. „Ein Gutachten des Landes zum Bahnverkehr und öffentlichen Personennahverkehr Mitte 2014 war für mich der Anstoß dieser Reise“, so Jungclaus in Blumenthal. „Ich wollte mir vor Ort ein Bild machen.“ Das ist ihm eindrücklich gelungen. Zur Ausstellung gehören neben den Aufnahmen der Haltepunkte auch Stimmen aus Regionen. „Die Zitate gehören zum Charme. Damit gebe ich den Regionen im Landtag eine Stimme.“

Alle 78 Bahnhöfe und Haltepunkte fallen in der Werteliste A bis D unter die niedrigste Kategorie D „täglich weniger als 50 Ein- und Aussteiger.“ Das bedeutet, diese Haltepunkte unterliegen im Landesnahverkehrsplan und in der Beamtensprache „einem Optimierungs- und Entscheidungsbedarf.“ Im Klartext heißt das: Diese Haltepunkte können einem Streichkonzert zum Opfer fallen. Auch die Heiligengraber Ortsteile Blumenthal, Liebenthal und Rosenwinkel stehen auf dieser Liste. Ebenso Sarnow, Bölzke und Wutike in unmittelbarer Nachbarschaft. „Ich hatte anfangs gedacht, wenn ich einen Bahnhof besuche, kenne ich alle anderen auch. Doch dieser Ansatz ist falsch.“ Mit Jungclaus` Reise gewinnt das Wort Bahnhofsmission eine neue Bedeutung, bescheinigte ihm ein Abgeordneter der CDU.

Er erlebte viele Abenteuer, wurde dabei vom Fahrplan ausgebremst, wurde zum unfreiwilligen Schwarzfahrer oder lernte die Fallstricke des Fahrkartenkaufs kennen. „Bei einer der ersten Touren verpasste ich unterwegs den Anschlusszug und musste dann mit dem Taxi zum nächsten Bahnhof weiterfahren“, sagte er. Kurios erscheint die Mitnahme des Drahtesels: Eine Radtageskarte vom Verkehrsbund Berlin- Brandenburg (VBB) kostet sechs Euro. Hingegen die im Fernverkehr, also über die Landesgrenze hinweg, ist um einen Euro günstiger. „Da habe ich natürlich gesagt, ich fahre weiter weg“, gestand er seine Notlüge. Die Schautafeln enthalten neben Fotos und Zitaten weitere wertvolle Angaben: Fahrtakt, Bahnlinie, Anbindung an Busverkehr, Stellplätze für Fahrrad und Auto und Barrierefreiheit. Eindrücklich sind seine Angaben zur Anzahl der Ein- und Ausstiege werktags und am Wochenende. „Das Land gibt keine Zahlen heraus – das fällt unters Betriebsgeheimnis“, so Michael Jungclaus.

Der Bahnhof Blumenthal gehört zu den 78 Haltepunkten im Land mit den geringsten Ein- und Aussteigern

Der Bahnhof Blumenthal gehört zu den 78 Haltepunkten im Land mit den geringsten Ein- und Aussteigern.

Quelle: Christamaria Ruch

Gut 20 Gäste besuchten die Vernissage in Blumenthal und diskutierten rege. „Der Parallelbetrieb von Bus und Bahn ist ein Kannibalismus und schädlich“, so Thomas Jansen. Die fehlenden Absprachen haben Ursachen: Während das Land den Bahnverkehr bestellt, übernehmen das die Landkreise für den Busbetrieb.

Wichtig wären hingegen landesbedeutsame Buslinien über Kreisgrenzen hinweg. Detlef Glöde zeigte dann, wie sich der Takt von täglich zwei Bahnpaaren auf der RB 73 zwischen Neustadt und Pritzwalk auswirkt. Er verließ kurzzeitig die Ausstellung: Während seine Frau morgens mit der Bahn von Blumenthal nach Pritzwalk fährt, muss sie nachmittags wegen fehlender Bahnangebote mit dem Bus bis Kolrep fahren. Dort holt sie ihr Mann ab.

Die Ausstellung ist bis 8. April im Bürgerhaus in Blumenthal geöffnet. Bei Interesse kann ein Termin mit Burga Oesterle telefonisch unter 0170/526 60 15 vereinbart werden.

Von Christamaria Ruch

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