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Barrierefreiheit bleibt ein Ziel

Perleberg Barrierefreiheit bleibt ein Ziel

Bei allen Bauvorhaben wird in Perleberg auf Barrierefreiheit geachtet. Bürgersteige wurden abgesenkt und Fahrstühle eingebaut. Doch eine Befragung der Bürger ergab, dass noch viele Hindernisse bestehen.

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Insbesondere für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator sind die Unebenheiten des Kopfsteinpflasters kreuzgefährlich.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Wie barrierefrei ist Perleberg eigentlich? Bei jedem Straßenbau, bei jedem Hausbau wird diese Frage berücksichtigt, Bürgersteige werden abgesenkt, Fahrstühle eingebaut. Bei einer Befragung der Bürger wurden diese Fortschritte auch anerkannt, doch zugleich wurde deutlich, wie viel noch zu tun bleibt – mehr als erwartet.

„Bei jedem Bauvorhaben achten wir auf Barrierefreiheit!“, erklärt Bürgermeisterin Annett Jura. „Aber wir werden auch in Zukunft in alten Gebäuden keine Barrierefreiheit haben.“ Das Rathaus auf dem Großen Markt ist so ein Fall. Es gibt zwar eine Klingel am Eingang, doch die Stufen bleiben ein unüberwindliches Hindernis. Selbst wenn Mitarbeiter der Verwaltung an der Tür Anliegen entgegennehmen, ist das noch keine Gleichbehandlung. „Wer will schon bei Wind und Wetter und in aller Öffentlichkeit über sein Anliegen sprechen“, sagt Angelika Hahn, die Behindertenbeauftragte im Landkreis Prignitz.

Die Stadt verfügt über zwei barrierefreie Verwaltungsgebäude

Bürgermeisterin Annett Jura sieht dies ebenso: „Termine mit einem Mitarbeiter des Rathauses sollen auch in anderen Gebäuden vereinbart werden können.“ Denn immerhin verfügt die Stadt über zwei barrierefreie Verwaltungsgebäude in der Karl-Liebknecht-Straße sowie am Großen Markt in der Lotte-Lehmann-Akademie.

Dennoch wünscht sich Annett Jura auch Barrierefreiheit für das unter Denkmalschutz stehende Rathaus. „Wir suchen nach Ideen. Eine könnte den Einbau eines Sessellifts betreffen.“ Aber mit Sicherheit wird es keinen Fahrstuhlanbau an am Denkmalobjekt geben können. Vorbild ist das Wittenberger Rathaus, wo es in einem langwierigen Prozess zum Einbau eines Fahrstuhls kam. Mehrere Dienstzimmer mussten dafür geopfert werden. „Wir haben die Barrierefreiheit im Blick“, verspricht Annett Jura, „aber es wird eine Weile dauern.“

Parallel zu den Bahnschranken entsteht ein Übergang  mit einer Querungshilfe auf der Fahrbahn für Fußgänger

Parallel zu den Bahnschranken entsteht ein Übergang mit einer Querungshilfe auf der Fahrbahn für Fußgänger.

Quelle: Michael Beeskow

Baldige Abhilfe soll es hingegen in zwei anderen Fällen geben. In wenigen Tagen beginnt die Bahn, den Bahnübergang in der Wittenberger Straße zu erneuern. Die Stadt nutzt die Gelegenheit, um einen neuen Übergang mit einer Querungshilfe in der Fahrbahnmitte für Fußgänger, Radfahrer und Rollstuhlfahrer einzurichten. Bisher endete der so genannte Poloweg vor einem Straßengeländer: Wer zum Bahnhof wollte, musste einen weiten Bogen schlagen. Doch fast alle kürzten den Weg nicht ungefährlich über den Bahnübergang ab. Das wird bald nicht mehr nötig sein.

Ein Unfallrisiko für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator stellt das Kopfsteinpflaster in der Quitzower Straße dar, die einen Einkaufsmarkt von vielen Seniorenwohnungen trennt. Obwohl die Sanierung der Straße noch nicht ansteht, will die Stadt nun einen ebenen Übergangsstreifen in der Holperfahrbahn anlegen.

Kaum ein Geschäft in den Innenstadt ist frei zugänglich

Doch die städtischen Liegenschaften sind nur ein Bereich. Nicole Drescher, Koordinatorin des Bündnisses für Familie in der Stadt, hat bei der Befragung von vielen anderen Hindernissen gehört, nicht nur von Senioren und Rollstuhlfahrern, sondern auch von Müttern mit Kinderwagen. Kaum ein Geschäft in den Innenstadt ist frei zugänglich, fast alle haben eine Stufe im Eingang. Bei Gaststätten sieht es ähnlich aus. Die Rampe, die zum Eiscafé in der Bäckerstraße führt, ist eine Ausnahme. So schön Stühle und Tische auf den Gehwegen sein mögen, ein Rollstuhlfahrer, der auf die Straße mit Autoverkehr ausweichen muss, sieht dies anders.

Bei der Befragung stellte sich auch heraus, wie wenig Arztpraxen in der Stadt, barrierefrei erreichbar sind. Da mag es sogar einen Aufzug geben, aber bis dorthin gelangt man nicht, weil im Eingang eine Stufe ist.

Parkausweis für Schwerbehinderte

Zwar bestehen klare Vorgaben, was unter Barrierefreiheit zu verstehen ist. Sogar in einer DIN sind diese festgehalten. Trotzdem wird Angelika Hahn täglich mit ganz verschiedenen Problemen konfrontiert. Als ein Ärgernis erweist sich etwa der Parkausweis für Schwerbehinderte. „Die Merkmale sind so eng gefasst, dass nur ganz wenige einen solchen Ausweis bekommen.“ Wer nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, bekommt den Ausweis nicht. „Es muss schon eine Unter- oder Oberschenkelamputation vorliegen“, erklärt Angelika Hahn. Auch bei Herzerkrankten gibt es ganz enge Vorgaben.

Beim barrierefreien Wohnraum hat sich in den letzten Jahren viel in Perleberg getan, hat Angelika Hahn bemerkt. „Über einen Fahrstuhl freuen sich aber nicht nur Rollstuhlfahrer“, sagt sie, „den nehmen auch junge Leute gern, wenn sie vom Einkauf kommen.“

Von Michael Beeskow

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